Zeckenschutz: So können Sie FSME oder Borreliose vorbeugen

Ein Zeckenbiss ist nicht nur unangenehm, sondern birgt auch das Risiko einer Infektion mit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Borreliose. DONNA Online erklärt, wie Sie sich in der Freiluftsaison sinnvoll vor Zecken und den durch sie übertragenen Krankheiten schützen können.

Nahaufnahme einer Zecke, die von einem Baumstumpf auf die Wiese krabbelt

Im Frühjahr und Sommer sind Zecken besonders aktiv. DONNA Online erklärt, wie Sie sich vor Krankheiten schützen, die durch einen Zeckenbiss übertragen werden können.

Für das menschliche Auge kaum sichtbar lauern sie im Wald oder auf Wiesen im Gras oder auf Blättern: Zecken haben gerade in den warmen Sommermonaten Hochsaison. Meist springen die kleinen Blutsauger unbemerkt auf ihren menschlichen Wirt und können mit ihrem Biss gefährliche Krankheitserreger übertragen. DONNA Online gibt Tipps, wie Sie sich effektiv vor Zeckenbissen und ihren Folgeerkrankungen schützen und sprach mit einem Parasiten-Experten über die wichtigsten Fakten rund ums Thema Zeckenschutz.

Was hilft bei einer Borreliose-Infektion? Hier den Erfahrungsbericht einer DONNA-Leserin lesen

Zeckenstich: Risiko nicht nur im Frühjahr und Sommer

Der Irrglaube, dass Zecken nur in den warmen Frühlings- und Sommermonaten eine Gefahr darstellen, ist hierzulande erschreckend weit verbreitet. Dabei sind die Spinnentiere ganzjährig und bereits bei Temperaturen ab fünf Grad Celsius aktiv. Erst, wenn die Temperaturen über mehrere Tage oder Wochen hinweg unter Minus zehn Grad Celsius sinken, sterben Zecken. Daher sollten Menschen, die sich viel im Freien aufhalten, in Risikogebieten leben oder dorthin reisen, auch im Herbst und Winter auf einen ausreichenden Zeckenschutz achten.

Welche Körperstellen bevorzugen Zecken?

Nach einem Spaziergang im Wald, einem Grillabend im Garten oder einem Picknick auf der Wiese sollten Sie sich und Ihre Mitmenschen unbedingt auf Zecken untersuchen. Das Tückische an den kleinen Parasiten ist, dass ihre Stiche schmerzlos sind und daher oft lange Zeit unbemerkt bleiben. Vor allem an den Körperstellen, die Zecken bevorzugt aufsuchen, sollten Sie Ihre Haut gründlich überprüfen und sich bereits vor dem Aufenthalt im Freien mit Kleidung, Zeckenschutzmitteln und Co. schützen. Besonders gerne suchen sich Zecken für den Einstich dünne, gut durchbluteten Hautareale:

  • Kniekehlen
  • Achselhöhlen
  • Genitalbereich
  • Brust- und Bauchbereich, vor allem im Bauchnabel
  • Kopf- und Halsbereich, vor allem bei Kindern (bei ihnen sollte auch der Haaransatz gründlich auf Zecken untersucht werden)

Wie gefährlich sind Infektionen durch einen Zeckenstich?

Ein Zeckenstich – häufig auch Zeckenbiss genannt, obwohl diese Bezeichnung wissenschaftlich nicht korrekt ist – ist für Betroffene eine unangenehme Angelegenheit, die ernsthafte gesundheitliche Risiken birgt: Hat die Zecke einen Wirt gefunden, ritzt sie die Haut mit ihren Kieferklauen an und verankert ihren Stechrüssel (Hypostom) in der Wunde. Beim anschließenden Akt des Blutsaugens können Krankheitserreger auf den Menschen übertragen werden, die gefährliche Erkrankungen wie Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auslösen können. Während die bakterielle Lyme-Borreliose sich bei frühzeitiger Diagnose gut mit Antibiotika eindämmen lässt, gibt es bislang keine Medizin zur Behandlung von FSME.

