Leseprobe „Fake it“: Wie Frauen alles erreichen können, ohne perfekt sein zu müssen

Wieso verkaufen Frauen sich ständig unter Wert – und wie lässt sich das ändern? In „Fake it" zeigt Autorin Hanna Dietz, welche kleinen Täuschungsmanöver erfolgreicher, gelassener und glücklicher machen. Werfen Sie mit der Leseprobe auf DONNA Online einen exklusiven Blick ins Buch.

Nahaufnahme einer Geschäftsfrau mittleren Alters, die telefoniert und dabei verschmitzt zur Seite blickt

Sie wollen Ihre Interessen – privat wie beruflich – endlich besser durchsetzen? Dann sollten Sie das Faken lernen.

„Männer sind Meister der Täuschung. Frauen sind Meisterinnen der Enttäuschung", so Schriftstellerin Hanna Dietz. Doch mal ehrlich: Liegt in dieser Behauptung nicht zumindest ein kleiner Funken Wahrheit? Denn oft ist es tatsächlich so, dass Frauen sich bei der beruflichen oder privaten Selbstverwirklichung und selbst in simplen Alltagssituationen selbst im Wege stehen. In ihrem neuen Buch „Fake it: Wie Frauen alles erreichen können, ohne perfekt sein zu müssen" erklärt die Autorin, wie kleine Täuschungsmanöver beim Durchsetzen der eigenen Interessen helfen können – mit amüsanten Anekdoten und Fallbeispielen aus ihrem eigenen Leben. DONNA Online stellt Ihnen das Buch mit einer exklusiven Leseprobe vor:

Erfolgreicher im Job: Wie es Ihnen gelingt, berufliche Ziele zu erreichen und trotzdem fair zu bleiben

Leseprobe aus „Fake It“ von Hanna Dietz: Faken & Durchsetzen von eigenen Interessen 

Des Teufels Anwalt 

Neulich bekam ich eine Mail von meiner Lektorin zum neuen Titel meines Romans, den der Verlag sich ausgedacht hatte. Ich fand den Titel unpassend und unverständlich. Ich mochte ihn nicht und hätte lieber einen anderen gehabt. Ich setzte mich hin, um eine Antwort zu formulieren. 

„Liebe Frau Lektorin, vielen Dank für Ihre Mail. Ich weiß, dass es zum großen Teil reine Geschmackssache ist, aber ich muss leider gestehen, dass ich nicht wirklich von dem neuen Titel überzeugt bin. Es tut mir so leid! Ich finde, dass der Titel dem Inhalt vielleicht einen Tick zu wenig entspricht und außerdem nicht griffig genug ist. Ich weiß nicht, ob er dem Leser genug Anreiz gibt, das Buch überhaupt in die Hand zu nehmen. Andererseits weiß man ja sowieso immer erst hinterher, ob der Leser ein Buch gut annimmt oder nicht. Vielleicht finden die Leser den neuen Titel auch toll! Ich meine, Sie als Verkaufsprofis haben da sicher noch mehr Dinge beachtet. Außerdem wissen Sie ja, was beim Buchhandel am besten ankommt. Ich persönlich finde dennoch, dass der bisherige Titel viel knackiger war. Und ich entschuldige mich nochmal dafür, dass ich die Begeisterung nicht teilen kann. Mit lieben Grüßen…“ Die Antwort fiel freundlich, aber klar aus: „Wir wollen gerne bei dem neuen Titel bleiben. Wie Sie schon erwähnten, denken wir, dass er beim Leser und beim Buchhandel gut ankommen wird.“

Als ich mich bei meinem Mann darüber beschwerte, dass der Verlag meiner Meinung so wenig Gewicht beigemessen hatte, warf er einen Blick auf meine Mail und meinte: »Wieso wunderst du dich? Du hast dich nicht nur für deine Meinung entschuldigt, sondern der Gegenseite auch gleich fünf Argumente geliefert, warum sie nichts wert ist. Das ist so, als ob du bei einer Schneeballschlacht auch noch Schneebälle für den Gegner formst.« Ich schaute mir meine Mail genauer an – tatsächlich. »Ist mir ja noch nie aufgefallen«, wunderte ich mich. »Das machst du andauernd«, sagte mein Mann noch. »Du willst was erreichen, kämpfst aber auch für die Gegenseite. Du bist dein eigener Advocatus Diaboli.« Dann fuhr er mit den Kindern schwimmen und ließ mich mit meiner Verwirrung allein.

