Renten-Pay-Gap: Warum Frauen für das Alter vorsorgen sollten

Ein Thema, mit dem sich zwar niemand gerne beschäftigt, das aber wichtig ist: Altersvorsorge. Warum vor allem Frauen von Altersarmut betroffen sind und wie Paare einen fairen Weg für die gemeinsame Vorsorge finden? DONNA Online hat mit einer Expertin gesprochen.

Frau mit weißen Haaren sitzt mit Laptop, Taschenrechner und Unterlagen am Tisch und beschäftigt sich mit ihrer Altersvorsorge

Wer sich rechtzeitig um private Altersvorsorge kümmert, kann mit einem besseren Gefühl in den Ruhestand gehen.

Zwei Faktoren, die es in Deutschland wahrscheinlicher machen, in Armut zu leben? Eine Frau zu sein und alt zu werden. Noch höher ist das Risiko, in die Altersarmut abzurutschen, wenn man alleinstehend ist und in einer Großstadt lebt – dann besteht die Gefahr nicht nur finanziell, sondern auch sozial und kulturell zu verarmen.

Laut dem Statistischen Bundesamt ist jede Fünfte Frau in Deutschland von Armut und Altersarmut bedroht. Das heißt: Betroffene müssen monatlich mit weniger Geld als der Grundsicherung (838 Euro) auskommen. Mit diesem Betrag müssen neben Wohnung und Essen oft auch noch Krankenversicherung und Medikamente gezahlt werden. Insbesondere in teuren Großstädten, in denen die Rente fast komplett von der Miete verschlungen wird, sind deshalb immer mehr Rentner auf die Unterstützung durch soziale Einrichtungen angewiesen.

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Warum sind so viele Frauen von Altersarmut betroffen?

Dass Frauen von Altersarmut besonders häufig betroffen sind, ist nicht weiter verwunderlich. Denn viele erhalten bis heute nur rund die Hälfte der Rente, die Männer bekommen. Grund dafür ist, dass viele Frauen nach der Familiengründung nur noch in Teilzeit arbeiten. Hinzu kommt, dass es lange Zeit verpöhnt war, als verheiratete Frau überhaupt arbeiten zu gehen und die Mutterschaft bis 1992 keine Rentenpunkte einbrachte. Die Folge: eine finanzielle Abhängigkeit vom Partner, die sich besonders im Alter bemerkbar macht.

Doch auch Frauen, die ihr Lebenlang arbeiten und in die Rentenversicherung einzahlen, müssen mit Pensionsantritt häufig mit einem kleinen Budget klarkommen. Denn viele typische Frauenberufe, zum Beispiel Krankenschwester oder Friseurin, werden schlecht bezahlt. Mal ganz abgesehen vom sogenannten „Gender Pay Gap“: Frauen erhalten 21 Prozent weniger Gehalt als Männer in der gleichen Position.

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Dass sich diese fehlende Gleichberechtigung im Berufsleben auch auf die Zeit nach der Erwerbstätigkeit auswirkt, wird vielen Frauen erst dann bewusst, wenn sie den Rentenbescheid in der Hand halten. So erkennt laut den Ergebnissen des Vermögensbarometers des Deutschen Sparkassen und Giroverbands (DSGV) erst die Altergruppe ab 50 Jahren, dass die gesetzliche Altersvorsorge nicht ausreichen wird. Eine Problematik, die sich mit großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren weiter verschärfen wird. Der Grund: Es gibt immer mehr Rentner, die immer älter werden, gleichzeitig aber immer weniger Menschen, die in das Rentensystem einzahlen. Zudem steigen die Lebenshaltungskosten in Deutschland weiter an, sodass es wichtiger wird, privat vorzusorgen.

Worauf Frauen bei der Geldanlage wert legen

Die Sensibilität in Sachen private Altersvorsorge nimmt zu. Das zeigen auch die Erkenntnisse des Vermögensbarometers der DSGV. Demnach ist die Vorsorge für das Alter die Hauptmotivation, Geld zu sparen. Trotz Sparbemühungen befürchten allerdings mehr Frauen als Männer, im Alter nicht wirklich abgesichert zu sein. Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass Frauen bei der Geldanlage vor allem Sicherheit wichtig ist. So setzen sie laut der DSGV-Umfrage vor allem auf weniger lukrative, aber sichere Anlagevarianten wie Sparbücher oder Immobilien.

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Expertengespräch: Warum Frauen selbst vorsorgen müssen

Wie sorgt man richtig für das Alter vor und worauf sollten Frauen dabei besonders achten? Marlies Mirbeth, Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse München, beantwortet diese und weitere Fragen rund um das Thema Rente.

DONNA Online: Laut aktuellen Ergebnissen des Vermögensbarometers des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) sorgt jede dritte Frau nicht selbstständig fürs Alter vor. Was hält sie davon ab?
Marlies Mirbeth: Frauen denken nicht gern ans Altwerden und kümmern sich deshalb zu wenig um ihre finanzielle Situation im Alter. Oft erklären sie das damit, dass Wertpapieranlagen zurzeit doch so unsicher seien und dass das Vorsorgesparen sowieso nichts bringe. Um Alternativen bemühen sie sich aber auch nicht.

Was raten Sie Frauen?
Frauen sollten nicht darauf hoffen, dass es schon irgendwie reichen wird oder dass sie über ihren Partner später ausreichend finanziell abgesichert sein werden. Ich rate Frauen, bei diesem Thema egoistischer zu sein und ihre Altersvorsorge konsequent in die eigenen Hände zu nehmen.

Müssen Frauen ihr Geld anders anlegen als Männer?
Die Regeln für eine erfolgreiche Geldanlage gelten selbstverständlich für Frauen und Männer gleichermaßen. Aber es ist kein Geheimnis, dass sich Männer mehr für Finanzthemen interessieren. Die Sparkassen versuchen deshalb, Frauen mehr dafür zu sensibilisieren.

Wie finden Partner einen fairen Weg für die Altersvorsorge?
Oft hilft es, gemeinsam auszurechnen, wie viel Geld pro Monat zur Verfügung steht und wer wie viel für das Alter zurücklegt. Dabei ist schnell zu erkennen, wie unabhängig beide in der Rente finanziell sein werden. Haben Frauen kein eigenes Einkommen, sollten sie mit ihrem Partner eine faire Vereinbarung treffen. Denn das Einkommen des Mannes ist auch ihr Einkommen und als solches sollte es auch für ihre Altersvorsorge genutzt werden.