Gesund Leben

Schluss mit falscher Ernährung!

Frau mit Burger in den Händen | © Shutterstock | Arman Zhenikeyev
© Shutterstock | Arman Zhenikeyev
Dass eine ordentliche Menge Gemüse und Obst wichtig ist, das wissen wir. Doch wieso greifen wir immer wieder zu ungesundem Junk Food, Chips und Co.?

Dass uns fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag guttun, wissen wir. Trotzdem essen wir Chipstüten leer. Wie kommt es dazu und wie können wir diese schlechten Essgewohnheiten vermeiden? Ernährungspsychologe Dr. Joachim Westenhöfer im Experten-Interview.

DONNA: Auf dem Weg in die Kantine habe ich noch den festen Vorsatz, einen Salat aufs Tablett zu stellen. An der Theke zeige ich jedoch auf Calamari mit Remoulade. Warum tue ich das? 
Dr. Joachim Westenhöfer: Die Entscheidung, was wir essen, hängt nicht nur von unserem Verstand, dem Ernährungswissen oder der Motivation, uns gesundheitsfördernd zu verhalten, ab. In der Kantine kommt es möglicherweise viel eher auf Fragen wie diese an: Was riecht besonders lecker? Wo ist die Schlange am kürzesten? Ist meine Leibspeise im Angebot? Was wählen die Kollegen? Wie kann ich mich für den Stress am Vormittag belohnen?

Aber warum habe ich überhaupt Lust auf Süßes und Fettiges, wenn es mir am Ende schadet?
Das Ess- und Bewegungsverhalten, das uns heute Schwierigkeiten bereitet, war im Laufe der Evolution durchaus günstig. Süßes und Fettiges versprach die überlebenswichtigen Kalorien. Und es war Jahrtausende lang sinnvoll, seine körperlichen Kräfte einzuteilen. Doch in den vergangenen Jahrzehnten hat sich unsere Umwelt radikal verändert: Es gibt Nahrung in Hülle und Fülle, die ohne Anstrengung verfügbar ist. Anstatt viele Stunden zu jagen und zu sammeln, brauchen wir nur beim nächsten Supermarkt vorzufahren. Die Folge: Unser evolutionäres Erbe wendet sich gegen uns.

Warum ist der Drang nach Süßem oder Fettigem noch viel größer, wenn ich traurig bin?
Kaum etwas beeinflusst so schnell und wirkungsvoll unsere Laune wie Essen. Wenn man gestresst ist, lenkt Essen ab und beruhigt. Außerdem kann Nahrung eine Funktion der Belohnung übernehmen und dadurch positive Gefühle auslösen. Oft verknüpfen wir mit bestimmten Speisen angenehme Erinnerungen, sei es an den Urlaub oder die Kindheit.

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Ich habe eine Freundin, die mit flottem Schritt an einer Konditorei oder Imbissbude vorbeiziehen kann. Was ist bei ihr anders?
Wahrscheinlich hat sie bestimmte, ungünstige Gewohnheiten nicht im gleichen Maße verinnerlicht wie Sie. Denn ist es erst einmal zur Routine geworden, in bestimmten Situationen dem Impuls, etwas essen zu wollen, nachzugeben, wird dieser in aller Regel immer stärker. Dann „müssen“ wir jedes Mal, wenn wir an der Bäckerei vorbeigehen, etwas kaufen.

Warum ist das so?
Das Stresslevel, auf dem man sich befindet, spielt eine bedeutende Rolle. Ärger, Frustration, Stress, all das verbraucht einen erheblichen Teil unserer kognitiven Kapazitäten und erschöpft unsere Fähigkeit, Selbstdisziplin an den Tag zu legen und Entscheidungen über den Verstand zu treffen. Nach einem langen, anstrengenden Tag fällt es deutlich schwerer, das Essverhalten bewusst zu steuern und einer Verlockung zu widerstehen, als wenn man fit und munter ist.

Wie kann ich entgegenwirken?
Wer alternative Methoden zur Stressreduktion kennt und sie in den Alltag integriert, ist im Vorteil. Yoga, Meditation und Sport schützen vor dem „Jieper“. Auch ein fester Mahlzeitenrhythmus ist hilfreich: Frühstück, Mittagessen, Abendessen. Und radikaler Verzicht muss gar nicht das Ziel sein. Bei einer dieser Mahlzeiten kann man ganz bewusst eine Nachspeise einplanen. Baut man solche hochkalorischen Leckereien in die Mahlzeitensituation ein, sind sie viel besser zu kontrollieren, als wenn man sie sich spontan zwischendurch gönnt. Hier gibt es interessante Wechselwirkungen.

Und wie sehen die aus?
Wenn man fette, hochkalorische Nahrungsmittel isst, wenn man eigentlich eher schon wieder leichten Hunger hat – etwa einen Schokoriegel im Leistungstief – dann wird das sogenannte Craving, die Begierde danach, immer stärker. Britische Kollegen ließen 14 Tage lang Frauen Schokolade essen, alle immer dieselbe Menge. Die eine Hälfte aß die Schokolade stets als Nachtisch nach einer Hauptmahlzeit. Die anderen 50 Prozent verputzten die Süßigkeit zwischendurch. Ergebnis: In der Zwischendurch-Gruppe stieg die Lust auf Süßes, in der Nachtisch-Gruppe wurde sie schwächer.

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