Ratgeber

Pflanzenkraft statt Chemie: Sind grüne Antibiotika eine Alternative?

Frau hält Tasse Tee in den Händen  | © iStock | portishead1
© iStock | portishead1
Pflanzenkraft statt Chemie: Sind grüne Antibiotika eine Alternative?

Antibiotika sind ein gängiges Arzneimittel bei Grippe oder Mandelentzündung. Dabei setzen Ärzte vermehrt auch auf grüne Alternativen. DONNA beantwortet Ihnen die häufigsten Fragen zur Pflanzenheilkunde.

Kennt man ja – sobald es draußen kühler wird, beginnt die Nase zu laufen, der Hals zu kratzen und der Kopf zu schmerzen. Alle Jahre wieder macht bei vielen das Immunsystem schlapp, und die lästigen Infekte haben den Körper voll im Griff. Die schnelle Lösung? Ist da oft ein klassisches Antibiotikum, um die Erreger abzutöten. Doch inzwischen entwickeln immer mehr Menschen Resistenzen dagegen, das heißt, die Mittel schlagen nicht mehr an. Mit grünen Antibiotika versuchen Mediziner nun gegenzusteuern. Was sind die Vorteile dieser pflanzlichen Präparate? Wie wirken sie? Und wann sollte man doch besser synthetische Produkte einnehmen? Hier kommen Antworten auf die häufigsten Fragen.

Warum gibt’s überhaupt Resistenzen auf klassische Antibiotika?

Weil wir jahrzehntelang mit Kanonen auf Spatzen geschossen haben. Oft wurden (und werden immer noch) vorschnell Antibiotika eingenommen. Dr. Anke Görgner, Fachärztin für Naturheilverfahren, erklärt: „Eine Erkältung dauert in der Regel sieben Tage – mit oder ohne Behandlung!“ Da müssten also gar keine scharfen Geschütze aufgefahren werden. Wer dagegen bei solchen Infekten häufig zu chemischen Antibiotika greift, die übrigens auch über Fleisch und Fisch aus Massentierhaltung in den Körper gelangen, kann immun dagegen werden. Erreger sind nämlich wahre Überlebenskünstler und bilden bei ständiger Konfrontation mit denselben Wirkstoffen eine so starke Abwehr, dass herkömmliche Mittel immer weniger und eben oft auch gar nicht mehr anschlagen.

Sind grüne Antibiotika eine Alternative?

Auf jeden Fall! „Der größte Vorteil pflanzlicher Präparate ist ihre komplexe Wirkstoffkomposition“, sagt Dr. Eberhard J. Wormer, Autor des Buchs „Grüne Antibiotika: Heilkräftige Medizin aus dem Pflanzenreich“ (Mankau Verlag). „Anders als konventionelle Antibiotika, die meist nur einen Wirkmechanismus haben, sind die grünen von bakteriellen Angreifern nicht so leicht zu knacken.“ Der Experte weist weiter darauf hin, dass die Pflanzenstoffe – im Gegensatz zur chemischen Keule – die körpereigenen Bakterien in der Darmflora schützen. „Wer klassische Antibiotika schluckt, muss damit rechnen, dass es Wochen dauert, bis sich die Darmflora regeneriert, und das macht anfällig für neue Infektionen.“ Womit der Teufelskreis eröffnet ist …

Wieso wirken pflanzliche Präparate oft besser?

Eine Pflanze setzt sich aus mehr als 1000 verschiedenen Stoffen zusammen; viele von denen können Bakterien, Keime und Erreger abwehren – und das liegt an der Evolutionsgeschichte. „Die Pflanzen waren immer wieder unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt, mussten sich gegen Feinde wie Klima und Bakterien wehren“, erklärt Eberhard J. Wormer. „Um zu überleben, entwickelten sie eine Reihe an Gerb-, Schleim- und Bitterstoffen, die ingesamt eine effektive pflanzliche Immunabwehr bilden.“ Während bei chemischen Antibiotika eine einzige Substanz hoch dosiert und schnell wirkt, schaffen es grüne Antibiotika durch eine Kombination an unterschiedlichsten Wirkstoffen, die Angreifer zu bekämpfen – ohne Nebenwirkungen für den Körper.

Was tun, wenn sich eine Erkältung ankündigt?

