Umweltfreundlicher leben: 5 Tipps für weniger Mikroplastik

Plastiktüten, Einwegflaschen, Peeling: Plastik und Mikroplastik begegnen uns täglich – mit schwerwiegenden Folgen für die Natur und den Menschen. DONNA Online erklärt, wie Mikroplastik entsteht – und wie Sie im Alltag dazu beitragen können, Ihren Plastikverbrauch zu reduzieren.

Frau mit braunem Einkaufskorb kauft im Bioladen Gemüse ohne Plastikverpackungen ein

Obst und Gemüse ohne Plastik kaufen ist nicht schwer – spart aber eine Menge unnötiges Plastik ein.

Plastiktüten im Supermarkt, in Plastik verpacktes Obst und Gemüse, Coffee-to-go-Becher mit Plastikbeschichtung und -deckel. Der praktische Kunststoff begleitet uns – bewusst und unbewusst – den ganzen Tag. Denn nicht nur Lebensmittelverpackungen sind meist aus Plastik. Auch Handys, Kleidung, Kosmetikprodukte und selbst Lebensmittel enthalten heutzutage Plastik. Sichtbar ist es dabei nicht immer. Kleinste Plastikpartikel, sogenanntes Mikroplastik, sind für das menschliche Auge nicht sichtbar. DONNA Online erklärt, wie Mikroplastik entsteht und wie Sie es im Alltag vermeiden können.

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Pro Minute werden in Deutschland 8301 Plastiktüten verbraucht, 300 Millionen Tonnen Plastikmüll produzieren wir jährlich. Bis zu 12,7 Millionen Tonnen davon landen im Meer. Fünf sogenannte Plastikteppiche befinden sich derzeit im Ozean, der größte im Nordpazifik. Obwohl von Teppichen die Rede ist, liegen die Plastikteile (noch) nicht sehr eng. Schlimmer ist, was sich unter der Wasseroberfläche befindet: 99 Prozent des Plastikmülls im Meer schwebt unsichtbar im Wasser oder liegt am Meeresboden.

So entsteht Mikroplastik

Besonders umweltschädlich wird Plastik, wenn es bewusst oder unbewusst ins Meer gerät und dort zerfällt. Durch die Wellenbewegung und das UV-Licht bei anhaltender Sonneneinstrahlung werden im Plastik Zusatzstoffe, etwa Weichmacher wie Bisphenol A (BPA), freigesetzt. Dadurch wird der Kunststoff spröde und zerbricht in immer kleinere Fragmente, die schließlich als mikroskopisch kleine Plastikteilchen im Meer treiben.

Doch nicht nur durch das Verwittern von Plastiktüten und -flaschen, die an Stränden liegengelassen werden, gelangt Plastik ins Meer: Auch winzige Partikel aus Kunstfaserkleidung oder plastikbasierte Peelingkügelchen aus Kosmetikprodukten landen früher oder später in den Ozeanen.

Warum ist Mikroplastik schädlich?

Mikroplastik landet nicht nur im Meer, sondern letztlich auch auf unseren Tellern und in unseren Mägen – mit fatalen Folgen für die Gesundheit. Meerestiere wie Fische, Krebse oder Muscheln verwechseln die winzigen Kunststoffpartikel mit Nahrung oder nehmen sie über kleinere Meeresbewohner wie Krill und Zooplankton auf. Laut einer Dokumentation von Arte aus dem Jahr 2016 soll bereits heute jeder fünfte Fisch der Meeresregionen entlang der britischen Inseln an Krebs leiden. Wer Fisch und Meeresfrüchte isst, konsumiert das darin enthaltene Mikroplastik unbewusst mit. In einem Kilogramm Garnelen etwa finden sich im Schnitt 600 Mikroplastikfasern.

Für Menschen ist vor allem das aus Plastikgegenständen freigesetzte BPA gefährlich: Der hormonähnliche Stoff gelangt über die Luft, Haut oder Nahrungsmittel in den Körper und greift in den Hormonhaushalt ein. Komplikationen in der Schwangerschaft, Frühgeburten oder hormonbedingte Krebsarten wie Burst-, Prostata- und Hodenkrebs können die Folge sein. Zusätzlich werden Volkskrankheiten wie Fettleibigkeit und Diabetes-Typ-2 durch BPA begünstigt.

