Gewichtsdecke: Die Lösung für Schlafprobleme?

Angeblich sorgt sie für einen erholsamen und ruhigen Schlaf – selbst bei Menschen mit Einschlaf- und Durchschlafproblemen. Doch was steckt hinter den schweren Decken? Und schläft man damit wirklich besser? DONNA Online hat die Therapiedecken unter die Lupe genommen.

Frau liegt mit schwarz-weiß-gestreifter Decke zugedeckt im Bett und schläft

Wenn Sie unter Schlafproblemen leiden, könnte eine Gewichtsdecke hilfreich sein. Das Wundermittel verspricht maximale Entspannung und schnelles Einschlafen.  

 

Ein erholsamer Schlaf ist maßgeblich verantwortlich für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. Im Umkehrschluss bedeutet das: Wiederkehrende Schlafprobleme schwächen das Immunsystem, führen zu Übermüdung, erhöhter Reizbarkeit und beeinträchtigen damit die Konzentration und Produktivität. Manchmal entwickeln Menschen, die unter Schlafstörungen leiden, sogar eine regelrechte Einschlafphobie, weil sie ahnen, dass sie stundenlang kein Auge zutun werden. Neben Klassikern wie Baldrian oder Meditation soll es inzwischen ein weiteres Wundermittel geben: Die Rede ist von sogenannten Therapiedecken, auch Gravity- oder Gewichtsdecken genannt. Sie sollen beim Ein- und Durchschlafen helfen und sich sogar positiv auf psychische Probleme auswirken. Zu schön, um wahr zu sein? DONNA Online hat sich die Wunderdecke genauer angesehen und zeigt, was dahinter steckt.

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Was sind Gewichtsdecken?

Bei Therapie- beziehungsweise Gewichtsdecken handelt es sich um Bettdecken, die nicht etwa mit Daunen, sondern mit winzigen, etwa sandkorngroßen Kügelchen aus Glas oder Poly-Granulat gefüllt sind. Damit diese nicht in eine Ecke der Decke rutschen, ist sie mit gesteppten Quadraten versehen. Die Perlen sorgen dafür, dass die Gewichtsdecke atmungsaktiv bleibt und ein natürlicher Temperaturausgleich stattfinden kann.

Wirkung: Wie hilft eine Gewichtsdecke beim Schlafen?

Durch ihr Gewicht drückt sich die Decke beim Aufliegen gleichmäßig auf den Körper und vermittelt laut Herstellerangaben ein wohliges Gefühl – wie bei einer Umarmung. In der Tat fühlt man sich durch den sanften und gleichmäßigen Druck sicher und geborgen, weshalb Muskulatur und Nervensystem besser entspannen können. Die amerikanische Wissenschaftlerin Dr. Temple Grandin fand in diesem Zusammenhang heraus, dass der erzeugte Druck auf den Körper dafür sorgt, dass Serotonin ausgeschüttet wird, das in das Schlafhormon Melatonin umgewandelt wird. Gleichzeitig sinkt der Spiegel des Stresshormons Cortisol. Stresszustände werden abgebaut, der Körper weiß „Jetzt wird geschlafen“ und kommt schneller zur Ruhe. Gleichzeitig bewegt man sich unter einer schweren Bettdecke automatisch weniger, was ebenfalls ein Zeichen für eine gute Schlafqualität ist.

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Anwendung: Wie werden Gewichtsdecken eingesetzt?

Die Wirksamkeit von Therapiedecken wurde bereits in mehreren wissenschaftlichen Studien überprüft und bestätigt. Nicht umsonst werden die schweren Decken schon seit Längerem bei Krankenhaus-Patienten mit Einschlafproblemen eingesetzt. Auch in der Therapie von stressbedingten oder psychischen Krankheiten erweisen sie sich als hilfreich. Sie werden beispielsweise bei der therapeutischen Behandlungsmethode „Deep Pressure Touch Stimulation“ (DPTS) gegen ADHS und Autismus eingesetzt. Aber auch bei Depressionen, Angststörungen, Panikattacken, Zwangsneurosen, bipolaren oder posttraumatischen Störungen sind Gewichtsdecken ein wirkungsvolles Hilfsmittel. Denn all diese Krankheiten haben eine Gemeinsamkeit: eine zu geringe Serotonin-Ausschüttung. Die Schwere der Decke wirkt dieser entgegen und ihr sanfter Druck beruhigend. Ein weiterer Vorteil: Im Gegensatz zu einer medikamentösen Behandlung ist die Therapie mit Gewichtsdecken völlig nebenwirkungsfrei.

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Wie schwer ist die Gewichtsdecke?

Die Gravity-Decken sind normalerweise zwischen vier und 13 Kilogramm schwer. Wichtig ist, dass das Gewicht der Decke gut auf den Menschen abgestimmt ist. Maßgebend dafür sind das Körpergewicht und das individuelle Wohlbefinden. Die schwere Bettdecke sollte ungefähr ein Zehntel des eigenen Körpergewichts ausmachen. Eine Frau, die 60 Kilo wiegt, wählt also die sechs Kilogramm schwere Decke, ein Mann mit 97 Kilo nimmt zehn Kilogramm.

Was kostet eine Gewichtsdecke?

Ganz günstig ist die Anschaffung einer Gewichtsdecke nicht. Je nach Hersteller und verwendetem Material kosten Gravity-Bettdecken zwischen 140 und 350 Euro. Es gibt aber auch höherpreisige Modelle bis 1000 Euro. Die gute Nachricht: Im Netz finden sich mittlerweile auch Selbstmach-Anleitungen und -Videos, die Schritt für Schritt zeigen, wie Sie sich eine Gewichtsdecke mit Reis, Linsen, Erbsen oder Schrot ganz einfach selbst basteln können.

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