Food Waste vermeiden: Mit diesen Tipps werden Sie zum Lebensmittelretter

Jeden Tag landet viel zu viel Essen im Müll. Dabei ist es gar nicht so schwer, der Lebensmittelverschwendung den Kampf anzusagen. Wie das geht und wie Sie dabei auch noch Geld sparen können, erfahren Sie auf DONNA Online.

Rechteckiger, mit Mangold, Süßkartoffeln, Kartoffeln und Bohnen gefüllter Weidenkorb steht auf Holztisch auf Wiese

Obst und Gemüse landet besonders oft im Müll – nicht nur, weil es schneller verdirbt, sondern auch wenn die Optik nicht der Norm entspricht.

Wir leben in einer Überflussgesellschaft, in der es uns viel zu leicht fällt, Dinge wegzuwerfen. Dazu gehören leider auch Nahrungsmittel: Laut einer Studie des WWF und des Institut für nachhaltige Ernährung von 2017 landen jedes Jahr rund 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Das entspricht rund einer LKW-Ladung pro Minute. Und nicht nur die Endkonsumenten werfen unnötig viel Essen weg, genießbare Nahrungsmittel landen entlang der gesamten Wertschöpfungskette  im Müll – vom Acker bis zum Teller. Dabei werden nicht nur essbare Rohstoffe verschwendet, sondern auch Energie und Wasser. 44 Prozent der Abfälle wären laut einer Studie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vermeidbar. Doch leider gibt es bislang weder rechtliche Rahmenbedingungen, noch genügend Konsumenten mit einem entsprechenden Bewusstsein, um Food Waste zu reduzieren.

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Warum landen so viele Lebensmittel im Müll?

Grund für die enorme Verschwendung von Lebensmitteln ist unter anderem unser Einkauf- und Konsumverhalten. Wir sind es gewöhnt, uns jederzeit aus vollen Supermarktregalen bedienen und zwischen viele verschiedenen Produkten wählen zu können. Dadurch werden viele Lebensmittel nicht rechtzeitig verkauft und landen nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums im Müll. Seit Jahren wird deshalb gefordert, das Ablaufdatum abzuschaffen oder umzubenennen. Denn viele Nahrungsmittel, zum Beispiel Milch und andere Molkereiprodukte, sind auch Wochen, trockene Produkte wie Nudeln sogar Monate nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch bedenkenlos genießbar.

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Doch nicht nur abgelaufene und (vermeintlich) ungenießbare Lebensmittel landen im Müll. Auch Produkte mit optischen Mängeln, etwa Produkte mit falsch bedruckter Verpackung, Obst und Gemüse, dessen Form nicht der Norm entspricht oder verbeulte Konserven, werden von den Herstellern entsorgt, da Händler und Konsumenten sie nicht annehmen.

Wie man Lebensmittelmüll vermeidet

Der Joghurt im Kühlschrank läuft in wenigen Tagen ab oder hat das Mindesthaltbarkeitsdatum bereits überschritten? Das ist noch lange kein Grund, den Becher zu entsorgen. Bevor Lebensmittel in der Tonne landen, sollte man sie einer Qualitätskontrolle unterziehen. Konsistenz, Aussehen und Aroma sind normal? Dann ist das Produkt noch genießbar und bedenkenlos gegessen werden. Checken Sie zudem regelmäßig den Inhalt Ihres Kühlschranks und den Ihrer Vorratsschränke. Räumen Sie alle Lebensmittel, die nicht mehr lange haltbar sind, in ein seperates Fach. So sehen Sie auf einen Blick, was zeitnah verarbeitet werden sollte und vermeiden, dass Nahrungsmittel in Vergessenheit geraten und schließlich kaputtgehen.

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Weniger und bewusster einzukaufen ist der einfachste Weg, um weniger Lebensmittelabfall zu produzieren. Gehen Sie vor dem Einkaufen Ihre Vorräte zu Hause durch und notieren Sie auf einem Einkaufszettel, was Sie benötigen. Spontankäufe und Einkaufen ohne Plan führen nämlich dazu, dass sich viele Lebensmittel ansammeln, für die man eigentlich keine Verwendung hat. Diese werden dann vergessen und verderben oft ungenutzt. Wer sich vor Augen führen möchte, wie viel Essen im eigenen Haushalt entsorgt wird, kann ein Wegwerf-Tagebuch führen. Darin wird von der Scheibe Brot bis zum Apfel jedes Nahrungsmittel aufgelistet, das ungegessen in den Müll wandert. So lassen sich „Food-Waste-Muster“ erkennen, die man beim nächsten Einkauf durchbrechen kann.

