Wechseljahre

Leiden in der Menopause: Hitzewallungen in den Wechseljahren

Reife Frau, die ihren Kopf auf die Arme stützt | © iStock | Victor_69
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Leiden in der Menopause: Hitzewallungen in den Wechseljahren

Für Annette Hohberg sind die Wechseljahre im wahrsten Sinne „heiße Zeiten". Hier verrät sie ihre Tipps und Erkenntnisse, was ihr persönlich gegen die Menopausen-Beschwerden geholfen hat.

Man weiß gar nichts – auch wenn man meint, alles zu wissen. Zwischen 45 und 50 kommen sie, heißt es. Von Hitzewallungen ist die Rede, von Depressionen, von Haaren, die dünn, und von Hüften, die breit werden. Auch von nachlassender Lust. Na großartig, denkt man sich, und verdrängt das alles schnell wieder. Bereits das Wort „Klimakterium“ erinnert an Klimakatastrophe. Da möchte man wie ein Kind die Augen zukneifen: Bitte, lieber Gott, mach, dass mich die Menopause übersieht. Tut sie nicht. Und wissen Sie was? Heute finde ich das gut! Aber der Reihe nach.

Hitzewallungen in der Menopause: Verdrängen hilft nicht

Mich erwischt es in einer Konferenz. Plötzlich wird’s warm. Sehr warm. Es braucht einen Moment, bis mir klar wird, dass ich die Einzige bin, die sich an diesem nasskalten Tag am liebsten in einer Tiefkühltruhe verkriechen würde. Als das Ganze am Abend wieder losgeht und am nächsten Tag gleich dreimal, ist klar: Verdrängen bringt definitiv nichts mehr. Das sind Hitzewallungen! Ich sage erst mal niemandem was – und gehe in eine Apotheke, wo ich dann doch was sage, allerdings im Flüsterton. Die Apothekerin, 60plus, nickt mitfühlend und ich bin mir nicht sicher, ob ich das nett oder einfach nur zum Heulen finden soll. Ich kaufe ein Pfund Tee – Frauenmantel, Brennnessel, Schafgarbe –, Salbeikapseln, Dragees aus Traubensilberkerzenextrakt und als Zugabe Johanniskraut gegen Stimmungstiefs. Die habe ich zwar noch nicht, aber man kann ja nie wissen. Nach etwa zwei Monaten weiß ich: All dies mag anderen helfen, aber mir nicht.

Noch mehr Tipps gegen Schweißausbrüche hier: Schüßler Salze gegen Hitzewallungen

Menopause: Die Hormone spielen verrückt

Freundinnen raten mir zum Hormonspezialisten; Studien über steigendes Brustkrebsrisiko erledigen jedoch jeden Gedanken daran. Auch meine Mutter kann mich nicht trösten. Auf meine Frage, wie lange das denn dauert, höre ich nur ein „Ach, irgendwann ist es vorbei“. Danke, Mama, aber du hast doch sonst stets klare Ansagen gemacht. Ich ahne, dass du womöglich aus Mutterliebe auf Schongang geschaltet hast. Ich beginne also, Techniken zu entwickeln, mit den Umständen klarzukommen. Ach, was sage ich? Ich beginne, mein Leben auf den Kopf zu stellen, und das gründlich. Die Hormone machen sowieso, was sie wollen – merkwürdigerweise ist das für mich die Initialzündung, genau das auch zu tun. Ich, die immer auf der Harmonieschiene unterwegs war, bin plötzlich weniger kompromissbereit. Ich treffe nur noch Freunde, die mir wirklich was bedeuten. Ich sage öfter, was ich denke. Ich setze um, was ich mir lange vorgenommen habe. Eine Ewigkeit schon habe ich Romane schreiben wollen, jetzt lege ich los. Mittlerweile sind vier fertig.

 

Menopausen-Umdenken ist gefragt

Da eh schon alles in mir auf Metamorphose programmiert ist, traue ich mich auch ans Eingemachte heran. Abschiede gehören dazu und ich spüre mehr als einmal, wie frei Mut machen kann – und dass man Neues bekommt, wenn man Altes aufgibt. Festgefahrene Einstellungen, heilige Glaubenssätze, übergroße Ängste wandern in den Schredder. Mein Körper ist mir hier ein großartiger wie unerbittlicher Lehrer. Seine größte Leistung ist ein Gelassenheits-Training, das kein Zen-Meister besser hinbekommen würde. Ich höre auf, gegen Hitzewallungen anzukämpfen – schlicht weil es zermürbend ist, zigmal in der Nacht aufzustehen und den Pyjama zu wechseln. Irgendwann klappe ich nur noch die Bettdecke weg und warte, bis es vorbei ist. Klar, ich schlafe nicht mehr durch, aber wenigstens wieder ein.

 

So verändert die Menopause

Parallel dazu laufe ich generell nicht mehr Sturm gegen Dinge, die sich nicht ändern lassen. Stattdessen melde ich mich in einem Yogastudio an. Mittlerweile trainiere und meditiere und unterrichte ich mehrmals die Woche und dehne und denke mich langsam in meine zweite Lebenshälfte hinein. Auch das hat mir mein Körper beigebracht: Nicht nachgeben – aber dabei nachsichtig mit sich bleiben. Man könnte sagen, meine Hormone haben einen recht nachhaltigen Workshop mit mir veranstaltet. Dünneres Haar und breitere Hüften sind da lediglich Randnotizen. Und glauben Sie mir, das mit der nachlassenden Lust ist definitiv ein Gerücht. Ich habe Lust, ziemlich große sogar – aufs Leben.