Lisa Feller: Prinzensuche mit 40plus & andere Alltagsdesaster

Ob im „Quatsch Comedy Club“, der „Schillerstraße“ oder mit ihrem Bühnenprogramm: Lisa Feller nimmt kein Blatt vor den Mund. In ihrem neuen Buch „Mir geht's gut, nur meine Brüste lassen sich hängen“ schildert die Komikerin ihren Alltags- und Datingwahnsinn als alleinerziehende Mutter über 40. Hier geht's zur exklusiven Leseprobe.

Porträtbild von Komödiantin und Buchautorin Lisa Feller

Ehrlich, witzig und direkt: Comedian, Schauspielerin und Moderatorin Lisa Feller berichtet in ihrem zweiten Buch „Mir geht's gut, nur meine Brüste lassen sich hängen“ vom Alltagswahnsinn als Zweifachmutter und Single 40plus.

Die Frau von heute meistert im Alltag so einige Hürden: tragisch langweilige Elternabende, Tupperparties 2.0 (so viel vorweg: es geht nicht um Tupperware!), genug Arbeit für einen 26-Stunden-Tag und dann wäre da noch das Dasein als Neu-Single, diesmal allerdings mit zwei Kindern im Gepäck. So zumindest gestaltet sich der Alltag von Lisa Feller laut eigenen Beschreibungen. Wie die Komödiantin, Moderatorin und Schauspielerin all das bewältigt – oder eher: über welche Hindernisse sie dabei stolpert – schildert sie auf gewohnt amüsante Weise in ihrem neuen Buch.

„Humor ist heilsam!“: Entertainerin Sissi Perlinger im DONNA-Interview

Vielen ist die geborene Münsteranerin aus ihrer Zeit im „Quatsch Comedy Club“ oder der „Schillerstraße“ geläufig. Bis 2014 war Lisa Feller zudem Teil des Casts der Jugendserie „Schloss Einstein“. Derzeit tourt sie mit ihrem Bühnenprogramm „Der Nächste, bitte!“ quer durch Deutschland. In ihrem zweiten Buch „Mir geht's gut, nur meine Brüste lassen sich hängen“ berichtet die Komikerin vom Alltagswahnsinn als Alleinerziehende 40plus – mit vielen weiteren Anekdoten über die Tücken des Erwachsenenlebens. Einen ersten Einblick in Lisa Fellers neues Buch erhalten Sie auf DONNA Online – mit dieser exklusiven Leseprobe.

„Der Prinz im Supermarkt“

Es gibt diese verdammten Montage. Speziell im Sommer, wenn am Wochenende schönes Wetter war. Oma hat auf die Kinder aufgepasst und ich war mit den Mädels in der Stadt. Und bei lauen 26 Grad schmeckt so ein Eimer Aperol Spritz einfach unglaublich gut. So erfrischend, ein bisschen fruchtig, nicht zu süß. Den ganzen Tag hat man vergessen zu trinken und der Körper lässt sich nur allzu bereitwillig das verdunstete Flüssigkeitsreservoir mit diesem köstlichen Getränk wieder auffüllen. Wenn ich geahnt hätte, dass da auch Alkohol mit drin ist, dann… dann… dann hätte ich auf den Strohhalm verzichtet. Denn angeblich soll das Trinken mit Strohhalm ja noch betrunkener machen. Und da sind wir auch schon bei zwei Schlüsselwörtern: «betrunken» und «Alkohol». Passiert mir ehrlich gesagt vielleicht zwei Mal im Jahr, von daher ist das jetzt nicht so das Problem. Das Problem besteht eher darin, dass ich das Gefühl habe, das Saufen bekommt mir nicht mehr so gut wie noch vor zehn Jahren. Früher war das so: Ein Tag hatte – auch damals schon – 24 Stunden. 16 davon hast Du mit den Mädels durchgefeiert. Inklusive Aufbrezeln und ins Bett fallen. Zwei weitere Stunden hast du nach dem ins Bettfallen mit anschließendem Karussellfahren in inniger Umarmung mit Villeroy & Boch im Badezimmer verbracht und gereihert, was die Galle hergab. An die restlichen sechs Stunden konntest du dich dann nicht mehr erinnern, außer vielleicht an den Umstand dass die Badematte so hart war. Heute läuft das ein klein wenig anders, heute brauchst du die 16 Stunden fürs Aufbrezeln und verträgst gar nichts mehr.
 
