Sie wissen, wie man Erdbeeren frischhält – aber wie geht das bei Gefühlen?

Der Mann fürs Leben ist gefunden – doch die Schmetterlinge im Bauch sind schon lange Vergangenheit? Diplom-Psychologin und Business/Personal Coach Beate Roland verrät, welche Tipps (und vielleicht Tricks) wirklich dabei helfen, die Liebe frischzuhalten.

Glasschale mit Erdbeeren

Eine langjährige Beziehung so frisch wie diese Erdbeeren halten – wie das klappen kann, erklärt Business/Personal Coach Beate Roland in ihrer DONNA-Kolumne.

„Warum gibt es keine Frischhaltefolie für die Liebe?“ fragt mich die knapp 50-jährige Astrid in ihrer sympathischen Mischung aus Witz und Leidenschaft. Alles an ihr ist in Bewegung, allzu still kann sie kaum sitzen und man spürt geradezu ihre Ungeduld. Sie arbeitet halbtags als Werbetexterin, ist seit 20 Jahren verheiratet und es ist, so sagt sie selber, „fünf Minuten vor Zwölf mit ihrer Ehe. Oder sogar schon eine Minute danach“, fügt sie noch schnell hinzu.

Das Gefühle nachlassen können, wissen wir alle – dass die Liebe an Intensität verliert, dass der Alltag einzieht, dass die Spannung beim Sex nachlässt, all das kennen wir. Dass sich Gefühle ins Gegenteil drehen können, dass aus Liebe Gleichgültigkeit oder sogar Ablehnung wird, ist seltener, kommt aber durchaus vor. Doch gibt es in diesem Stadium eine Möglichkeit, sich wieder aufeinander einzulassen, das zarte Pflänzchen der Wiederentdeckung zu gießen und als unterstes Ziel mindestens so etwas wie liebevolle Vertrautheit anzustreben?

Ja, das gibt es, sage ich zu Astrid, die eigentlich genau das möchte, aber auch zur endgültigen Trennung bereit wäre. Diese Haltung halte ich zunächst einmal für gut, weil sie die Bereitschaft zur Konsequenz beinhaltet.

Ich frage Astrid bei unserer ersten Sitzung, woran sie denn erkannt hat, dass es mit der Beziehung nicht zum Besten stehe. Astrid antwortet „Wissen Sie, es ist gar nicht mal so, dass wir uns häufig streiten oder uneins sind, es ist auch kein neuer Partner im Spiel, nehme ich zumindest an, aber es sind die Kleinigkeiten, der tägliche Umgang miteinander, der so nachgelassen hat.“ Ich bitte Astrid, mir einige Beispiele zu schildern. Sie sagt: „Zugegebenermaßen ist unsere Wohnung eher groß, aber ich ertappe mich – nein eigentlich uns – dabei, dass wir uns irgendwie aus dem Weg gehen. Und neulich habe ich beim Frühstück gedacht, dass ich gar nicht mehr zusehen kann, wie er kaut. Und seine Stimme finde ich mittlerweile unangenehm, als wir uns kennenlernten, fand ich diese und überhaupt den ganzen Mann total männlich.“

Ich wähle einen Coaching-Ansatz aus der Positiven Psychologie (nach Seligman) und mache mit Astrid eine gedankliche Reise in die Vergangenheit – genau genommen zu dem Punkt, an dem Astrid sich in ihren Mann verliebte. Ich fordere Astrid auf, sich auf die Phase zu konzentrieren, in der sie nur Gutes an ihm gesehen hat und mir dann zu sagen, um was es sich handelt und an welche guten Dinge sie sich wieder erinnert, auch wenn sie jetzt nicht mehr da sind.  Nachdem die ersten Erinnerungen an gute Momente eher spärlich sind, kommt Astrid doch irgendwann in Fahrt und erinnert einige schöne Momente. Um nur ein Beispiel zu nennen: „Ich konnte anziehen, was ich wollte, er fand mich immer umwerfend. Heute würde er, wenn man ihn fragen würde, was ich vor einer Stunde getragen habe, keine Idee haben.“ Ich sage zu Astrid: „Bitte beenden Sie den Satz, den ich Ihnen jetzt sage, mit einer positiven Eigenschaft Ihres Mannes.“ Ich sage: „Die Aufmerksamkeit meines Mannes mir gegenüber hat deutlich nachgelassen, aber…“ Astrid sagt: „Wie aber?“ Ich sage: „Vielleicht gibt es ja etwas, was Sie in diesem Zusammenhang trotzdem an ihm schätzen.“ Astrid reagiert ganz spontan: „…aber ich weiß, dass ich mich hundertprozentig auf ihn verlassen kann, wenn ich seine Hilfe brauche.“ Wir verbringen die nächste halbe Stunde mit dieser „Ja-Aber-Technik“ und kommen auf mehr positive Eigenschaften, als Astrid zuvor gedacht hätte.

Daraus lernen wir, dass sich an vielen zunächst nur negativen Eigenschaften meist auch etwas Positives finden lässt. Und das stimmt uns vielleicht ein bisschen milder, weil es uns mit dem, was wir an unserem Partner nicht so „thrilling“ finden, etwas aussöhnt.

Extra-Tipp: Wenn Sie bei Ihrem Partner das Gefühl haben, dass der Respekt ein bisschen verloren gegangen ist, lade ich Sie zu folgender kleiner Übung ein: Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, schließen Sie die Augen und konzentrieren Sie sich ganz auf seine positiven Eigenschaften (die sich mit Sicherheit noch finden lassen, auch wenn es nur wenige sind). Spüren Sie in sich hinein, welche Gefühle diese Eigenschaften bei Ihnen auslösen und verweilen Sie eine Zeit lang darin. Die Konzentration auf positive Eigenschaften erzeugt in Ihnen eine positive Aufladung – und an je mehr positive Seiten Ihres Partners Sie sich wieder erinnern, desto mehr stärken Sie Ihre Verbindung zu ihm.

Nach 30 Jahren die Jugendliebe treffen und sich sofort wieder verlieben: Lesen Sie hier die Kolumne von Diplom-Psychologin und Personal/Business Coach Beate Roland.