Auszeit vom Job: Darum lohnt sich ein Sabbatical mit 40plus

Sich mehrere Monate oder ein Jahr Zeit zu nehmen, um durch die Welt zu reisen oder sich selbst zu finden ist nur etwas für nach dem Abi oder Studium? Unsinn, auch mit über 40 ist es nicht zu spät für eine bewusste Auszeit vom Berufsalltag. Sechs Gründe, warum ein Sabbatjahr eine gute Entscheidung ist.

Frau mit Rucksack steht mit ihrem Hund vor Bergpanorama und genießt den Ausblick

Den Alltagstrott gegen eine Weltreise eintauschen? Für viele ist ein Sabbatical die Lösung – und das nicht mehr nur in der jüngeren Generation.

Nach einer stressigen Arbeitswoche oder einem zeitintensiven Projekt sehnen viele sich nach einer Auszeit. Allerdings kommt man oft selbst im Urlaub nicht wirklich dazu abzuschalten und ist schneller wieder zurück im Büro, als einem lieb ist. Der Gedanke an ein Sabbatical – ob für drei Monate oder ein ganzes Jahr – klingt da verlockend. Doch gerade der „Generation X”, also Menschen, die zwischen 1965 und 1980 geboren wurden, fällt es häufig schwer, den Job hintanzustellen. Natürlich ist es einfacher, direkt nach dem Schulabschluss oder Studium und ganz ohne berufliche oder private Verpflichtungen eine Pause vom Alltag einzulegen. Ein Sabbatical bietet jedoch auch in späteren Lebensphasen einige Vorteile. Warum es auch jenseits der 40 lohnenswert ist, sich bewusst für eine längere Auszeit zu entscheiden? DONNA Online fasst die wichtigsten Infos und Argumente zusammen.

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Was ist ein Sabbatical? 

Einfach mal abschalten und raus aus dem stressigen Alltag: Genau das macht ein Sabbatjahr oder Sabbatical möglich. So wird eine längere berufliche Auszeit genannt, die sich heute immer mehr in der Gesellschaft etabliert. Ursprünglich geprägt wurde der Begriff von Professoren an US-Universitäten und bezeichnete ein Frei- oder Forschungssemester. Im beruflichen Kontext steht der Ausdruck Sabbatical auch für das Arbeitszeitmodell, das einen längeren Sonderurlaub ermöglicht.

Selbst wenn man es aufgrund des Namens annehmen würde: Ein Sabbatjahr muss nicht immer zwölf Monate dauern. Oft legt man auch nur eine drei- bis sechsmonatige Jobauszeit ein – etwa weil diese Pause für die persönliche Entwicklung ausreicht oder ein längerer Zeitraum seitens des Arbeitgebers nicht möglich wäre. Unabhängig von der Dauer des Sabbaticals steht jedoch meist die Zeit für sich selbst im Vordergrund. Wie man das Sabbatjahr nutzt, bleibt jedem selbst überlassen. Egal ob um zu reisen, sich selbst zu verwirklichen, eine Fortbildung zu machen oder sich einfach zu erholen: Ein Sabbatical bringt viele Vorteile mit sich und nimmt in einer Zeit, in der die Work-Life-Balance zunehmend wichtiger wird, einen immer höheren Stellenwert ein.

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Welche Sabbatical-Arten gibt es?

Grundsätzlich lässt sich das Sabbatical entweder bezahlt oder unbezahlt realisieren. Je nach eigenen Präferenzen und frühzeitiger Planung gibt es verschiedene Varianten, um ein Sabbatjahr umzusetzen. Vier gängige Möglichkeiten, eine berufliche Auszeit zu realisieren, sind:

Unbezahlter Urlaub

Nimmt ein Arbeitnehmer sich für eine berufliche Auszeit unbezahlten Sonderurlaub, ruht das Arbeitsverhältnis während dieser Phase. Das heißt: Während des Sabbaticals zahlt der Arbeitgeber kein Gehalt aus. Auch für die Sozialversicherung und gesetzliche Krankenversicherung hat ein unbezahltes Sabbatjahr Konsequenzen: Der Versicherungsschutz endet in der Regel nach einem Monat und der Arbeitnehmer muss sich danach selbst weiterversichern.

Teilzeit

Beim Teilzeitmodell schließen Arbeitnehmer und Arbeitgeber einen zeitlich befristeten Teilzeitvertrag, in dem eine Vollzeitstelle beispielsweise für zwei Jahre auf eine Teilzeitstelle reduziert wird – mit entsprechend geringerer Bezahlung. Der Arbeitnehmer arbeitet in dieser Zeit jedoch weiterhin in Vollzeit – und spart die Überstunden auf einem Arbeitszeitkonto an. Im dritten Jahr wird das angesparte Zeitguthaben dann in Form von Urlaub „ausbezahlt“. Der Vorteil dieses Modells: Auch während des Sabbaticals zahlt der Arbeitgeber sowohl das Gehalt als auch die Sozialversicherungsbeiträge weiter.