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Diese 5 Apps und Organisationen retten Lebensmittel

Nicht nur immer mehr Endverbraucher versuchen Lebensmittel zu retten, auch Unternehmen oder Onlineplattformen haben verschiedene Ideen entwickelt, wie man Essen einfach und unkompliziert vor dem Wegwerfen bewahrt.

1. Too Good To Go

Die App To Good To Go hat es sich zur Aufgabe gemacht, übrig gebliebene Lebensmittel weiterzuvermitteln und somit vor der Mülltonne zu retten. Die App ist aktuell in neun Ländern verfügbar und hat über sechs Millionen Nutzer. Restaurants, Cafés und auch Supermärkte stellen auf To Good To Go ein Kontingent an Coupons zur Verfügung, die für je ein Lebensmittelpaket stehen. In diesem „Lebensmittelretter-Gutschein“ sind dann je nach Art des Anbieters beispielsweise belegte Brötchen, Obst oder bereits gekochte Speisen enthalten, die am nächsten Tag nicht mehr verkauft werden können. Bei der Abholung bekommt man für den Coupon dann ein Paket ausgehändigt, das bis zu 50 Prozent günstiger ist, als wenn man die Speisen und Getränke zum Originalpreis gekauft hätte.

2. SirPlus

In Berlin gibt es seit 2017 den ersten Lebensmittelretter-Supermarkt SirPlus. Dieser hat zwar kein festes Sortiment, ist aber trotzdem immer gut gefüllt. Lebensmittel, die falsch verpackt wurden, Obst mit optischen Mängeln oder noch genießbare Produkte, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, werden hier bis zu 70 Prozent günstiger verkauft. SirPlus möchte mit diesem Konzept die Wertschätzung für Lebensmittel steigern. Das Unternehmen hat übrigens auch einen Onlineshop, in dem verschiedene Retterboxen oder Einzelprodukte bestellt werden können.

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3. Foodsharing

Wer sich bei Foodsharing gegen Lebenmittelverschwendung einsetzt, tut nicht nur Gutes, sondern spart auch bares Geld. Denn die Foodsharing-Community teilt nicht nur untereinander Nahrungsmittel, sondern hat auch Partner wie Supermärkte an Bord, die ihre Lebensmittelüberschüsse an jeden verschenken, der sie direkt beim Spender oder an Foodsharing-Sammelstellen abholt. Das Prinzip funktioniert aber auch umgekehrt: Wenn Sie zum Beispiel vor einem Urlaub den Kühlschrank leeren müssen, können Sie Ihre  Lebensmittel zur Verfügung stellen und somit verhindern, dass sie verderben. Foodsharing wird in vielen Großstädten angeboten und auch unabhängig von der offiziellen Community finden sich immer mehr Facebook-Gruppen, die nach dem gleichen Prinzip Nahrungsmittel teilen. 

4. etepetete

Nicht nur Lebensmittel, die nicht mehr lange haltbar sind, landen im Müll, sondern auch solche, die nicht der Norm entsprichen – zum Beispiel krumme Gurken, übergroße Kartoffeln oder verschlungene Möhren. Diese werden direkt auf dem Acker oder bei einem Zwischenhändler aussortiert und kommen nicht in den Handel, sondern direkt in den Abfall. Das Start-up etepetete kauft krummes Obst und Gemüse direkt von den Bauern und Herstellern ein. Die gerettete Bio-Ware wird anschließend in verschiedene thematische Boxen verpackt und in recycelten Kartons deutschlandweit an Besteller verschickt.

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5. Zu gut für die Tonne

Mit der Initiative Zu gut für die Tonne möchte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft das Bewusstsein der Deutschen für Lebensmittel stärken. Dabei gibt es auf der Homepage des Ministeriums sowie in der dazugehörigen App praktische Tipps, wie man mit der richtigen Lagerung möglichst lange etwas von seinem Essen hat und Rezepte für kreative Resteverwertung. Interessant und auch schockierend sind die gesammelten Fakten zum Thema Lebensmittelverschwendung. Zudem unterstützten Partner aus Industrie, Handel, Gastronomie und Landwirtschaft die Kampagne und geben spannende Einblicke in die Produktionsabläufe von Nahrungsmitteln.