Als Erstes schlug ich den Begriff Advocatus Diaboli nach. Eigentlich geht der Begriff des »Anwalts des Teufels« auf die katholische Kirche zurück, in der bei Prozessen um die Heiligsprechung einer Person der Advocatus Diaboli Gründe dagegen vorbringen soll. Aber mittlerweile benennt der Begriff eine allgemeine rhetorische Technik beziehungsweise Diskussionsmethode. Der Duden schreibt: »Jemand, der […] mit seinen Argumenten die Gegenseite vertritt, ohne selbst zur Gegenseite zu gehören.« 

Pah, dachte ich, das mache ich doch gar nicht. Auf jeden Fall nicht dauernd! Mein Mann übertreibt mal wieder. Noch voller Ärger fuhr ich in die Stadt, um eine Jacke umzutauschen. Ich stellte mich in die endlos lange Schlange an der Kasse. Und als ich endlich dran war, sagte ich: »Ich würde das gern umtauschen, wenn das noch geht. Ich habe die Jacke aber schon vor drei Wochen gekauft.« Die Verkäuferin sah mich kurz an und sagte: »Nee, das geht nicht mehr. Umtauschfrist sind zwei Wochen. Der Nächste, bitte.« Da musste ich erst mal einen großen Latte macchiato trinken als Begleitung für das große Stück Schokotorte. Verdammte Hacke. Tatsächlich!

Als hätte ich nicht genug damit zu tun, meine eigene Position zu verteidigen, nehme ich gleichzeitig auch noch die Position des anderen ein. Lege ihm die Worte in den Mund, die man braucht, um mein Ziel zu torpedieren! Als wollte ich es gar nicht unbedingt erreichen! Als ich länger drüber nachdachte, fielen mir haufenweise Situationen ein, in denen ich mich als mein eigener Advocatus Diaboli aufgeführt habe. 

»Ich wollte fragen, ob es eine Chance gibt, in Ihrer Kita einen Platz zu bekommen. Wir wohnen allerdings in einem anderen Stadtteil.« (Aus welchem Stadtteil sind Sie denn? Nein, von dort nehmen wir keine Kinder.) »Ich finde, die Fliesen sehen an der Stelle unsauber verarbeitet aus. Oder liegt das daran, dass die Fliesen nicht alle exakt gleich sind?« (Ja, das liegt daran.) »Ich weiß, dass es hier unbequem eng ist, besonders für jemanden wie Sie, der so groß ist. Aber würden Sie bitte die Füße von meiner Rückenlehne nehmen, wenn es Ihnen nichts ausmacht?« (Es macht mir aber was aus.) 

Ich ertappe mich immer wieder dabei, meinem Gegenüber Argumente zu liefern, die meinem Ziel entgegenstehen. Wer aber sein eigener Advocatus Diaboli ist, kann sich auch gleich selbst ins Knie schießen. Verhandlungstaktisch gesehen. Leider ist der Advocatus Diaboli nur einer der Diener des mächtigen Fürsten der Hölle der Kommunikation. Und dieser schreckliche Fürst heißt:

Vorauseilender Gehorsam

Der vorauseilende Gehorsam ist ein ganz hinterhältiger Geselle. Weil er einen dazu verleitet, freiwillig Leistungen zu erbringen und sich an Vorgaben zu halten, die niemand explizit einfordert. Der vage Verdacht, man könnte gegen irgendeine Regel verstoßen oder Unannehmlichkeiten bereiten, reicht schon aus, um sich vor Beflissenheit zu überschlagen. Man erfüllt Erwartungen, die man, wenn man es sich genau überlegt, nur sich selbst gegenüber formuliert hat. Man bringt Einwände vor, die den eigenen Interessen widersprechen. Der vorauseilende Gehorsam ist dabei nicht nur ein dunkler Begleiter im Job, sondern auch im Privatleben, wo er dafür sorgt, dass sich (besonders häufig) Frauen für die Familie aufreiben, indem sie es allen recht machen wollen und dabei komplett ihre eigenen Bedürfnisse vergessen.