Lyme-Borreliose

Grundsätzlich kann die durch Bakterien verursachte Borreliose oder Lyme-Borreliose mit einer Antibiotika-Behandlung geheilt werden. Hierfür ist es jedoch wichtig, diese zeitnah nach dem Zeckenstich zu beginnen. Borreliose wird beinahe ausschließlich durch die Spinnentiere übertragen, kann in seltenen Fällen aber auch durch infizierte Stechmücken oder Pferdebremsen ausgelöst werden. Typisch für das erste Borreliose-Stadium ist eine ringförmige Rötung um den Stich, die sich nach und nach ausweitet („Wanderröte“). Aktuellen Statistiken zufolge erkranken pro Jahr 50.000 bis 100.000 Menschen in Deutschland an Borreliose.

Die Erkrankung verläuft meist in drei Phasen, wobei jedoch nicht alle Betroffenen alle Stadien durchlaufen und die Symptome – je nach individuellem Krankheitsfall – unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Der Beginn der Infektion macht sich oftmals durch Nachtschweiß, Fieber, allgemeine Abgeschlagenheit sowie Schmerzen in Muskeln, Kopf und Gelenken bemerkbar. In diesem Anfangsstadium gibt eine Blutuntersuchung Aufschluss darüber, ob es sich bei den unspezifischen Krankheitssymptomen um Anzeichen einer Borreliose handelt. Ebenfalls typisch für die erste Krankheitsphase ist eine Bindehautentzündung. In der zweiten Phase, in der sich die Borreliose im Organismus des Erkrankten ausbreitet, folgen Symptome des befallenen Nervensystems (akute Neuroborreliose), typischerweise Schmerzen im Bereich einzelner Nerven, Lähmungserscheinungen, Gehirn- und Gehirnhautenzündung und Sensibilitätsstörungen gepaart mit Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen. Zudem kann es vereinzelt zu Herzrhythmusstörungen kommen. In Phase 3 ist die Erkrankung im chronischen Stadium angekommen. Als Spätfolge können die Symptome erst Jahre bis Jahrzehnte nach der Infektion mit Borreliose auftreten und äußern sich in Form schubweise verlaufender Entzündungen der Gelenke (Lyme-Arthritis), bläulicher Verfärbungen und einem Dünnerwerden der Haut sowie einer chronischen Gehirn- und Rückenmarksentzündung mit Lähmungen (chronische Neuroborreliose). Patienten mit chronischer Borreliose sind im Alltag und hinsichtlich ihrer Lebensqualität oftmals stark eingeschränkt.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis handelt es sich um eine Virusinfektion, deren Auslöser zur Gruppe der sogenannten Flaviviren zählen und mit den Erregern von Dengue- und Gelbfieber verwandt ist. Problematisch für die Diagnose von FSME ist es, dass die Infektion ohne spürbare Symptome erfolgen kann. Bei rund einem Viertel der Erkrankten äußern sich jedoch grippeähnliche Symptome, vor allem hohes Fieber – daher bemerken viele Patienten die Erkrankung gar nicht erst und deuten die Krankheitsbeschwerden als Anzeichen einer harmlosen Sommergrippe. Nach einem ersten Abklingen des Fieberschubs kehrt es oftmals stärker zurück. Dabei kann es zu einer gefährlichen Entzündung von Hirn und Hirnhaut kommen, die auch auf das Rückenmark übergehen kann. Begleitsymptome sind Kopf- und Rückenschmerzen, Übelkeit, Krampfanfälle, Sprach- und Schluckstörungen und Bewusstseinsstörungen sowie Lähmungen. Obwohl Frühsommer-Meningoenzephalitis bei der Mehrzahl der Patienten vollständig ausheilt, kann es zu bleibenden Schäden oder sogar zum Tod kommen, wenn das Virus das Zentrale Nervensystem befällt.

