Fit bleiben

DONNA testet: Wie sinnvoll sind Sport-Apps fürs Smartphone?

Frau mit Sportkleidung blickt auf ihr Handy. | © Westend61, Getty Images
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Sind Sport-Apps auf dem Smartphone eine gute Alternative zu professionellen Sportkursen im Fitnessstudio? Wir haben drei Fittness-Apps für Sie getestet.

Um sich regelmäßig auszupowern, müssen Sie nicht ins Fitnessstudio gehen – sondern benötigen lediglich ein Smartphone: Sport-Apps versprechen, genauso effektiv, aber praktischer im Alltag zu sein. Was können die Workout-Programme fürs Handy? Drei DONNA-Autorinnen haben je eine Sport-App getestet.

Wer keine Lust auf Vereinssport oder Outdoor-Workouts wie Joggen hatte, aber trotzdem regelmäßig trainieren wollte, kam noch bis vor einigen Jahren fast nicht um eine kostspielige Mitgliedschaft im Fitnessstudio herum. Mit Smartphones und hochentwickelten Smart Watches sieht das heute ganz anders aus: Mit dem Handy und einer passenden Sport-App ist es prinzipiell jederzeit und überall möglich, sich mit Übungen unter professioneller Anleitung fit zu halten. Aber sind die teilweise kostenlosen Apps tatsächlich eine effektive Alternative zum Workout mit realen Fitness-Profis oder im Sportstudio?

Um genau das herauszufinden, haben drei DONNA-Autorinnen jeweils eine Sport-App für das Workout zu Hause oder als Ergänzung zum Training im Fitnessstudio genauer unter die Lupe genommen.

Online-Redakteurin Ramona testete „Fit ohne Geräte“

Erhältlich für Android/iPhone: 5,65 Euro/5,49 Euro

Das verspricht die Sport-App

Die App-Variante der Fitness-Bibel „You Are Your Own Gym“ von US-Trainer Mark Lauren bietet Nutzern insgesamt 44 Übungen. Dafür sind keine Geräte notwendig, da das Programm auf den Methoden des Bodyweight-Trainings basiert – bei den Übungen wird nur das eigene Körpergewicht eingesetzt. Das Highlight der App ist angeblich ihre „Personal Trainer“-Funktion, in der Mark Lauren höchstpersönlich die User während des Workouts anspornen soll.

Die Sport-App im Praxis-Test

Vorab ein Geständnis: Mitten in der Trainingsphase durchkreuzte ein spontaner Krankenhausaufenthalt meine hochmotivierten Fitness-Pläne. Nach der OP im Bauchbereich musste ich den App-Test leider aussetzen. Doch bereits einige Test-Trainings reichten aus, um „Fit ohne Geräte“ beurteilen zu können. Positiv aufgefallen ist mir die große Bandbreite an Übungen für Bauch-, Rücken-, Bein- oder Armmuskulatur, die von der App je nach geplantem Zeitaufwand zu einem Workout kombiniert werden. Die einzelnen Bodyweight-Übungen haben es auch wirklich in sich: Schon nach drei Wiederholungen bin ich nassgeschwitzt, tags darauf grüßt der Muskelkater.

Doch nun zum negativen Aspekt der App: Angeblich soll sie für Sportbegeisterte ohne Bodyweight-Vorkenntnisse geeignet sein. Ohne fähigen Trainingspartner – wie glücklicherweise in meinem Fall – sage ich: keine Chance! Denn sobald das Training gestartet wird, durchläuft die App einen meist sechzigsekündigen Countdown, in dem die jeweilige Übung ständig wiederholt werden soll. Wie diese Übungen im Einzelnen korrekt ausgeführt werden, erfährt der App-Nutzer allerdings erst, indem er das laufende Workout anhält – und dann lediglich in Form wenig hilfreicher Fotos. Die Video-Erweiterung mit allen Übungen muss separat auf dem Smartphone installiert werden und war mir aufgrund der enormen Datenmenge zu viel des Guten.

Und wie sieht es mit der ominösen „Personal Trainer“-Funktion aus? Beim ersten Einsatz fühle ich mich leicht veräppelt. Der einzig ersichtliche Unterschied zum „normalen“ Workout nach Wunschzeit ist, dass jede Übung für sieben (!) Minuten durchgeführt wird – die letzten Sekunden zählt eine männliche Stimme herunter und kommentiert den Start der nächsten Runde. Unter einem „Personal Trainer“ verstehe ich etwas Anderes. Zumal ich es als Nutzer mit geringen Vorkenntnissen aus Fitnessstudios oder Zirkeltrainings für wenig sinnvoll halte, derart lange pausenlos ein- und dieselbe Übung zu machen. Außer im Wechsel mit einem Trainingspartner machen sieben Minuten pro Übung meiner Meinung nach wenig Sinn, zumal es bekanntlich auf eine gute Mischung aus Wiederholungen und Pausen ankommt. Außerdem sind die überlangen Übungseinheiten alles andere als motivierend für das fortlaufende Workout.

