Wechseljahre

Ist das der Wechsel, Schatz? Wie Männer die Wechseljahre erleben

Was Frauen nach den Wechseljahren vermissen und was nicht (Tampons!), ist für Männer nicht immer offensichtlich. In DONNA berichten sie über ihre sehr persönlichen Erfahrungen.
 | © Cécile Dormeau
© Cécile Dormeau
Was Frauen nach den Wechseljahren vermissen und was nicht (Tampons!), ist für Männer nicht immer offensichtlich. In DONNA berichten sie über ihre sehr persönlichen Erfahrungen.

Wenn Frauen Richtung Menopause wandern, macht sich das auch in der Beziehung bemerkbar. Und wie finden das die Männer? Hier lesen Sie vier ehrliche Erfahrungsberichte über Humorverlust, neue Intimität und die Angst vor dem Älterwerden.

„Plötzlich war Schluss mit lustig!”

Tom (58), Leiter einer Jugendbildungsstätte

Humor ist eine feste Größe in un­serer Beziehung. Meine Frau und ich können wunderbar frotzeln! Ich komme aus einem Dorf in der Eifel, sie aus der Großstadt. Da kannst du aber froh sein, dass du es aus deinem Reservat raus ge­schafft hast, foppte sie mich oft. Ich konterte: Oh, da hält sich wohl jemand für was Besseres. Bonjour, Bourgeoisie! In Konflik­ten konnten solche Sätze ruck, zuck Anspannung rausnehmen.

Plötzlich aber war Schluss mit lustig – im Wortsinn. Wenn ich meine Frau neckte, reagierte sie eingeschnappt. Alles, was ich sagte, schien daneben zu sein. Erika war 50, vielleicht seien es ja auch die Wechseljahre, die ihr auf die Stimmung drückten, meinte sie. Ich fand toll, dass sie das so offen ansprach, denn so konnte ich vorsichtiger sein. Sprüche, die ich sonst rausgehauen hätte, zurückhalten, Dahingesagtes re­lativieren: Hey, nur ein Scherz.

Mir half auch unsere Vorgeschich­te, achtsamer zu sein: Als meine Frau einfach nicht schwanger wurde, ließen wir uns beide checken. Es stellte sich heraus, dass ich zeugungsunfähig bin. Erst der Schock, dann die Angst: Bleiben wir zusammen? Ich liebte meine Frau, aber ich wusste auch, dass sie Kinder wollte. Für sie kam eine Trennung nicht infrage, auch eine Befruchtung per Samenspende nicht: Sie sagte, wir hätten dann nicht dieselbe Basis. Es solle wirklich das Kind von uns beiden sein. Dass sie auf das Erleben einer Schwangerschaft verzichtete, mir zuliebe, finde ich eine enorme Geste. Wir haben später zwei Jungs adoptiert.

Ich sehe das so: Damals ist sie in Vorleistung gegangen – jetzt war ich eben dran. Vier, fünf Jahre habe ich oft zweimal überlegt, was ich sage, und mich bemüht, nicht alles auf die Goldwaage zu legen. Und dann irgendwann nahm sie, die Tochter einer Mittelstandsfamilie, den Handwerkersohn wieder hoch, und der Handwerkersohn wehrte sich entsprechend – ohne dass es ein Drama war. Tatsäch­lich war der Wiedereinzug des Humors in unsere Beziehung das deutliche Zeichen, dass Erikas Wechseljahre vorüber waren. Erleichtert war ich. Aber auch froh, dass ich etwas zurückgeben konnte. Und dass diese Liebe stark genug ist, durch ein ganzes Leben zu tragen, mit allen Hochs und Tiefs, die da kommen.

 

„Sie machte Kurse nur für Frauen. Ich war außen vor.”

Sven (51), Patentanwalt

Das Durcheinander kam ziemlich plötzlich. Jahrelang schien diese Abfolge wie mit einer höheren Macht verabredet: Eine rote Wo­che dauert exakt sechs Tage, braucht Super­Tampons und gelegentlich eine Buscopan. Dann 21 Tage ohne besondere Vor­kommnisse und wieder von vorn. Geredet haben wir darüber nie, höchstens mal, wenn die rote Woche und unsere Lust auf Sex kollidierten. Und jetzt das: sechs Wochen Dauerblutung und kein Halten mehr. An Erotik nicht zu denken.

Merkwürdig genervt, ja fast aggressiv war Juliane schon vorher, wobei ich nicht wirklich wusste, warum – wie in der Zeit nach der Geburt unseres ersten Kindes. Fast körperlos wirkte sie, und wenn sie sich mir mal offen­barte, schien es, als wollte sie sich bewusst schlecht machen. Ihre Falten im Gesicht, ihre Falten am Bauch, die Jeans, die angeblich zu eng wurde ... Alles schlimm in ihren Augen. Unsere Küsse wurden weni­ger, die Berührungen flüchtiger. Juliane verschwand in einem Kokon aus Frust, Müdigkeit, Ohnmacht und Unlust. Ihre Ver­trauten waren nun ihre Frauen­ärztin und eine ganzheitliche Medizinerin. Sie begann, Kurse nur für Frauen zu besuchen, Yoga, Körpermalerei, Hauptsache Suche nach Sinn. Und ich? War außen vor.

Fast ein Jahr hat es gedauert, bis Juliane und ich wieder mehr Nähe entwickeln konnten; ein­fach, indem wir angefangen ha­ben, zu reden. Über uns, über al­les mögliche. „Mehr Nähe“ heißt aber nicht, dass es wie früher ist: Juliane ist sich selbst irgendwie fremd geworden und mir auch. Einsam fühle ich mich manchmal – und ratlos: Warum, verdammt noch mal, wissen wir Männer eigentlich nichts über die Wechsel­jahre unserer Frauen? Und wa­rum ist dieses ja unvermeidliche Thema ein derartiges Tabu, dass wir nicht mal mit unserem besten Freund darüber reden?

