Kinder aus dem Haus: Re-Start für die Liebe

Wenn die Kinder erwachsen werden und ausziehen, ergibt sich für viele Frauen eine Leerstelle im Leben, die sich durch ihre Beziehung nicht füllen lässt. In ihrer DONNA-Kolumne erklärt Diplom-Psychologin und Business/Personal Coach Beate Roland, wie der Auszug erwachsener Kinder als Neustart für die Liebe genutzt werden kann.

Bild eines küssenden Paares

Wenn die Kinder ausziehen, verändert sich vieles – auch die Partnerschaft der Eltern.

Wie ein wichtiges Ereignis in Ihrem Leben zu einer großartigen Chance wird

Miriam und Michael sind seit 20 Jahren verheiratet und haben ein gutes Leben geführt. Der Alltag war nicht immer aufregend, aber jeder konnte sich auf den anderen verlassen. Michael liebt seinen Beruf als Anwalt in einer kleinen Kanzlei und Miriam fand nach den ersten Jahren als Mutter wieder eine Teilzeitstelle als Grafikerin. Mittelpunkt der Familie ist die einzige Tochter Anna, ihr „Augenstern“. Anna hat sich nach dem bestandenen Abi gewünscht, für zwei Jahre in London zu studieren.

Die Abreise von Anna stürzte Miriam von jetzt auf gleich recht unerwartet in eine ernste Krise. Das Haus war viel zu leer und viel zu still. Michael war Miriam in dieser Situation keine Hilfe, denn er zog sich zurück und verbrachte lange Abende damit, seine Reisefotos am Computer zu bearbeiten. In dieser Situation kam Miriam zu mir. Die große Frage war: Können die beiden es schaffen, ihrer Liebe eine neue Facette zu verleihen. Kann Miriam etwas tun? Ja, sie kann und sie sollte sogar.

Mittels einer Coaching-Methode, die ich immer wieder gerne anwende, weil sie Kreativität fördert und gleichzeitig innere Blockaden löst, kam Miriam auf Ideen, auf die sie ansonsten nicht gekommen wäre. Miriam gefiel vor allem die Idee, sich gezielt mit ihrem Mann zu verabreden, so wie vor der Geburt von Anna. Miriam verstand nach einiger Zeit, dass der „Wegzug“ ihres bisherigen Lebensmittelpunkts gleichzeitig auch ein Gewinn für ihre Partnerschaft sein kann, weil sich neue Freiheiten ergeben. Diese müssen aber genutzt werden, was vor allem in der Anfangszeit einer gewissen Konsequenz bedarf – sozusagen als Kampf gegen die bisherigen Gewohnheiten.

Ich ermutigte Miriam, aktiv zu werden. Sie buchte als erstes eine Kurzreise über ein verlängertes Wochenende, wo sich für Michael die Gelegenheit zum Fotografieren ergab und sie die übrige Zeit zusammen verbrachten. Aber auch kleinere Verabredungen im Alltag folgten. Sie gingen nach langer Zeit mal wieder ins Kino und unternahmen später auch Dinge, die für beide neu waren, wie z.B. der Besuch eines Sushi-Kurses. Gelegentlich gelang es ihnen auch, ein bisschen verrückt zu sein – so ihre persönliche Wette, auf welche Art man Schokoladenosterhasen denn nun am besten isst. Anfangs reagierte Michael etwas zurückhaltend, war aber dennoch offen für Neues. Er fand zunehmend Gefallen an den Aktivitäten und entwickelte mehr und mehr eigene Ideen. Durch diese neu gefüllten, gemeinsamen Zeiten wurde ihre Liebe wieder lebendiger, auch durch Verabredungen zu gemeinsamen Zeiten im Bett – und das nicht nur zum Schlafen.

Extra-Tipp: Ich glaube ganz fest an die Kraft der eigenen inneren Überzeugung. Ich habe Miriam deshalb aufgefordert, sich „mantrahaft“ immer wieder selbst zu sagen, dass sie es schafft, mit Michael noch einmal die Kurve zu kriegen. Ich freute mich, als sie mir sagte, dieses mentale Training hätte ihr zusätzlich sehr geholfen.

Auch Ellenbogen kann man trainieren – besser im Beruf und trotzdem fair: Lesen Sie hier die Kolumne von Diplom-Psychologin und Personal/Business Coach Beate Roland.