Trockenbürsten: Das steckt hinter der Bürstenmassage

Naturheilkundler schwören seit Jahrhunderten auf das Trockenbürsten: Die aktivierende Massage soll das Immunsystem stärken, die Durchblutung fördern und sogar bei Migräne helfen. DONNA Online zeigt, wie die Technik funktioniert und was Sie dabei beachten sollten.

Nahaufnahme einer Frau, die ihren Oberschenkel mit einer runden Trockenbürste behandelt

In kreisenden Bewegungen von unten nach oben – mit der richtigen Technik ist das Trockenbürsten weit mehr als eine Streicheleinheit für die Haut.

In kreisenden Bewegungen den gesamten Körper massieren: Was erst einmal nach einer sanften Streicheleinheit klingt, ist weit mehr als nur ein entspannendes Wellness-Ritual. Denn das Trockenbürsten hat neben seiner kosmetischen Wirkung auch einen positiven Einfluss auf den Kreislauf, das Immunsystem und Wohlbefinden.

Lust auf eine Wellness-Auszeit? Diese 10 Spa-Hotels in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind einen Kurztrip wert

Was ist Trockenbürsten?

Die Haut ist das größte Organ des Menschens. Sie bildet eine schützende Hülle für den gesamten Körper und trägt dazu bei, ihn zu entgiften und gesund zu erhalten. Das Trockenbürsten stimuliert die Haut gezielt und fördert auf diese Weise unter anderem die Entsäuerung und andere Selbstregulierungsprozesse des Organismus. Vereinfacht gesagt handelt es sich bei der Technik um eine Körpermassage mit einer speziellen Bürste, die man selber durchführen oder bei einer professionellen Wellnessbehandlung vornehmen lassen kann. Beim Trockenbürsten wird nicht einfach unkoordiniert drauflosmassiert (oder besser gesagt -gebürstet). Vielmehr wird der ganze Körper gezielt mit kreisenden Bewegungen bearbeitet, um die Durchblutung und den Lymphfluss anzuregen und damit die Entschlackung zu unterstützen.

Der Hydrotherapeut und Naturheilkundler Sebastian Kneipp machte die Behandlung in der Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt, obwohl Trockenbürsten schon vorher in Klöstern praktiziert wurde. Neben dem Trockenbürsten geht unter anderem auch das Wassertreten als Heilmethode auf Kneipp zurück. Im Gegensatz zu den Wasseranwendungen kombiniert das Trockenbürsten thermische und mechanische Reize miteinander und erzielt deshalb ein besonders effektives Ergebnis.

Heilmethode aus Japan: Waldbaden und seine Wirkung

Anwendung: So funktioniert Trockenbürsten

Der ideale Zeitpunkt für das Trockenbürsten ist morgens. Da die Bürstenmassage anregend wirkt und den Kreislauf in Schwung bringt, kann sie abends Einschlafprobleme zur Folge haben. Führen Sie das Trockenbürsten deshalb idealerweise als morgentliches Ritual vor dem Duschen durch.

Die richtige Massagetechnik

Beginnen Sie mit dem Trockenbürsten immer an einer weit vom Herz entfernten Stelle, beispielsweise am rechten Fuß. Von dort aus arbeiten Sie sich mit kreisenden Bewegungen Richtung Herz. Nach den Füßen werden die Beine massiert – zuerst die Vorderseite, dann die Rückseite und schließlich die Innen- und Außenseite, gefolgt von etwa zehn kräftigen Strichen von unten nach oben. Anschließend massieren Sie Hüfte und Po, bevor es mit den Armen weitergeht. Den Abschluss bildet der Oberkörper mit Bauch, Brust und Schultern. Mit den kreisenden Bürstenbewegungen arbeiten Sie sich also immer näher an das Herz heran. Wichtig für einen gesunden Lymphfluss: Gehen Sie immer von unten nach oben vor und vergessen Sie die Füße und Hände nicht bei der Behandlung, genauso wie die Leiste und Achseln. Dort befinden sich ebenfalls viele Lymphkapillaren. Empfindliche Körperstellen wie die Brustwarzen, aber auch Krampfadern sowie gereizte Hautstellen sollten hingegen ausgespart werden.

Die Haut darf nach der Massage leicht gerötet sein. Ein leichtes Kribbeln ist ebenfalls normal. Kratzer, schmerzende Stellen und starke Rötungen hingegen sind ein Zeichen dafür, dass die Bürste zu hart ist oder Sie zu kräftig oder falsch geschrubbt haben.

Hautkrankheiten: So erkennen und behandeln Sie Akne, Neurodermitis und Co.

