Schröpfen: So funktioniert das Naturheilverfahren

Kleine Gläser auf der Haut sollen mittels Unterdruck Verspannungen lösen und Schmerzen lindern. DONNA Online erklärt, wie das traditionelle Therapieverfahren funktioniert und bei welchen Beschwerden es helfen kann.

Auf dem Bauch liegende Frau mit nacktem Oberkörper während einer Schröpfbehandlung

Je nach Indikation werden unterschiedliche Schröpfverfahren angewendet: trockenes Schröpfen, blutiges Schröpfen oder die Schröpfkopfmassage.

Das Heilverfahren ist nicht neu. Sowohl in der tibetischen, chinesischen, indischen als auch der arabischen und persischen Medizin wird das Schröpfen seit jeher eingesetzt, um böse Geister und Miasmen (also Krankheiten auslösende Stoffe in der Luft oder Erde) aus dem Körper zu „saugen“ und die Körpersäfte ins Gleichgewicht zu bringen. Im antiken Griechenland war die Behandlung mit Unterdruck sogar so beliebt und anerkannt, dass Schröpfgläser den Berufsstand der Ärzte symbolisierten. Nachdem das Schröpfen im Westen im frühen 20. Jahrhundert nach und nach verschwand, erlebt es in den letzten Jahren eine gewisse Renaissance, die sich auch im zunehmenden Forschungsinteresse widerspiegelt. DONNA Online erklärt, wie das traditionelle Naturheilverfahren funktioniert und bei welchen Krankheiten und Beschwerden es Linderung verschaffen kann.

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Was ist Schröpfen?

Beim Schröpfen wird durch gläserne Schröpfglocken (auch Schröpfgläser, Saugglocken oder Schröpfköpfe genannt) ein Unterdruck auf bestimmten Hautarealen erzeugt, indem die Luft im Inneren der Gläser kurz erhitzt oder abgesaugt wird. Der erzeugte Unterdruck führt zu einem Ansaugen der Haut. Auch das darunterliegende Gewebe, meist Muskulatur, Bänder, Sehnengewebe, wird hochgezogen. Dadurch erweitern sich die Gefäße, die Strukturen lockern sich auf und die Durchblutung von Haut, Bindegewebe und Muskeln wird gefördert. Außerdem entsteht ein Reiz im Organismus, der Blockaden lösen sowie den Energiefluss des Körpers und seine Selbstheilungskräfte anregen soll.

Das Schröpfen erfolgt hauptsächlich im Schulterbereich und am Rücken, da hier die Reflexzonen liegen, die mit den inneren Organen und Organsystemen in Verbindung stehen. Geschröpft werden Verhärtungen der Haut und Muskeln, Erhebungen und leichte Eindellungen, da sie – laut Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) – auf eine Fehlfunktion der mit dieser Stelle verbundenen Organe hinweisen. Das gezielte Schröpfen der betroffenen Hautzonen soll die entsprechenden Organe unmittelbar beeinflussen, aktivieren und heilen.

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Behandlung: Das passiert bei der Schröpftherapie

Vor dem Schröpfen untersucht der Heilpraktiker oder Arzt den Patienten eingehend und sucht den Körper nach auffälligen Stellen (Verquellungen, Einziehungen, Asymmetrien und sonstigen Veränderungen der Haut) ab. Danach tastet der Schröpfexperte mit bestimmten Handgriffen den Körper ab, um die Durchblutungsverhältnisse und den Zustand der Muskeln zu beurteilen. Wie bereits erwähnt erfolgt das Schröpfen mithilfe von Saugglocken, die auf die ertasteten Hautregionen gesetzt werden. Dabei kommen Gläser mit verschiedenen Durchmessern und in verschiedenen Stärken zum Einsatz. Dünnwandige Schröpfgläser können auch im Sitzen angewendet werden, dickwandige, schwere Gläser meist im Liegen.

Damit der Unterdruck zustande kommt, muss die Luft im Schröpfglas erwärmt werden. Bei der traditionellen Methode werden brennende Wattebäusche in die Schröpfgefäße gehalten und das Glas anschließend auf die Haut gesetzt. Kühlt die Luft in den Gläsern ab, entsteht Unterdruck. Dieser kann aber auch mithilfe von modernen Absaugvorrichtungen wie Gummibällen oder elektrischen Vakuumpumpen erzeugt werden.