Bei den ersten Anzeichen sollte man sofort Lindenblütentee trinken und sich heiße Fußbäder machen, rät Anke Görgner. „Damit bietet man den Erregern erst gar keine Plattform, auf der sie sich vermehren können.“ Manuka-Honig und Salbeitee desinfizieren den Rachen- und Bronchienbereich. Thymian und Kapland-Pelargonie lindern Husten und stärken zudem langfristig das Immunsystem. „Man muss sich aber von der Idee verabschieden, dass man die Erkältung mit Pflanzenmedizin innerhalb von zwei Tagen im Griff hat“, erklärt die Expertin. Der Heilungsprozess dauere länger, sei dabei aber wesentlich effektiver. Die Naturheilärztin empfiehlt ihren Patienten, besonders in der Erkältungszeit die Viren- und Bakterienabwehr des gesunden Körpers zu stärken. „Grüne Antibiotika werden auch prophylaktisch eingenommen. Denn Keime können sich nur festsetzen, wenn der Körper schwach ist. Ansonsten haben selbst die hartnäckigsten keine Chance.“

12 Mittel, die Sie wieder fit machen: Homöopathische Hausapotheke

Haben die pflanzlichen Medikamente Nebenwirkungen?

„Nach den bisherigen Forschungen wurden keine medizinisch relevanten Nebenwirkungen beim Einsatz grüner Antibiotika festgestellt“, erklärt Eberhard J. Wormer. Im Gegensatz zur chemischen Keule, die auch die körpereigenen, „guten“ Bakterien vernichtet, wirken grüne Antibiotika sanfter und ganzheitlicher. „Alles in allem lässt sich sagen, dass natürliche Antibiotika bei verantwortungsbewusstem Einsatz deutlich besser verträglich und wesentlich schonender für den gesamten Körper sind als die chemische Variante.“

Wo wirken grüne Antibiotika außerdem?

Grundsätzlich sei die ganze Palette dieser Mittel mehr oder weniger stark gegen Bakterien und Parasiten wirksam, die Infektionskrankheiten verursachen, so Wormer. Das heißt, auch bei Wunden und Ekzemen, Magen-, Darm- und Harnwegsinfektionen erzielt man mit ihnen gute Erfolge. Laut Experten ist das umfassende antibiotische Potenzial von Pflanzen, Pilzen und anderen Naturprodukten allerdings noch lange nicht ausgeschöpft.

Wann sollte man doch lieber zum chemischen Präparat greifen?

Die Grenze ist erreicht, wenn der Allgemeinzustand über mehrere Tage schlecht ist oder sich noch weiter verschlechtert. „Bei Schwäche, Schüttelfrost und Fieber über 38,5 Grad setze auch ich immer noch chemische Antibiotika ein“, sagt Anke Görgner. Auch wenn sich eine Erkältung zu einer Bronchitis auswächst und somit die Gefahr einer Lungenentzündung besteht, führt an der klassischen Keule meist kein Weg vorbei. Grüne Antibiotika sind eine höchst wirksame Alternative, um der chemischen Antibiotika-Resistenz auf sanfte Weise vorzubeugen – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wer darauf setze, müsse allerdings der Heilung eben auch Zeit geben, die, so Görgner, in unserer schnelllebigen Welt inzwischen niemand mehr zu haben scheine. Hausmittel für den Alltag Salbei. Bei festsitzendem Reizhusten Salbeiblätter als Tee aufgießen, lange ziehen lassen, damit sich die Bitterstoffe voll entfalten, und dann dreimal am Tag mit einer ganzen Kanne gurgeln. Die Wirkstoffe des Salbeis hemmen die Vermehrung von Bakterien, die sich im Hals und Bronchienbereich festsetzen. Manuka-Honig Honig ist ein wahres Wundermittel. Er desinfiziert innere und äußere Wunden und wirkt reizlindernd. Bei Halsbeschwerden sollte man Honig langsam lutschen, er lindert die Rötungen im Hals und tötet Bakterien. Kapland- Pelargonie In Apotheken findet man sie unter dem Namen „Umckaloabo”. Bei Infektionen mit Schleimproduktion unterstützt die Kapland- Pelargonie die Lösung des Schleims, ihre Hauptwirkung dürfte allerdings die Aktivierung der Immunabwehr sein. Ingwer Seine ätherischen Öle bekämpfen Keime bei grippalen Infekten, stärken das Immunsystem und erwärmen den Körper. Einfach frische Ingwerscheiben in Wasser aufkochen und das dann über den Tag verteilt trinken. Bei Schnupfen Ingwerscheiben und Kamillenblüten mit heißem Wasser aufgießen und den Dampf inhalieren.

Gallendiät: Die besten Lebensmittel für eine gesunde Galle