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Diese Erkenntnis legte ich neulich Anja dar und erwartete, dass es ihr ein Aha-Erlebnis bescheren würde, aber sie starrte abgelenkt auf ihren Computermonitor und biss sich auf der Lippe rum. »Was ist los?«, fragte ich. »Ich soll für meinen Vater einen Termin für den Kernspin machen«, erklärte sie. »Aber auf der Internetseite vom Krankenhaus steht nur die Nummer vom Chefarzt.« »Und?« Sie schaute mich verdutzt an. »Ich kann doch nicht beim Chefarzt anrufen. Wegen eines Termins.« »Warum nicht?« Sie schaute mich an, als würde ich auf einmal Finnisch sprechen. »Pff«, machte sie. »Der hat ja wohl Wichtigeres zu tun.« »Aber du sprichst doch garantiert nicht mit ihm persönlich, sondern mit seiner Sekretärin.« »Trotzdem. Die hat bestimmt auch Wichtigeres zu tun.« »Anja, wenn die Nummer vom Chefarzt im Internet steht, dann darfst du da auch anrufen.« »Bist du wirklich sicher?«, fragte sie immer noch zweifelnd. »Ich weiß nicht.«

Die Autorität eines Chefarztes reicht sogar ins World Wide Web und bringt einen dazu, seine eigenen Interessen zu verraten. So hat sich Anja im vorauseilenden Gehorsam zusätzlich zu dem Problem eines grummeligen Vaters mit Knieschmerzen auch noch das Problem des Chefarztes mit den lästigen Anrufen von Patienten aufgehalst. Sie steckt im Zwiespalt zwischen ihren eigenen Interessen und denen der anderen (selbst wenn sie nur eingebildet sind). Und in diesem Zwiespalt ist es ungefähr so gemütlich wie in einer Gletscherspalte. Höchste Zeit, ein bisschen zu faken. Und…

Porträtbild der deutschen Schriftstellerin Hanna Dietz

Autorin Hanna Dietz

Einfach mal so tun, als gingen einen die Probleme anderer nichts an

Wie so viele Frauen muss ich Job, Kinder, Haushalt, Garten, Hund stemmen. Ich muss Freundschaften pflegen, die Verwandtschaft nicht enttäuschen, in der Schule Elterninteressen vertreten und Kuchen für Sportfeste backen. Ich habe genug Probleme. Ich brauche nicht auch noch die der anderen. Wieso sollte ich sie mir also zu eigen machen? Seit mir das klargeworden ist, überlege ich mir vorher, was mein Ziel in einem Gespräch ist. Ich stelle mir die einfache Frage: Wo liegt mein Problem und wie kann ich es lösen? Und dann tue ich so, als ob mir die Interessen der anderen egal sind und ich über Gegenargumente nicht das Geringste weiß. Dazu vermeide ich besonders jene Sätze, bei denen der andere nur Teile aufgreifen muss, um mir zu widersprechen. Keine Schneebälle für die Gegner!

So bin ich zu unserem neuen Kinderarzt gekommen. In Köln ist es nicht leicht, in einer der überfüllten Praxen angenommen zu werden. Sprechstundenhilfen sind die neuen Türsteher. Wo man früher bibberte, ob man in die angesagte Disco gelassen wird, muss man heute an der Arzthelferin vorbei. Die Kinderärztin in unserem Stadtteil hat meiner Meinung nach ihren Beruf verfehlt, weil sie Kinder zwar behandelt, aber nicht mit ihnen redet. Also rief ich bei einer Praxis in einem weiter entfernten Stadtteil an, die mir von einem Bekannten empfohlen worden war. Früher hätte ich sowas gefragt wie: »Wir waren noch nie bei Ihnen und würden gern zu Ihnen kommen, aber wir wohnen weiter weg. Geht das trotzdem?« 

Das habe ich dieses Mal nicht gemacht. Ich bat einfach um einen Termin und beharrte darauf, dass ich keine andere Möglichkeit hätte, zu einem anderen Kinderarzt zu gehen. Es klappte! Als wir zum ersten Mal in der Praxis waren, sagte die Kollegin erstaunt, dass sie eigentlich keine Patienten aus unserem Stadtteil nehmen würden. Ich blieb einfach dabei, dass ich ja nun den Termin bekommen hätte, und tat so, als ob mich die Überfüllung der Patientenkartei nichts anginge. Jetzt sind wir drin. 