Hautpflege nach dem Trockenbürsten

Die Haut ist nach der Bürstenmassage gut durchblutet, die Poren sind geöffnet und somit besonders aufnahmebereit für Pflege. Ein warmes Bad mit pflegenden Ölen ist nun ideal, da die bereits geöffneten Poren pflegende Wirkstoffe besonders gut aufnehmen können. Aber auch eine kurze Dusche mit kalten Wasser kann den perfekten Abschluss des Trockenbürstes bilden, denn die Kälte schließt die Poren und strafft das Bindegewebe zusätzlich.

Die richtige Bürste

Eine hochwertige Bürste aus Naturfasern ist ein Muss beim Trockenbürsten. Denn je hochwertiger die Borsten sind, desto weniger reizen sie die Haut. Kunstborsten hingegen sind oftmals zu hart und strapazieren die Haut. Praktisch für die Ganzkörpermassage sind Bürsten mit einem langen Griff – damit lassen sich auch schwer erreichbare Körperstellen wie der Rücken gut massieren. Neben „normalen“ Trockenbürsten sind auch sogenannte Klosterbürsten erhältlich, die bereits seit dem Mittelalter von Nonnen und Mönchen verwendet werden. Die Besonderheit: Ihre Borsten sind mit einer Kupferlegierung versehen, die bei Reibung einen winzigen Stromschlag erzeugt, der die gebürsteten Hautareale entspannt und gleichzeitig revitalisiert.

Vorsicht:  Die Bürsten vertragen sich nicht gut mit Wasser und dürfen nicht nass werden. Selbst ein kurzes Abbrausen und Reinigen mit Wasser schadet den Naturborsten und macht sie für die Trockenmassage ungeeignet. Kaufen Sie lieber regelmäßig eine neue Bürste, da sich ansonsten Bakterien sammeln und vermehren können.

Bürsten-Guide: So finden Sie die Richtige für Ihren Haartyp

Gesundheitliche Effekte: So wirkt das Trockenbürsten

Trockenbürsten hat verschiedene positive Effekte auf den Körper. Die Bürstenmassage wirkt unter anderem durchblutungsfördernd und aktiviert dadurch unterschiedliche Körperfunktionen und -vorgänge. Die verstärkte Durchblutung bringt den Kreislauf in Schwung und macht automatisch wacher. Wer regelmäßig trockenbürstet, kann sogar Kreislaufschwankungen regulieren und den Blutdruck normalisieren. Schnell auskühlende Körperareale wie die Hände und Füße werden besser durchblutet und angenehm warm. Gleichzeitig aktiviert die Massagetechnik den Hautstoffwechsel, entfernt abgestorbene Hautzellen und regt den hauteigenen Regenerationprozess an. Trockenbürsten kann sogar Cellulite-Dellen an Oberschenkeln, Hüfte und Co. reduzieren, da es die Haut sowie das tieferliegende Bindegewebe strafft.

Neben der Durchblutung regt die Trockenmassage auch den Lymphfluss an. Die Aufgabe der Lymphflüssigkeit ist es, Giftstoffe zur Leber zu transportieren, den Körper zu entschlacken und auf diese Weise das Immunsystem zu stärken. Da der Lymphfluss träge ist, benötigt er eine Stimulation über die Haut oder Muskeln, um effektiv zu arbeiten. Die Bürstentechnik verstärkt diese Wirkung, da sie neben der Lymphflüssigkeit auch die im Bindegewebe befindlichen Immunabwehrzellen stimuliert. Diese werden durch die Massage besser durchblutet und geben Schlacken frei, die anschließend über den Lymphfluss abtransportiert werden.

Nicht zuletzt soll das Trockenbürsten sogar Migräne lindern: Die Ganzkörpermassage fördert die Ausschüttung von Glückshormonen, die wiederum stechenden Kopfschmerzen entgegenwirken.

Natürliche Hilfe bei Migräne: Diese Alternativen zu Kopfschmerztabletten gibt es

Für wen ist Trockenbürsten geeignet?

Im Prinzip kann jeder die Massagetechnik anwenden. Nicht geeignet ist das Trockenbürsten allerdings für Personen, die unter Hautkrankheiten oder Hautreizungen wie etwa einem Sonnenbrand leiden, Krampfadern oder ein überreiztes Nervensystem haben. Da die Bürstenmassage anregend wirkt, überfordert sie möglicherweise das Nervensystem und führt zu Nervosität. Wer die Technik trotzdem ausprobieren möchte, kann statt einer Bürste zu einem Waschlappen greifen, der ebenfalls einen aktivierenden Effekt hat, aber deutlich sanfter zur Haut ist.