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Diese Schröpfmethoden gibt es

Das Schröpfen kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Insgesamt gibt es drei verschiedene Schröpfverfahren:

Trockenes Schröpfen

Beim trockenen Schröpfen werden die Schröpfköpfe direkt auf die auffälligen Verhärtungen und Erhebungen der Haut oder des Bindegewebes gesetzt und somit ein statischer Unterdruck auf ganz bestimmten Punkten erzeugt. Meist werden die Schröpfgläser nach etwa zehn bis 15 Minuten wieder abgenommen. Bilden sich vorher blaue Flecken oder fallen die Gläser ab, wird das Schröpfen früher beendet. Das trockene Schröpfen kommt vor allem bei chronischen Beschwerden oder vorbeugend zum Einsatz.

Blutiges Schröpfen 

Beim blutigen Schröpfen wird die Haut vor dem Aufsetzen der Schröpfgläser leicht angeritzt. Dies geschieht entweder mit einem sogenannten Schröpfschnepper oder einem Hämostilett, einer sterilen Lanzette. Anschließend werden die Schröpfköpfe aufgesetzt. Der Unterdruck zieht Gewebewasser und Blut aus den kleinen Schnittwunden. Dadurch sollen Schad- und Giftstoffe aus dem Körper geleitet, die Körpersäfte gereinigt und die Fließeigenschaften von Blut und Lymphe verbessert werden.

Wenn die Saugglocken zu etwa einem Drittel gefüllt sind, was meist nach etwa zehn bis 20 Minuten der Fall ist, werden sie vorsichtig wieder entfernt. Tritt kein Blut mehr aus, kann das blutige Schröpfen auch schon vorher beendet werden. Besonders bei akuten Schmerzen soll dieses stark ausleitende Verfahren gute Ergebnisse erzielen.

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Anwendung der beiden Schröpfmethoden

Sowohl die trockene als auch die blutige Schröpftherapie kommen hauptsächlich bei sogenannten Gelosen zum Einsatz. Dabei handelt es sich um tastbare Verhärtungen in der Unterhaut und der Muskulatur. Sogenannte „kalte Gelosen“ weisen auf einen gestörten Blutfluss hin. Sie sind klein, energiearm, tiefer eingesunken und nur bei festem Druck schmerzhaft. Hier kommt trockenes Schröpfen zum Einsatz. Es wirkt durchblutungsfördernd, aktivierend und kräftigend. „Heiße Gelosen“ hingegen lassen eher auf einen Füllezustand schließen. Sie sind prall, überwärmt und oberflächlich tastbar. Der Schmerz nimmt bei zunehmendem Druck ab. Hier wird das blutige Schröpfen angewendet, da es eine blutziehende, ausleitende und entlastende Wirkung auf das Bindegewebe und die darunter liegende Muskulatur hat.

Schröpfkopfmassage

Bei der Schröpfkopfmassage, auch Saugglockenmassage oder Vakuummassage genannt, handelt es sich um ein physikalisches Therapieverfahren, das dem trockenen Schröpfen ähnelt. Bevor die Saugglocken zum Einsatz kommen, werden die zu behandelnden Körperstellen mit Salbe oder Öl eingerieben. Dadurch kann der an der Haut angesaugte Schröpfkopf über die Haut gezogen und das darunter liegende Gewebe massiert werden. Folglich wird der Schröpfeffekt mit der positiven Wirkung einer Bindegewebsmassage kombiniert und verstärkt. Ziel der Schröpfkopfmassage ist es, die Durchblutung im Körper anzuregen.

Diese Schröpfmethode wird hauptsächlich bei inneren Erkrankungen mit Bezug zu den Reflexzonen angewandt – meistens in Kombination mit anderen Naturheilverfahren. Die Schröpfkopfmassage kann aber auch aus kosmetischen Gründen zum Einsatz kommen. Dabei wird ihre durchblutungs- und stoffwechselanregende Wirkung genutzt, um die Hautstruktur zu verbessern und beispielsweise Cellulite zu bekämpfen. Im Gesicht angewendet kann das Schröpfverfahren hautstraffend und faltenreduzierend wirken. Dort ist die Haut jedoch sehr empfindlich, sodass viel Feingefühl erforderlich ist.