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Es ist wirklich erstaunlich, wie gut es funktioniert, wenn man sich auf sein Ziel konzentriert und sich nicht gleichzeitig für die Interessen der anderen starkmacht. (Was wirklich bescheuert ist, wenn man es sich genau überlegt.) Wenn ich erreichen will, dass der Handwerker erst um zehn Uhr kommt, weil ich vorher noch andere Sachen machen muss (selbst wenn es nur Ausschlafen ist), dann ist es kontraproduktiv, höflich darum zu bitten und die Möglichkeit einzuräumen, dass er doch um acht Uhr kommt. Und man selbst Stress hat!

Ich ahne zwar, dass es für den Monteur unpraktisch ist, wenn er erst um zehn Uhr bei mir anfangen kann, weil es sich für ihn nicht lohnt, vorher auf eine andere Baustelle zu fahren. Aber das ist nun mal nicht mein Problem. Es ist mein Recht, dem Handwerker erst um zehn Uhr die Tür zu öffnen. Wenn es ihm nicht passt, soll er einen anderen Tag vorschlagen, an dem es auch bei mir um acht Uhr morgens geht. Der Chefarzt findet die Patienten nervig, die andauernd anrufen? Soll er eine andere Nummer ins Internet stellen. Empathie ist eine schöne Sache. Aber nicht, wenn es um das Durchsetzen von eigenen Interessen geht.

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Also: Sich klar werden über die eigenen Interessen, und so tun, als ob die Probleme der anderen einen nichts angehen. Klingt simpel, aber ich habe das schon sehr oft falsch gemacht – und mich deswegen unnötig unter Druck gesetzt. Der wichtigste Trick dabei ist…

Einfach mal so tun, als wäre es keine Frage 

Wenn man pünktlich von der Arbeit nach Hause muss, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Chefin was dagegen hat, viel größer, wenn man es als Frage formuliert. »Könnte ich heute bitte pünktlich gehen, weil ich mit den Kindern noch einen Termin habe?« »Das ist schlecht, heute Nachmittag kommt noch das Controlling.« Was soll man darauf sagen? Ich muss aber trotzdem gehen? Klingt doof. Aus der Nummer kommt man nicht mehr geschmeidig raus. Viel einfacher ist es, wenn man von vornherein sagt: »Ich muss heute pünktlich weg. Es geht nicht anders.« Es ist nämlich keine Frage, ob man gehen muss. Man muss gehen. Wenn man es aber als Frage formuliert, gibt man dem anderen die Macht über die Entscheidung.

Als Freiberuflerin bin ich in der Lage, über meine Zeit selbst zu verfügen. Ich kann mir also selbst freigeben, wenn ich es für sinnvoll erachte (und mir leisten kann). Was sich wie eine luxuriöse Lage anhört, kann sich in einen Fluch wandeln. Denn es gibt so viele sinnvolle und gute Möglichkeiten, seine Zeit anders zu verbringen als mit dem Schreiben von Büchern.

Allein die Mithilfe in der Schule könnte ein Halbtagsjob sein: Lehrer suchen Lesemütter, Leute, die den Aufbau für das Schulfest und den Sponsorenlauf machen, Zeitnehmer für die Bundesjugendspiele, Begleiter bei Martinszug, Schwimmunterricht und Ausflügen, Büchereimitarbeiter und und und. Und weil ich verstehe, warum die Lehrer das nicht alles alleine schaffen können und es ja auch den Kindern zugutekommt, helfe ich gern. So hatte ich auch für eine Projektwoche in der Schule lange im Voraus meine Hilfe angeboten. Als die Projektwoche jedoch nahte, wurde mir klar, dass ich es mir nicht leisten konnte, mir einen Tag freizugeben. Ich hatte einen Abgabetermin einzuhalten, die Zeit drängte, das Manuskript war noch nicht so weit gediehen, wie ich es erwartet hatte. Der Tag, den ich in der Schule verbringen würde, würde mir sehr fehlen.