Fazit

Wäre die App gratis, könnte ich sie Nutzern mit Fitness-Vorkenntnissen empfehlen. Für stolze 5,65 Euro Kaufpreis im Google Play Store muss ich ganz klar sagen: Diese App ist ihr Geld nicht wert! Gute Anleitungen für Bodyweight-Training gibt es kostenlos auf YouTube. Fitness-Übungen, die mit dem eigenen Körpergewicht arbeiten, kann ich wärmstens empfehlen, da die einzelnen Körperareale spürbar trainiert werden. Bei regelmäßiger Anwendung kann Bodyweight-Training sicher zum erwünschten Erfolg in Sachen Gewichtsabnahme oder Muskelaufbau verhelfen.

Redaktionsassistentin Céline testete „Sworkit – Persönlicher Trainer“

Basis-Version kostenlos für Android und iPhone, Premium-Nutzung für 29,99 Euro (3 Monate) bzw. 59,99 Euro (12 Monate)

Das verspricht die Sport-App

Überall und jederzeit trainieren, ganz ohne zusätzliche Geräte. Sportmatte ausrollen, Trainingseinheit auswählen, Dauer individuell einstellen (zwischen fünf und 60 Minuten) und los geht’s. Schon mit fünf Minuten Training pro Tag soll man Resultate sehen. Geworben wird mit 25 Millionen Nutzern, die die App bereits heruntergeladen haben und mehr als 160 Übungen, die in der Bibliothek verfügbar sind. Nicht zahlenden Nutzern stehen 19 Trainingsübungen zur Verfügung, die von Anzeigen und Werbevideos unterbrochen werden.

Die Sport-App im Praxis-Test

Ich gebe es zu, ich bin ein Sportmuffel. Meist ist es der sprichwörtliche innere Schweinehund, der mich nicht das Haus verlassen lässt, um zum Sport zu gehen. Genau deswegen probiere ich diese Sport-App für Überall und Jederzeit. Ich habe große Erwartungen: Verständliche Anweisungen soll die App haben, einfach zu bedienen sein, mich motivieren und auch ein ganz klein wenig schön anzusehen sein.

Die App kommt sehr übersichtlich daher, ganz oben und an prominentester Stelle in der Startansicht gibt es vier Kacheln: Kraft (vier Übungen), Cardio (zwei Übungen), Yoga (zwei Übungen) und Stretching (vier Übungen). Die Zahl in den Klammern bezieht sich hier auf die Übungen, die für Nutzer der kostenlosen Version zur Verfügung stehen. Weiter geht’s mit sieben Übungseinheiten unter dem Motto „Eine Gewohnheit aufbauen“ (auch kostenlos abrufbar) und sechs weiteren Trainingsserien mit illustren Namen wie „Anfänger-Serie“, „Erreiche-dein-Ziel-Serie“ oder „Spezielles Figur“ (sic!). Leider sind diese aber nur für zahlende Kunden.

Jede Übung unterteilt sich in viele Einzelposen, die in einheitlicher Optik von einem Mann oder einer Frau in schwarzen Sportklamotten vor weißem Hintergrund vorgeturnt werden. Dazu der Name der Pose, vorgelesen von einer weiblichen Roboterstimme. Jede Pose wird ca. zehn Sekunden lang als Video gezeigt, wobei man die Bewegungsabläufe gut erkennen kann und genug Zeit hat, um sie nachzumachen. Auch pausieren, vor- und zurückskippen oder abbrechen ist möglich. Zwischen den Posen wechselt der Vortuner allerdings gerne mal die Blickrichtung – was ich anfangs, vor allem bei eigentlich fließenden Übungen wie dem Sonnengruß beim Yoga, als irritierend empfunden habe. Der Sonnengruß besteht aus zwölf aufeinanderfolgende Posen, die nach einem Durchlauf wiederholt werden. Nach der Übung wird angezeigt, wie viele Kalorien verbrannt wurden. Leider fehlen mir während der Übung Anweisungen oder Tipps, worauf ich beim Ausführen achten soll. Außer dem Namen der Pose gibt es keinerlei Information. Wer sich hier – so wie ich mich – zu den Anfängern zählt, läuft auf Dauer Gefahr, die Übungen falsch auszuführen und sich womöglich zu verletzen.

Motivierend sind die zwar übersichtlichen, aber auf Dauer monotonen und dadurch schnell langweilig anzusehenden Videos eher nicht. Vor allem, wenn die einzelnen Trainings im App-Menü mit ansprechenden Bildern von sportelnden Menschen beworben werden, die sich in der Übung nicht wiederfinden.