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Wirkung des Schröpfens 

Weil sich Muskelverspannungen und Verhärtungen im Gewebe lösen, empfinden viele Patienten das Schröpfen als wohltuend und entspannend. In der Tat haben alle drei Behandlungsarten eine schmerzlindernde Wirkung. Dr. med. Andreas Michalsen, Professor für Klinische Naturheilkunde an der Berliner Charité, hat die klinische Wirksamkeit des Schröpfens sogar in mehreren Studien nachgewiesen – speziell bei nächtlichem Schulterschmerz, Handgelenkarthrose und Karpaltunnelsyndrom. Als Grund vermutet man ein Freisetzen von Endorphinen (Hormone mit schmerzunterdrückender Wirkung) und einen verstärkten Abbau von Prostaglandinen (Hormone, die bei der Schmerzvermittlung eine Rolle spielen), was zur Schmerzlinderung in der Schröpfzone führt. Ob Schröpfen im Einzelfall als Therapieverfahren geeignet ist, sollte jedoch immer mit einem Arzt besprochen werden.

Anwendungsgebiete: Bei diesen Krankheiten kann Schröpfen helfen

Das Schröpfverfahren kann bei vielen Beschwerden und Erkrankungen angewendet werden, zum Beispiel bei Schmerzen im Muskel- und Bewegungsapparat oder als Reflexzonentherapie bei inneren Erkrankungen. Grundsätzlich kann Schröpfen bei folgenden Krankheiten Linderung verschaffen:

  • Entzündungen: Bronchitis, entzündliche Lungenerkrankungen, chronische Nasennebenhöhlen- und Mandelentzündungen, Nervenentzündungen
  • Beschwerden am Bewegungsapparat: Verspannungen, Rückenschmerzen, Hexenschuss
  • Karpaltunnelsyndrom
  • Erkrankungen der inneren Organe: Gallenleiden, Lebererkrankungen, Nierenleiden
  • Asthma
  • Verdauungsstörungen und Darmerkrankungen
  • Durchblutungsstörungen 
  • Weichteil-Rheumatismus
  • Gelosen (= tastbare Veränderungen, meist Verhärtungen in der Unterhaut)
  • Bluthochdruck
  • Kopfschmerzen und Migräne 
  • Wechseljahresbeschwerden
  • Depressionen
  • Antriebslosigkeit

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Kontraindikation: Wann man auf Schröpfen verzichten sollte

Allerdings gibt es auch Krankheiten und Situationen, bei denen die Schröpftherapie eine Risiko birgt. In folgenden Fällen sollten Sie lieber darauf verzichten: 

  • Akute Entzündung oder Verletzung der zu behandelnden Körperstelle
  • Hautempfindlichkeit
  • Allergische Hautveränderungen
  • Hauterkrankungen wie Akne, Schuppenflechte oder Hauttumore 
  • Sonnenbrand und Brandwunden
  • Gerinnungs- und Wundheilungsstörungen
  • Erhöhte Blutungsneigung durch Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten
  • Blutarmut (Anämie)
  • Diabetes 
  • Ödeme
  • schwere Herzerkrankungen (Herzrhythmusstörungen)
  • Tuberkulose
  • nach einer Strahlentherapie
  • in der Schwangerschaft
  • Neigung zu Ohnmacht

Schröpfen: Nachteile und Nebenwirkungen

Die meisten Patienten vertragen das Schröpfverfahren sehr gut. Bei starkem Unterdruck oder langer Anwendung können sich an den geschröpften Stellen Blasen bilden. Im Normalfall bleiben auf der Haut lediglich kreisrunde Blutergüsse zurück – die aber erwünscht und Teil der Behandlung sind. Diese blauen Flecken sind oft noch einige Tage nach dem Schröpfen sichtbar. Falls Schmerzen auftreten, sind sie nicht schlimmer als ein leichter Muskelkater.

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Da die Blutergüsse sehr empfindlich sind, sollte innerhalb der ersten vier Stunden nach dem Schröpfen nicht geduscht werden. Außerdem sollten die Schröpfköpfe bei der nächsten Sitzung nicht wieder an denselben Punkten aufgesetzt werden.

Beim blutigen Schröpfen können folgende Nebenwirkungen auftreten:

  • Kreislaufschwäche
  • Störung der Akupunkturmeridiane bei unsachgemäßer Handhabung des Einritzens
  • Infektion der absichtlich zugefügten Hautverletzungen
  • Narbenbildung

Wird an sichtbaren Körperstellen wie dem Gesicht geschröpft, sollten spezielle Schröpfgefäße verwendet werden. Das blutige Schröpfen sollte generell nur durch einen ausgebildeten Arzt oder Therapeuten vorgenommen werden, da hier strenge Hygienemaßnahmen erforderlich sind. Wird eine Schröpfbehandlung nicht sachgerecht ausgeführt, kann es sogar zu einer Verschlechterung der anfänglichen Symptome kommen.