Chronische Muskelerkrankung: Erfahrungsbericht einer Fibromyalgie-Patientin

Borreliose und FSME vorbeugen: 3 Fragen und Antworten zum Thema Zeckenschutz

Wie kann man sich vor einer Infektion mit dem FSME-Virus oder Borreliose durch einen Zeckenstich schützen? Parasitologe Prof. Dr. Heinz Mehlhorn beantwortet die drei wichtigsten Fragen:

1. Wie können durch einen Zeckenstich Krankheiten übertragen werden?

Prof. Dr. Mehlhorn: Zecken können verschiedene Erreger in sich tragen. Durch einen Stich können Bakterien, Viren sowie Einzeller auf den Wirt, also den Menschen, übergehen. Borreliose gehört zu den häufigsten Erkrankungen, die von Zecken übertragen werden. Die Übertragung der Bakterien erfolgt mit dem Speichel acht bis zehn Stunden nach dem Einstich. FSME-Viren hingegen werden unmittelbar beim Einstechen der Zecke weitergegeben.

2. Besteht in ganz Deutschland die Gefahr, durch einen Zeckenstich infiziert zu werden?

Die Gefahr einer FSME-Übertragung besteht hauptsächlich in den sogenannten FSME-Risikogebieten. Diese sind auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts aufgelistet. In Deutschland kommt der FSME-Erreger in Bayern und Baden-Württemberg am häufigsten vor. Auch Hessen, Thüringen, Saarland, Sachsen und Rheinland-Pfalz sind betroffen. In der Tat breiten sich die befallenen Gebiete langsam aber stetig aus. Die Erkrankungszahlen sind in den letzten zwei Jahren stark angestiegen, vielleicht weil die Krankheit selbst in den FSME-Risikogebieten noch relativ unbekannt ist und daher keine Vorbeugung erfolgt.

3. Was gilt es bei einer FSME-Schutzimpfung zu beachten?

Für einen vollständigen Schutz sind drei Impfungen notwendig. Bei dieser sogenannten Grundimmunisierung erfolgen die ersten beiden Impfungen im Abstand von ein bis drei Monaten und die dritte, je nach Impfstoff, nach fünf bis zwölf Monaten. Die erste Auffrischung sollte nach drei Jahren erfolgen. Für einen schnellen Schutz, z.B. vor Reisen, sind auch Schnellimmunisierungen möglich.

Immun-Booster: Diese Lebensmittel stärken die Abwehrkräfte

So können Sie sich vor Zeckenstichen schützen

Wenn Sie Aufenthalte im Freien und in Risikogebieten nicht vermeiden können oder wollen, können Sie Zeckenstichen und den damit verbundenen Infektionen und Erkrankungen mit folgenden Maßnahmen vorbeugen:

  • Tragen Sie bei Wanderungen, Spaziergängen und Co. möglichst hochgeschlossene Schuhe und schützende Kleidung, vor allem an den gefährdeten Stellen mit dünner Haut.
  • Sprühen Sie sich und Ihre Kleidung mit einem Insektenschutzmittel ein, um Zecken fernzuhalten. Besonders wirksam sind Produkte, die Laurinsäure enthalten.
  • Wenn Sie in Wäldern, Wiesen und im Gebüsch unterwegs waren, sollten Sie Ihre Haut anschließend unbedingt auf Zeckenstiche prüfen.
  • Wer sich viel im Freien bewegt, ist mit einer speziellen Vorsorgeimpfung gegen FSME gut beraten.
  • Im Falle eines Zeckenstichs ist es ratsam, das Tier so schnell wie möglich zu entfernen. Borreliose-Bakterien werden meist erst nach einigen Stunden weitergegeben und sind kurz nach dem Biss im Idealfall noch nicht in Ihr Blut gelangt.
  • Entfernen Sie Zecke nur mit einer geeigneten Pinzette (Zeckenzange) oder vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger. Wenn das bereits mit Blut vollgesaugte Tier beim Entfernen platzen, besteht das Risiko, dass mit Krankheitserregern infizierte Zeckenteile in die frische Wunde eindringen.
  • Haben Sie die Zecke entfernt, sollte die Stichwunde umgehend mit Alkohol oder Jod desinfiziert werden.
  • Behalten Sie die Einstichstelle auch nach Entfernung der Zecke im Auge. Bleibt um den Stich auch einige Tage später eine gerötete Stelle oder Schwellung zurück, sollten Sie dringend einen Arzt aufsuchen.