Aber nochmal zurück zum Anfang: Der Aperol Spritz hatte mich also komplett durchtränkt. Und wenn so ein vollgesogenes Löschblatt wieder austrocknet… das ist nicht schön. Das sieht wirklich nicht gut aus. Auch bei mir nicht. Am Tag darauf habe ich tatsächlich nur noch Teile von mir im Spiegel wiedererkannt. Um noch genauer zu sein – eigentlich nur die goldene Creole im Ohrläppchen und das eine Muttermal. Verdammt. Ich sah Augenringe so groß, die hätte man abends als gebackene Calamari servieren können! Aus Krähenfüßen waren über Nacht Adlerkrallen geworden. Aber die eines Adlers in der Mauser. Meine Haut hatte die Anmutung einer verwitterten Handtasche aus Krokodilleder, die zwanzig Jahre an der Anhängerkupplung eines Ford Transits über den Asphalt gedengelt wurde. Hätte ich ein Selfie meiner Tränensäcke an die NASA geschickt, dann würde der größte Mondkrater jetzt «Mare Feller» heißen. Meine Haare waren so ruiniert, dass selbst ein Rotkehlchen lieber in einer verbrannten Dornenhecke genistet hätte. Kurzum – ich sah aus wie Ötzi aus dem Eis geschreddert, nur nicht ganz so gut konserviert. In Tutenchamuns Grabkammer wäre ich sofort wieder eingewickelt worden. Die Kinder übersahen es in ihrer gütigen Liebe und da ich keine Lust hatte, mich für den Bäcker und ein Glas Nutella stundenlang zu restaurieren, war das Desaster schon programmiert. Komm, Lisa, dachte ich – spring einfach in die olle Jogginghose, schmeiß’ den abgeranzten Knuddelparka über das Schlaf-T-Shirt und schlüpf in die Ugg Boots… das reicht doch! 

Kleine, aber folgenschwere Fehler

Und genau in solchen Momenten passieren diese kleinen, aber folgenschweren Fehler. Beim Bäcker war alles gut gegangen, selbst die alte Verkäuferin hatte mich nicht wiedererkannt. Daraufhin wiegte ich mich derart in Sicherheit, dass ich übermütig wurde: «Super, dann fahre ich doch noch eben schnell in den Supermarkt, da ist eh grad keiner!» Ich hätte die Zeichen besser deuten müssen, aber ich war zu verstrahlt: Als ich müde mit dem Einkaufswagen in den Supermarkt schlurfte, wollte sogar der Obdachlose mit der Straßenzeitung mir seinen Kaffeebecher mit dem ganzen Kleingeld schenken. 

Es kam, wie es kommen musste. Am Müsliregal sah ich ihn versonnen die Packung Gletscher-Müsli betrachten: eine aparte Erscheinung! Groß, leichte Urlaubsbräune, gepflegter Drei-Tage-Bart. Lässige Sneaker, ein anständiges, schlichtes Shirt. Anfang 30, Ende 40. Blitzblaue Augen, so’n richtiges Schnuckelchen. Schnell analysierte ich den Inhalt seines Einkaufswagens: kein Nutella, keine Trinkpäckchen, keine Gesichtswurst, stattdessen eine Packung Toastbrot, eine französische Salami und eine Flasche Grappa. «Alles klar», dachte ich. «Der Typ hat also keine Kinder.» Gut! Sehr gut sogar! Ich war angefixt: Jetzt nur noch schnell checken, ob der kapitale Hecht von so einem magersüchtigen Jungmodel ausgenutzt wird. Fehlanzeige: Von Salat, Magerquark und Kosmetika keine Spur. Ich war begeistert. Bis mir siedend heiß einfiel, dass ich unter meiner Parkakapuze aussah wie der frisch exhumierte Star-Wars-Imperator persönlich.

Partnersuche 40plus: So ticken Singles über 40

Verdammt. Mit einem Mal war ich todunglücklich! Da war einmal ein süßer Typ im Supermarkt und ich sah aus wie die Hexe Schrumpeldei. Wenn ich den jetzt ansprach, dachte der ja, ich wolle ihn in irgendeinen Ofen schieben. 