5 Dinge, die Sie tun können, um Plastik zu vermeiden

1. Achtsam einkaufen

Plastiktüten in der Obst- und Gemüseabteilung oder für den gesamten Supermarkteinkauf lassen sich leicht vermeiden: Planen Sie Ihren Einkauf und nehmen Sie immer einen oder mehrere Stoffbeutel in der Handtasche mit, sodass Sie auch für spontane Einkaufstrips gerüstet sind. Verschließbare Stofftaschen eignen sich für den Transport von losem Obst und Gemüse. Milch, Sahne und Joghurt sind nicht nur in Plastikverpackungen, sondern auch in Gläsern erhältlich.

2. Kosmetikprodukte überprüfen

Mikroplastikpartikel dienen in Kosmetikprodukten als Schleifmittel und sollen die Konsistenz und Wirkungsweise von Peelings oder Cremes verbessern. Um herauszufinden, wie viel Plastik in einem Beauty-produkt steckt, reicht ein kurzer Blick auf die Inhaltsstoffe. Acrylate Copolymer, Polyamide, Polyethylene und Siloxane beispielsweise sind Bezeichnungen, hinter denen sich nichts anderes als (Mikro-)Plastik verbirgt.

Plastikfreie Marken kennzeichnen ihre Produkte mit Siegeln wie dem Blauen Engel, dem EU-Ecolabel, dem BDIH-Siegel oder dem Natrue-Siegel. Seit 2017 kennzeichnet außerdem das Flustix-Siegel plastikfreie Kosmetik, Lebensmittel, Möbel, Spielzeug und Technikgeräte. Auch Naturkosmetikhersteller wie Annemarie Börlind, Lavera, Santaverde oder Weleda verzichten auf Plastik. Alternativ können Sie Gesichtsmasken, Peelings und Co. auch günstig selbst herstellen.

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3. Umweltfreundlich waschen und putzen

Oft ist nicht nachvollziehbar, ob Kleidungsstücke synthetische Bestandteile enthalten. Waschen Sie entsprechende Teile deshalb besonders vorsichtig, um zu vermeiden, dass sich Kunststofffasern lösen. Auch spezielle Wäschesäcke können helfen: In einem Waschbeutel von „Guppyfriend“ etwa verliert die Kleidung beim Waschen weniger Fasern. Diese lagern sich in den Ecken des Beutels ab und gelangen so nicht ins Abwassersystem.

Auch Wasch- und Putzmittel sind mit Mikroplastik angreichert. Achten Sie beim Kauf entweder auf entsprechende „plastikfrei“-Siegel oder stellen Sie umwelt- und gesundheitsschonende Putzmittel selber hier.

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4. Becher selbst mitbringen

Holen Sie sich morgens auf dem Weg zur Arbeit gerne einen Kaffee zum Mitnehmen, wird er meist in einen beschichteten Pappbecher gefüllt und mit einem Plastikdeckel verschlossen. Bringen Sie stattdessen lieber Ihren eigenen (Thermos-)Becher oder eine Tasse mit. Viele Cafés und Coffeeshops unterstützen diesen Trend – und häufig zahlen „Selbstmitbringer“ sogar 10 bis 20 Cent weniger für ihr Getränk.

5. Getränke in Glasflaschen kaufen

Herkömmlichen Getränkeflaschen aus Plastik ist häufig der Weichmacher BPA zugesetzt, der mit der Zeit in die enthaltene Flüssigkeit abgegeben werden kann. Mehrwegflaschen werden zwar recycelt, die Wiederverwertung ist jedoch begrenzt, sodass trotzdem regelmäßig Plastikmüll anfällt.

Greifen Sie für unterwegs deshalb auf umweltschonendere und gesündere Glas- oder Aluminiumflaschen zurück, die bedenkenlos mehrmals verwendet werden können. In Deutschland müssen Sie Trinkwasser ohnehin nicht teuer im Supermarkt kaufen: Zu Hause liefert der Wasserhahn Wasser in bester Qualität – und wer es lieber spritzig mag, kann sich einen Wassersprudler zulegen.

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