Hitzewallungen verlangen schon mal besondere Maßnahmen – dabei können auch andere eine Menge lernen.
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Hitzewallungen verlangen schon mal besondere Maßnahmen – dabei können auch andere eine Menge lernen.

„Es gibt eine neue Intimität”

Leo (50), Kraftwagenfahrer

Als meine Frau und ich uns vor zehn Jahren ineinander verlieb­ten, war das Alter ein ziemliches Problem für sie. „Ich bin acht Jahre älter, irgendwann wird dich das stören“, sagte sie. Blödsinn, antwortete ich. Fünf Jahre führ­ten wir eine wunderbare Ehe. Dann wurde es auf einmal kom­pliziert. Drehte ich mich nach ei­ner hübschen Frau um, so wie ich es immer ab und an getan hatte, deutete Birgit das als Indiz, dass ich sie nicht mehr interessant fände. Nettes Mädel, so hätte sie früher reagiert – jetzt konnte so etwas eine Heulattacke auslösen.

Dann passierte ein Glücksfall – auch wenn es sich eher nach Desaster anhört: Wir waren eines Abends bei Freunden, als sich Gerda, eine eher korpulente Frau, plötzlich die Bluse vom Leib riss. Im BH saß sie da, schweißüber­strömt. „Sind das die Wechsel­jahre?“, fragte einer. Gerda be­gann zu weinen. Wohl schon, meinte sie. Wir sollten bitte Rück­sicht nehmen. Dieses Bild – Ger­da, fast nackt und schutzlos – ließ mich nicht los. „Wieso hatten wir dieses Thema nie angeschnit­ten?“, fragte ich mich. Fragte ich Birgit. Da fing sie an, zu erzählen.

Von den Veränderungen, die sie seit einiger Zeit bei sich wahr­ nahm: plötzliches Schwitzen, in­nere Unruhe, Verlustängste. Ver­letzlich wirkte sie – und dabei gleichzeitig stark. Birgits Offen­heit hat uns erspart, was selbst ge­standenen Paaren oft zum Ver­ hängnis wird: dieser Kreislauf aus Wegschauen, Abtun und Pein­lichkeiten. Die Lebenserfahrung sollte doch einen anderen Um­gang möglich machen. Zum Bei­spiel mit Sex, der vielleicht kein Selbstläufer mehr ist. Entweder stellt man sich der Situation ge­meinsam. Oder man hakt diesen Bereich für sich ab, um sich dann vielleicht übers Fremdgehen Ge­nugtuung zu holen. Aber damit lässt man ja nicht nur die Frau allein, man lässt auch sich selbst allein. Wir haben diverse Hilfs­mittel durchprobiert. Und fest­ gestellt: Die Umwege, die man da geht, sind keine Notlösung, son­dern schaffen eine neue Intimität.

Die Phase des Übergangs fand übrigens so schlagartig ein Ende, wie sie begonnen hatte. Ihr Alter hat Birgit seitdem nie wieder zum Thema gemacht. Vielleicht, weil sie gesehen hat, dass mich ihr Vorsprung nicht stört. Im Gegenteil. Er war eine Chance, noch näher zusammenzukommen.

 

„Ich will selber nicht altern”

Karsten (58), selbstständig

Meine Freundin war – und ist – sehr attraktiv. Als ich sie vor neun Jahren auf einem Workshop das erste Mal sah, dachte ich sofort: „Wow. Was für eine Frau!“ Sie war damals 41, ich 49 Jahre alt. Vor ein paar Monaten haben wir ihren 50. Geburtstag gefeiert. Beziehungsweise: bewältigt. Sie wollte absolut keine Party, statt­ dessen sind wir nach Barcelona geflogen. Ich habe sie zum Essen ausgeführt, katalanische Sterne­küche in der Altstadt. Romanti­scher geht’s eigentlich nicht, aber wir haben uns nur angezickt – schwierig.

Ich sage ihr wieder und wieder, dass sie für mich die schönste Frau der Welt ist. Aber ganz ehrlich bin ich nicht. Es macht mir zu schaffen, sie altern zu sehen. Vielleicht, weil ich es selbst als schmerzlich empfinde, älter zu werden?

Ich will einfach nicht alt sein, sondern am liebsten immer so vital wie mit 30. Ich weiß, ich sollte diese kindischen Gedanken nicht haben, doch sie sind da. Ich glaube, meine Freundin spürt das. Es gibt noch ein emotio­nales Minenfeld: Aus meiner ge­schiedenen Ehe habe ich drei Kinder, meine Freundin jedoch ist kinderlos. Ich hatte ihr gleich am Anfang gesagt, dass für mich weitere Kinder ausgeschlossen sind. Damals fand sie das okay. Als sie neulich mit ihrem Frauen­arzt über Verhütung sprach, meinte der ganz lapidar: „Wir lassen die Spirale noch mal bis zum nächsten Termin drin. Dann hat sich die Sache ja wahrschein­lich erledigt.“

Abends hat sie ge­weint, sie wisse selbst, es sei irrational, aber die Endgültigkeit täte so weh. Mir fiel es schwer, sie zu trösten, auch, weil ich ihren Schmerz als Vorwurf empfand. Ich hoffe, wir kriegen die Kurve. Ich will ja mit ihr alt werden! In guten Momenten sehe ich uns als altes, weises Paar auf einer Bank sitzen und über diesen Irrsinn lachen.

Protokolle: Elisabeth Hussendörfer, Stefan Ruzas, Almut Siegert