Unerfüllter Kinderwunsch: Experten-Rat für Paare 40plus

Ein unerfüllter Kinderwunsch wird für viele Frauen zur psychischen Belastung – insbesondere kurz vor der Menopause, wenn die biologische Uhr zu ticken beginnt. Unterschiedliche Vorstellungen zur Familienplanung können selbst in stabilen in Beziehungen zu Krisen oder zur Trennung führen. Paarberaterin Lisa Fischbach gibt Ratschläge für einen konstruktiven Umgang mit dem Thema Kinderwunsch.

Porträt von Lisa Fischbach

Lisa Fischbach berät Singes und Paare in ihrer Hamburger Praxis sowie auf ElitePartner.de.

Wenn der Kinderwunsch zum Krisenfaktor wird: Viele Paare sind sich in Sachen Familienplanung nicht einig – und häufig ist es die Frau, die sich stärker nach Nachwuchs sehnt. Spätestens mit Beginn der Wechseljahre, in denen eine Schwangerschaft biologisch kaum mehr möglich ist, wird der unerfüllte Kinderwunsch zur seelischen Belastung. Dies führt oft so weit, dass die Trennung als einziger Ausweg erscheint. In Interview mit DONNA Online gibt Lisa Fischbach Ratschläge, wie Paare und Singles mit dem (unerfüllten) Kinderwunsch konstruktiv und krisenfrei umgehen können. Die Diplom-Psychlogin berät seit 2005 Singles bei der Online-Partnervermittlung ElitePartner.de und coacht seit über zehn Jahren Paare und Singles in ihrer eigenen Praxis in Hamburg.

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DONNA Online: Viele Partner haben eine gegensätzliche Haltung zum Thema Familienplanung. Ist das ein ernstzunehmendes Problem für die Beziehung? Was raten Sie solchen Paaren?
Lisa Fischbach: Eine grundlegend unterschiedliche Einstellung zum Kinderwunsch ist eine Zerreißprobe für die meisten Paare. Je nachdem, wie stark der Wunsch, Mutter oder Vater werden zu wollen, ausgeprägt ist, so elementar wichtig ist das Bedürfnis für einen. Darüber lässt sich kaum verhandeln. Kompromisse sind am ehesten beim Zeitpunkt zu erzielen.

Haben Sie als Paartherapeutin häufig den Fall, dass das Thema Kinderwunsch – gerade bei älteren Paaren – zum Krisenfaktor in der Beziehung wird?
Das Thema Kinderwunsch taucht verstärkt bei der Partnersuche oder beim Single-Coaching von kinderlosen Frauen Mitte bis Ende Dreißig auf. Die biologische Uhr drängt sie zur Klarheit. Sie machen es zum eindeutigen Auswahlkriterium für den zukünftigen Partner, ob er sich ebenfalls Kinder wünscht. Frauen, die der Liebe willen und für den Erhalt der Beziehung ihren Kinderwunsch opfern, werden häufig sehr unglücklich, wenn sie diese Entscheidung nicht ausreichend für sich geprüft haben. Einige Frauen hoffen still und heimlich, dass sie ihren Partner durch die Gefühle in der Beziehung umstimmen können. Doch das ist ein gefährliches Spiel. Geht die Strategie nicht auf, ist der Absturz groß.

Paare können durch eine sehr unterschiedliche Haltung zum Kinderwunsch in eine Krise rutschen, die zur Trennung führen kann. Denn viele Frauen wollen und können einen starken Kinderwunsch nicht aufgeben. Da kann ich auch als Paarberaterin nicht helfen. Meine Unterstützung liegt vielmehr darin, alle Perspektiven auszuloten und zu beleuchten, ob hinderliche Ängste oder Vorbehalte aufseiten eines Partners abgebaut werden können.

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Oftmals kommt der Kinderwunsch erst in einer Lebensphase, in der es (vor allem bei Frauen) biologisch gesehen schon fast zu spät ist, um schwanger zu werden. Was raten Sie Frauen, die noch mit 40plus Mutter werden wollen?
Ich unterstütze Frauen 40plus im Prozess, Klarheit über das Bedürfnis nach einem Kind zu erlangen. Geht es explizit um das Gefühl Mutter werden zu wollen, eine Familie zu gründen, Angst vor dem Alter zu haben oder liegt eher der Schmerz zugrunde, Abschied von der fruchtbaren Frau nehmen zu müssen. Wer für sich starke Muttergefühle erkennt, dem rate ich dazu, diesem Grundbedürfnis zu folgen – immer mit dem offenen Blick, was diese Entscheidung in alle Richtungen bedeutet. Es ist wichtig, sich bei so einem elementaren Thema ausreichend zu prüfen. Manche Frauen nehmen anschließend sogar in Kauf, alleinerziehende Mütter zu werden.

Über den unerfüllten Kinderwunsch zu sprechen, fällt vielen schwer. Wie bringe ich das Thema in einer Beziehung am besten zur Sprache?
Mit ausreichend Fingerspitzengefühl, dennoch verständlich für Männerohren. Die Kommunikationsstrategie „Durch die Blume“ eignet sich nicht, denn so wird der Kern der Botschaft leicht überhört. Günstig ist ein emotional verbindender Moment, in dem man sich besonders nah ist. Auf jeden Fall sollte der Kinderwunsch nicht als bereits gefällte Entscheidung vermittelt werden. Wer sich ausgeschlossen und unter Druck gesetzt fühlt, geht in den Rückzug oder Widerstand. Besser ist, die Gefühle des Partners zum Thema Kinder zu erforschen und zu verstehen.

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Man hört immer wieder von Menschen, die Kinder als Ausweg aus der Ehe- oder Beziehungskrise sehen. Wie ist Ihre Einschätzung: Kann ein gemeinsames Kind die Beziehung „retten“?
Kinder als Beziehungskitt zu instrumentalisieren ist auf mehreren Ebenen bedenklich. Der Gewinn daraus ist oft nur kurzfristig. Die Beziehungsprobleme werden nur überdeckt und nicht auf Dauer gelöst. Eine Schwangerschaft und die ersten ein, zwei Jahre nach der Geburt sind für Paare fordernd, auch für stabile Beziehungen. Wenig Schlaf und Zeit für sich selbst oder als Paar und in den Hintergrund geratene Sexualität können unterschwellige Probleme erneut aufkeimen lassen. Kinder sollte man keinesfalls für egoistische Motive benutzen, sondern ihnen möglichst stabile Beziehungsstrukturen bieten.

Welche Tipps geben Sie Paaren, die sich den Kinderwunsch biologisch bedingt nicht mehr erfüllen können?
Besteht dennoch der Wunsch nach Familie, sollten sich Paare von einer entsprechenden Institution zur alternativen Familiengründung beraten lassen. Wichtig ist, alle Optionen in Deutschland und im Ausland gemeinsam als Paar zu besprechen und zu entscheiden.