Die (für mich) revolutionäre Idee kam auf, dass ich absagen könnte. Natürlich plagte mich ein schlechtes Gewissen und ich überlegte, wie ich mein Problem vortragen könnte, sodass die Organisatoren Verständnis für meine Lage äußern und mich freistellen würden. Ich wollte gewissermaßen um Erlaubnis bitten, doch nicht kommen zu dürfen. Mir schwebte eine Mail folgenden Inhalts vor: »Ich kann eigentlich nicht, weil ich im Moment so viel zu tun habe. Geht das irgendwie, dass Sie es auch ohne mich hinkriegen? Oder ginge es vielleicht auch, dass ich nur zwei Stunden komme und gehe, wenn alles läuft?«

Als ich das meinem Mann erzählte, blickte er mich einen Moment an, als überlege er, ob er den Rettungsdienst für Opfer von Selbstaufopferung rufen müsste. Dann sagte er: »Nicht dein Ernst, oder?« »Na ja«, sagte ich zerknirscht. »Ich habe meine Hilfe zugesagt, da ist das doch echt blöd, wenn ich jetzt so kurzfristig absage.« »Und was ist, wenn die dir zurückschreiben: Sie haben sich freiwillig gemeldet, uns ehrenamtlich stundenlang zu helfen, also müssen Sie kommen, ob es Ihnen passt oder nicht?« »Das machen die doch nicht«, sagte ich prustend. »Na also«, sagte mein Mann. »Dann brauchst du sie auch nicht fragen.« Und schließlich sagte er noch etwas, was sich mir ins Hirn gebrannt hat. Es ist so simpel wie einleuchtend: »Wer viel fragt, kriegt viele Antworten. Vor allem auch Antworten, die man gar nicht hören will.« 

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Das Interessante ist, dass bei solchen Entscheidungen wieder einmal die größte Hürde im eigenen Kopf besteht. Dass es nicht einfach ist, für mich Verständnis aufzubringen. Ich meine, für jeden anderen Arbeitnehmer habe ich natürlich Verständnis, wenn er keine Arbeitszeit verpassen kann, um irgendwo zu helfen. Wozu sowieso nur ganz wenige bereit sind. Jeder kennt das, ob in Kindergarten, Schule oder Verein: Es sind immer dieselben paar Eltern, die mit anpacken. Die Mehrheit denkt nicht im Traum daran, sich einzubringen. Und auch für diese Projektwoche hatten sich nur zwei andere Mütter gemeldet, der Rest der fünfzig Eltern nicht.

Trotzdem entpuppte sich mein innerer Zensor wieder mal als harter Brocken. Er piesackte mich mit Vorwürfen wie: Du kannst doch die Leute nicht im Stich lassen. Was ist, wenn das Projekt deswegen scheitert? Du bist schuld, wenn die anderen in Stress kommen, weil du nicht da bist. Was sollen Chef, Kollegen, Lehrer, die anderen Eltern, wer auch immer, von dir denken? Der Punkt ist der: Es ist unwichtig, was sie denken. Ich kann nicht kommen. Das musste ich erst in meinem Kopf klarkriegen. Kein blödes Rumgeschwurbel, keine unterwürfige Fragestellung, keine ausufernden Rechtfertigungen. Nein, eine klare Entscheidung. Ich kann nicht, ich muss absagen, es tut mir leid. In dem Moment, als ich es in meinem Kopf und später dann so vor dem Organisationskomitee formulierte, war ich total erleichtert. Natürlich widersprach niemand. Natürlich lief die Projektwoche auch ohne meine Hilfe. Was hatte ich mir wieder für einen Kopf (und damit unnötigen Stress) gemacht!

Wenn man etwas erreichen will, muss man sich vor einem Gespräch oder Mailverkehr über seine Ziele klarwerden, damit man so wenig Gelegenheit zum Widerspruch wie möglich geben kann. Und mit einer Frage – im Vergleich zu einer klaren Ansage – fordert man den Widerspruch ja geradezu heraus. Man gibt die Macht über die Entscheidung, die man für sich eigentlich schon längst getroffen hat, in fremde Hände. Und macht sich damit unnötig Stress.

Weitere Strategien für ein effektives „Faken" und unterhaltsame Erfahrungsberichte finden Sie in „Fake It“ von Hanna Dietz

Buchcover von  „Fake It" von Hanna Dietz, erschienen bei mvg Verlag

Der hier aufgeführte Textauszug ist dem Buch „Fake It – Wie Frauen alles erreichen können, ohne perfekt sein zu müssen" von Hanna Dietz entnommen, erschienen bei mvg Verlag, 17 Euro.