Fieberhaft suchte ich nach einer Möglichkeit, um meine schlechte Ausgangslage zu verbessern. Da hatte ich einen Geistesblitz: Manchmal futtern die Kinder doch schon vor lauter Gier ein Duplo an und dann sagt man an der Kasse: «Der Kleine hat da schon eins rausgenommen!» Aber mir kamen sofort leise Zweifel. Ich konnte doch nicht wirklich 15 Pflegeprodukte aufreißen und an der Kasse zur Kassiererin sagen: «Ich hab mich schon mal geschminkt.» 

Mir schwante Übles. Traurige Nachricht – wenn Käpt’n Iglo heute nach Hause kam, würde nichts im Netz zappeln. Die einzigen Küsschen, die für mich drin waren, waren die von Ferrero in meinem Einkaufskorb. Aber ich gab nicht auf. Ich versuchte trotzdem, möglichst sexy an ihm vorbeizugehen und einen Blick zu erhaschen. Vergebens. Klar, natürlich. Selbst die Katzenstreu ein paar Regale weiter sah gepflegter aus als ich. Resigniert ließ ich alle Hoffnung fahren: «Wenn ich jetzt versuche, in meinen Schluppen anmutig zu gehen, denkt er höchstens mitleidig: ‹Mensch, so jung und schon eine künstliche Hüfte!›» 

Es kann ja nur Fleischsalat sein

Enttäuscht steuerte ich die Frischfleischtheke an und bestellte mit verkaterter Reststimme: «Zwei Mettwürstchen und vier dicke Scheiben Bauchfleisch, bitte.» Und auf einmal höre ich so eine sonore Stimme hinter mir freundlich sagen: «Bauchfleisch? Das ist ja doch eher ungewöhnlich für eine Frau.» Leicht irritiert drehte ich mich um. Und da stand er, mein Supermarkt-Prinz. Er lächelte zart und machte ein leicht ungläubiges Gesicht. Mist! Wie peinlich! Was sollte ich denn jetzt machen? Mein erster Gedanke war: «Scheiße, das Ding ist durch. Da kannst du jetzt auch ruhig noch 250 Gramm Salat bestellen, das wird dir nichts nützen. Es kann ja nur Fleischsalat sein. Du stehst schließlich an der Fleischtheke.» 

Also stammelte ich verlegen rum: «Äh, ist für den Hund…» Wie durch einen Nebel aus Scham und Verzweiflung hörte ich ihn etwas enttäuscht sagen: «Och, wie schade, und ich dachte, sie wollten mich heute noch zum Grillen einladen. Hund müsste man sein!» Ich war am Boden zerstört und versuchte panisch zu retten, was nicht mehr zu retten war. Und machte mich nebenbei vollends zum stammelnden Vollidioten.

Online-Dating: So finden Sie die richtigen Worte bei der ersten Nachricht

«Nein, das war doch bloß ein Witz! Ich hab’ gar keinen Hund. Ich will Ihr Bauchfleisch sein! Bitte seien Sie heute Abend mein Hund! Wuff, wuff!» Aber es war schon längst zu spät. Mein kindisches Gelaber hatte der Gute wohl gar nicht mehr gehört. Er war längst weg. Ich fuhr nach Hause, legte das verdammte Bauchfleisch ins Bett und mich verzweifelt auf den Grill. Oder so ähnlich. Aber das konnte ich meinen Kids nicht antun. Überhaupt, dachte ich nach einer Stunde: «Solche Missgeschicke muss man abhaken und das Beste daraus machen.»

Heute sage ich mir: «Alles gut, ich habe meine Lektion gelernt.» Schönheit liegt eben im Auge des Betrachters. Und zwar nicht im eigenen. Der Supermarkt-Prinz fand mich gut, obwohl ich an jenem Morgen aussah wie eine verdötschte Vogelscheuche. Auf jede Gulaschkanone passt eben ein Deckel, selbst wenn er aus Gold ist.

Diese und weitere humorvolle Alltagsgeschichten von Lisa Feller finden Sie im Buch „Mir geht's gut, nur meine Brüste lassen sich hängen“

Buchcover von „Mir geht's gut, nur meine Brüste lassen sich hängen“ von Lisa Feller, erschienen bei rororo

Die hier aufgeführte Textpassage ist dem Buch „Mir geht's gut, nur meine Brüste lassen sich hängen“ von Lisa Feller entnommen, erschienen bei rororo, 10 Euro.

Mehr zum Thema: