Verhaltenskodex im Büro

Arbeitsrecht: Was darf ich als Angestellter und was nicht?

Am Arbeitsplatz private E-Mails oder Facebook checken – ist das erlaubt? Für DONNA Online beantwortet Anwältin Vanessa Meyenburg diese und sechs weitere Fragen zum Thema Arbeitsrecht. | © PAUL BRADBURY GETTY IMAGES
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Am Arbeitsplatz private E-Mails oder Facebook checken – ist das erlaubt? Für DONNA Online beantwortet Anwältin Vanessa Meyenburg diese und sechs weitere Fragen zum Thema Arbeitsrecht.

Pakete ins Büro liefern lassen, Facebook am Firmen-PC checken oder trotz Krankschreibung in den Supermarkt gehen: Was ist erlaubt und wofür kann der Arbeitgeber mich abmahnen? DONNA Online ließ sieben häufige Szenarien von einer Anwältin für Arbeitsrecht bewerten – mit teils überraschendem Ergebnis.

 

Mal eben ein Paket in die Arbeit liefern lassen, private Telefonate über das Firmentelefon führen oder einen Arzttermin in die Arbeitszeit verlegen – ist das eigentlich erlaubt, wenn man angestellt ist? Tatsächlich kann der Alltag im Büro arbeitsrechtlich gesehen einige Tücken mit sich bringen. DONNA Online sprach mit Vanessa Meyenburg, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Arbeitsrecht bei der Rechtsanwaltskanzlei für Arbeitsrecht Huber und Olsen in München. Die Expertin bewertete für uns sieben gängige Szenarien, die auch Sie sicherlich schon einmal im Büro erlebt haben, nach dem deutschen Arbeitsrecht:

1. Darf ich mir private Pakete in die Arbeit liefern lassen?

„Der Arbeitgeber entscheidet darüber, ob man sich private Post (auch Pakete) an den Arbeitsplatz liefern lassen darf. Erlaubt er dies, kann man diese Möglichkeit nutzen. Der Arbeitgeber kann dies aber auch ohne besondere Begründung verbieten. Bevor man sich also private Post an den Arbeitsplatz liefern lässt, sollte man sich die Zustimmung des Arbeitgebers einholen.“

2. Was ist bei einer Krankmeldung bzw. Krankschreibung erlaubt: Darf ich in den Supermarkt oder ein Restaurant gehen?

„Ist man erkrankt und hat sich bei seinem Arbeitgeber als arbeitsunfähig abgemeldet, kann man grundsätzlich weiterhin alles machen, was weder der Erkrankung noch der Tatsache, dass man arbeitsunfähig krank ist, widerspricht. Dabei sollte man sich stets so verhalten, dass die Heilung gefördert wird. Das heißt: Wenn man nicht gerade mit Grippe im Bett liegt oder beide Beine gebrochen hat, kann man auch in den Supermarkt gehen. Bei psychischen Diagnosen kann es die Genesung sogar fördern, wenn man sich z.B. mit Freunden trifft. Was man machen darf, hängt somit von der Diagnose und den ärztlichen Empfehlungen ab.“

3. Darf ich zu Hause bleiben, wenn mein Kind krank ist – und darf mir mein Arbeitgeber für diesen Ausfall anteilig Gehalt abziehen?

„Bis zum zwölften Lebensjahr des Kindes haben Arbeitnehmer nach § 45 SGB V Anspruch auf eine unbezahlte Freistellung für bis zu zehn Arbeitstage. Für alleinerziehende Eltern gilt dieser Anspruch bis zu 20 Arbeitstage. Gehalt erhält der Arbeitnehmer in dieser Zeit zwar nicht, er kann jedoch unter den Voraussetzungen des § 45 SGB V Krankengeld erhalten. Handelt es sich um einen kürzeren Zeitraum, kann auch ein Anspruch auf bezahlte Freistellung bestehen. Ob dies der Fall ist, hängt von den Vereinbarungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ab.“

4. Darf ich mit dem Festnetztelefon des Arbeitgebers private Telefonate führen?

„Das Telefon des Arbeitgebers darf ich nur dann privat nutzen, wenn mir dies erlaubt ist. Ist die Privatnutzung des Telefons hingegen ausdrücklich verboten, muss ich mich auch daran halten. Ausgenommen hiervon werden private Telefonate in Notfällen. Selbst wenn die private Nutzung im Übrigen erlaubt ist, darf man dies nicht exzessiv ausnutzen. Private Telefongespräche während der Arbeitszeit sollte man deshalb auf ein Minimum reduzieren und vorrangig die Pausen hierfür nutzen. Wer Zweifel hat, sollte bei seinem Vorgesetzten nachfragen.“

5. Muss ich die Zeit, die ich für einen Arzttermin aufbringe, wieder reinarbeiten?

„Arzttermine sind grundsätzlich so zu terminieren, dass sie außerhalb der Arbeitszeit liegen. Steht jedoch ein dringender, nicht aufschiebbarer Arzttermin an und muss dieser zwingend in der Arbeitszeit liegen, muss der Arbeitgeber den Arbeitnehmer hierfür bezahlt freistellen. Der Arbeitnehmer ist in diesem Fall nicht dazu verpflichtet, die fehlende Zeit nachzuarbeiten.“

6. Darf mein Arbeitgeber meinen Browserverlauf checken und mich abmahnen, wenn ich auf Seiten ohne Relevanz für meinen Job surfe oder zu viel Arbeitszeit auf Facebook verbringe?

„Ist die Privatnutzung des Internets für den Arbeitnehmer verboten, ist eine solche Kontrolle durchaus möglich. Hat der Arbeitgeber die Privatnutzung des Internets hingegen ausdrücklich erlaubt, ist es ihm aus datenschutzrechtlichen Gründen verboten, den Browserverlauf zu prüfen und hierauf später arbeitsrechtliche Sanktionen (z.B. eine Abmahnung) zu stützen. Erlangt der Arbeitgeber jedoch z.B. auf andere Weise Kenntnis von einer exzessiven privaten Nutzung des Internets (z.B. Facebook), kann dies zu arbeitsrechtlichen Sanktionen führen.“

7. Müssen Raucher ihre Zigarettenpausen als solche anrechnen und von der Arbeitszeit abziehen?

„Das LAG Nürnberg hat Urteil vom 05.11.2015 entschieden, dass sogenannte Raucherpausen wie normale Pausen von der Arbeitszeit in Abzug zu bringen sind, wenn im Betrieb keine anderslautenden Regelungen gelten.“