Fazit

„Sworkit“ ist übersichtlich, einigermaßen verständlich, einfach zu bedienen und auf den ersten Blick schön anzusehen: Ich habe trotzdem nicht lange durchgehalten. Zwar sind die einzelnen Trainings und Posen durchaus abwechslungsreich – auch in der kostenlosen Version – aber ich brauche mehr Anleitung zur jeweiligen Übung. Tatsächlich habe ich schon einmal recht gute Erfolge mit einer Sport-DVD erzielt, die jede Übung klar und ausführlich erklärt hat. Es ist also nicht die persönliche Ansprache vom Trainer aus Fleisch und Blut, die mir hier fehlt. Motivation bietet die App meines Erachtens nicht. Für Anfänger fehlen Anleitungen, Fortgeschrittenen wird die App vermutlich schnell langweilig.

Volontärin Denise testete „Workout Tracker Gym Log Exercise Trainer by JEFIT“

Kostenlos erhältlich für Android und iOS

Das verspricht die Sport-App

Über 1300 Übungen, professionell zusammengestellte Workout-Pläne und ein Workout-Timer sollen das Training effektiv und effizient gestalten. Dabei verspricht die auf Krafttraining ausgelegte App, ein wahres Multitalent zu sein: Sie soll den stetigen Aufbau von Muskeln fördern, wobei die Eingabe von Maßen und Gewicht helfen soll. Das Logbuch bietet die Möglichkeit, Trainingsgewichte und Wiederholungen jeder Übung zu speichern und Fortschritte zu beobachten.

Die Sport-App im Praxis-Test

Um das erste Training mit der App angehen zu können, benötigt es einige Voreinstellungen: In einem persönlichen Account werden Geschlecht, Alter, Größe und Gewicht gespeichert, ebenso ob man zu Hause oder im Fitnessstudio trainieren möchte. Danach kann es losgehen. Der erste Eindruck ist positiv: Auf der Startseite finden sich verschiedene Rubriken, unter anderem gibt es hier die Möglichkeit, Fotos hochzuladen, eigene Übungen zu erstellen oder persönliche Ziele zu festzulegen. In der Rubrik „Exercises“ kann man aus verschiedenen Übungen, etwa für Trizeps, Bizeps, Rücken, Schultern, Brust, Bauch, Oberschenkel, Po und Waden, auswählen.

Bereits an diesem Punkt hat mich die App aber etwas überfordert: Die Masse an Übungen macht es schwer, die richtige zu wählen, geschweige denn, mehrere Übungen in einem Trainingsplan zusammenzustellen. Aber halt! Laut Beschreibung soll es auch fertige Workout-Pläne geben. Was sich einfach anhört, stellt sich als „suchintensiv“ heraus: Hinter einem kleinen, gut versteckten Button finden sich dann aber tatsächlich um die 30 Workouts. Unter dem Namen des jeweiligen Plans steht die Anzahl der Trainingstage pro Woche; Pläne anderer Nutzer findet man hier auch. Ich wähle das voreingestellte „Jefit Sample“, einen Trainingsplan, bei dem ich an vier Tagen pro Woche schwitzen muss: Brust und Trizeps, Rücken, Bizeps und Arme, Schultern und Beine und der Bauch werden malträtiert – die Workouts haben es in sich, am Ende bin ich erledigt.

Doch der Aufbau der Trainings begeistert mich: Die App schlägt Ruhepausen zwischen den Wiederholungen vor, sodass die Muskeln gefordert, aber nicht überfordert werden. Trotzdem kann man die Länge der Pausen und die Anzahl der Sätze nach Belieben einstellen. Durch die Möglichkeit, Gewichte und Wiederholungen einzugeben, weiß ich in den Folgetrainings, ob ich mich verbessert oder verschlechtert habe. Nach Abschluss eines Trainings sehe ich in der Übersicht, wie viel Zeit ich mit Trainieren und Pausen verbracht habe – und wie viele Kalorien ich dabei durchschnittlich verbrannt habe.

Einziger großer Nachteil: Kennt man sich mit den Übungen nicht aus, wird es schwierig, sie korrekt und sicher auszuführen. Erklärende Videos sind verfügbar – allerdings nur, wenn man bereit ist, die Pro Version für knackige 5,49 Euro zu kaufen. Verzichtet man darauf, stehen im Training GIF-Videos und Beschreibungen zur Verfügung, die zwar erklären, wie die Übung auszuführen ist – momentan aber nur auf Englisch. Die Verletzungsgefahr ist daher für Einsteiger hoch.

Fazit

Für Trainingsanfänger ist die App meiner Meinung nach kaum zu gebrauchen. Zu groß ist die Auswahl der Übungen, zu denen außerdem eine detaillierte Erklärung fehlt. Ob die App tatsächlich den Anspruch hat, „Laien“ ins Krafttraining einzuweisen, sei allerdings dahingestellt. Für Nutzer mit Fitness(studio)-Vorkenntnissen ist die App allerdings sehr empfehlenswert. Wenn man die Videos nicht benötigt und bei der kostenlosen Version bleibt, hat man zahlreiche Möglichkeiten, sein Training zu verfolgen und zu verbessern.