Reden wir über die Rente – Teil 6: Eine Ex-Industriekauffrau berichtet

Große Erleichterung oder Wendepunkt, der Sorgen und Ängste auslöst? Wir möchten wissen, wie ganz unterschiedliche Frauen über das Thema Rente denken. Diesmal gibt die ehemalige Industriekauffrau Emma aus München (65) einen ehrlichen Einblick in ihr Leben und ihre persönlichen Erfahrungen mit der Altersteilzeit.

Frau 40plus blickt nachdenklich in die Ferne

Der Renteneintritt bringt nicht nur neue Freizeit, sondern auch viele Veränderungen im täglichen Leben mit sich.

Bleibt im Alter genug Geld für Miete, Essen, Auto, Reisen und den bisherigen Lebensstandard? Hält man überhaupt noch durch bis zum Renteneintritt? Die Rente bedeutet für die meisten Menschen einen völlig neuen Lebensabschnitt, der nicht selten von Unklarheiten, finanziellen und gesundheitlichen Sorgen sowie Ängsten geprägt ist.

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Sechs Fragen an DONNA-Leserin Emma (65), die als Industriekauffrau in einem großen Münchner Unternehmen tätig war und nach einer Altersteilzeit seit 2015 in Rente ist.

DONNA Online: Wann haben Sie mit der Altersteilzeit begonnen?
Emma: Meine Altersteilzeit hatte ich vom Dezember 2009 bis Mitte Juli 2012 – das war die erste Phase, in der ich in Vollzeit aktiv in der Firma war, jedoch nur noch die Hälfte des Bruttogehalts verdient habe. Von Mitte Juli 2012 bis Ende Februar 2015 war ich dann in der sogenannten Freistellungsphase passiv zu Hause, ebenfalls mit einem halben Bruttogehalt.

Wie viel Geld steht Ihnen im Monat nach allen Abzügen zur Verfügung?
Von meiner Bruttorente gehen aufgrund der Altersteilszeit 10,8 Prozent Rentenabschlag auf die gesamte Rentendauer ab. Abzüglich der Beiträge für Krankenkasse, Pflegeversicherung und des Solidaritätsbeitrages beträgt die tatsächliche Rente monatlich 1.132,20 Euro. Darüber hinaus erhalte ich 393,82 Euro aus der Pensionskasse, von der zuvor ebenso Krankenkasse, Pflegeversicherung und der Solidaritätsbeitrag abgezogen wurden. Damit stehen mir im Monat 1.526,08 Euro zur Verfügung.

Welche Sorgen und Ängste plagen Sie?
Nachdem ich am 15. Juli 2012 in die passive Altersteilzeit gegangen bin und mein Partner nur ein dreiviertel Jahr später im Juni 2013 verstorben ist, hatte ich große Sorgen, dass ich das alles finanziell nicht alleine schaffen werde. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, womit ich ab meinem Rentenbeginn am 1. März 2015 rechnen konnte. Denn die Rente kann erst drei Monate vor dem Rentenbeginn beantragt werden – in meinem Fall erfuhr ich im Februar 2015, einen Tag vor meinem Geburtstag, was mir tatsächlich an Rente ausbezahlt wird.

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Ich kann mich noch erinnern, dass ich damals die Post der Rentenanstalt erst etwas später geöffnet habe, um mir meinen Geburtstag nicht zu verderben. Beim Öffnen des Briefs kam dann der große Schock: Die vorherige jährliche Rentenauskunft (kein Rentenbescheid) war immer um einiges höher gewesen als der tatsächliche Betrag! Diese Informationen gingen auch öfter durch die Medien, um die Menschen auf die häufig um sehr viel geringeren Rentenbeträge hinzuweisen. Daher musste ich verhältnismäßig schnell – obwohl ich damals für alles Rationale fast keine Kraft hatte – sehen, wie ich mit meinem alleinigen Einkommen meine schöne Wohnung behalten und mein Leben finanziell aufstellen konnte.

Arbeiten Sie als Rentnerin noch nebenbei oder haben Sie andere zusätzliche Einkünfte zur Rente?
Ich habe seit fünf Jahren einen Teil meiner 130 Quadratmeter Wohnung untervermietet. Nach dem Rentenbescheid am 1. März 2015 habe ich außerdem einen Job in einer Kita angenommen und bin jetzt seit über eineinhalb Jahren mit einem Minijob auf 450-Euro-Basis beim „pme Familienservice“ tätig (Anmerkung der Redaktion: Die pme Familienservice Gruppe ist in mehr als 70 Orten in Deutschland und Tschechien vertreten und steht Berufstätigen bei Krisen zur Seite, z.B. bei Konflikten am Arbeitsplatz, Sucht- oder Partnerschaftsproblemen.).

Konnten Sie in irgendeiner Art und Weise für die Rente vorsorgen?
Ja, ich hatte mit fünf verschiedenen Renten- bzw. Lebensversicherungen sehr früh vorgesorgt und hätte im April 2018 fast 79.000 Euro ausbezahlt bekommen. Dazu möchte ich nur erwähnen, dass ich alle diese Versicherungen vor ein paar Jahren gekündigt habe, um mit dem Geld meinen verstorbenen Partner zu unterstützen, da dieser nach zwei Herzinfarkten vorübergehend nicht mehr als Anwalt tätig sein konnte. Das war für mich, obwohl wir nicht verheiratet waren, damals selbstverständlich. Wie das Schicksal so spielt, hatte mein Partner am Tag seines Todes einen Termin mit Anwaltskollegen, um eine neue, kleine Kanzlei zu gründen und ich hätte dadurch mein Geld wiederbekommen. Dazu ist es leider nicht mehr gekommen.

Wie kommen Sie mit Ihrem Leben in Rente zurecht?
Zusammengefasst hat sich mein Leben sehr positiv entwickelt – das heißt, ich habe heute keine finanziellen Sorgen mehr, der Kontakt in den Familien über den „pme“ ist sehr angenehm und mein privates Glück mit einem ehemaligen Internisten genieße ich jetzt auch wieder sehr!

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Interview: Céline Tirpan