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Zeitwertkonto

Eine weitere Möglichkeit, um Arbeitszeit über einen längeren Zeitraum anzusparen und anschließend als Freizeit zu nutzen, sind sogenannte Zeitwertkonten – ein freiwilliges Angebot des Arbeitgebers. In der Ansparphase werden dabei alle Lohn- und Gehaltsbestandteile wie Überstunden, nicht genommener Urlaub, außertarifliche Leistungen, Boni oder Sonderzahlungen auf ein Arbeitszeitkonto eingezahlt. In der Entnahmephase wird das angesparte Geld anschließend schrittweise ausgezahlt und ersetzt das Gehalt.

Kündigung

Wer bei seinem bisherigen Arbeitgeber unzufrieden ist oder ohnehin einen Berufswechsel anstrebt, kann ein Sabbatical bewusst als Neuanfang nutzen und im Vorfeld der Auszeit kündigen. Der Ausstieg aus dem Job bedeutet gleichzeitig, dass das Sabbatical ohne Gehalt oder die fortlaufende Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen bestritten werden muss. Weitere Nachteil: Wer das Arbeitsverhältnis selbst kündigt, wird in der Regel bei der Arbeitsagentur für drei Monate gesperrt und erhält kein Arbeitslosengeld.

Die richtige Planung eines Sabbaticals

Ein Sabbatjahr erfordert einiges an Vorbereitung. Von heute auf morgen eine mehrmonatige Auszeit einzulegen funktioniert wohl nur in den seltensten Fällen. Denn nicht nur der Anfang des Sabbaticals, sondern auch die Rückkehr in den Job sollte gut geplant sein. Am besten halten Sie mit Ihrem Arbeitgeber vertraglich fest, dass Sie nach der beruflichen Auszeit einen Anspruch auf denselben Arbeitsplatz haben und ohne Probleme wieder in den Job einsteigen können – vorausgesetzt Sie wollen das.

6 Gründe, die für ein Sabbatical ab 40 sprechen

Selbstverwirklichung, Glück und Zufriedenheit sind längst nicht mehr nur Werte, die bei der jungen Generation ganz weit oben auf der Prioritätenliste stehen. Auch mit 40 oder 50 gewinnen diese Faktoren immer mehr an Bedeutung, was Sabbaticals zunehmend beliebter macht. Denn eine bewusste Arbeitspause bietet die Möglichkeit, sich selbst langgehegte Träume zu erfüllen und all das zu tun, was man immer schon einmal tun wollte. Die Argumente, warum ein Sabbatjahr sich lohnt, können dabei ganz unterschiedlich sein – wir haben sechs davon zusammengefasst:

1. Reisen

Neue Länder, Kulturen und Menschen kennenlernen und den eigenen Horizont erweitern: Die Welt zu bereisen steht ganz oben auf der Liste, wenn es um ein Sabbatical geht. Viele nutzen die freie Zeit, um Neues zu entdecken. Oft nämlich bietet der reguläre Jahresurlaub, mit dem man meist maximal drei Wochen am Stück freibekommt, nicht die nötige Zeit, um sinnvoll einen längeren Auslandsaufenthalt einzulegen. Während eines Sabbatjahres mit 40plus können Sie die Reisepläne in die Tat umsetzen, für die Ihnen während des Studiums vielleicht noch das nötige Kleingeld gefehlt hat. Planen Sie eine Weltreise und besuchen Sie Länder, die Sie immer schon einmal sehen wollten. Lassen Sie sich von neuen Kulturen und Menschen inspirieren und nehmen Sie sich Zeit zur Selbstfindung. Für Ihre persönliche Entwicklung könnten Sie die Auszeit kaum besser nutzen.

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2. Zeit für sich selbst nehmen

Wann haben Sie sich das letzte Mal bewusst Zeit für sich genommen? Im stressigen Alltag vergisst man schnell, an sich selbst zu denken. Beruf, Familie, Freunde – all das nimmt viel Zeit in Anspruch. Während eines Sabbaticals haben Sie genug Zeit, um sich einfach nur mal um sich selbst zu kümmern und abzuschalten. Das kann zu Hause oder auch auf Reisen sein. Lesen Sie Bücher, gönnen Sie sich eine Massage, gehen Sie zum Sport oder tun Sie einfach mal nichts. Außerdem ist eine berufliche Auszeit ein guter Anlass, um zu reflektieren, ob Sie glücklich sind und ob Sie in Ihrem Leben all das erreicht haben, was Sie wollten, welche Dinge Sie ändern wollen oder welche Ziele und Träume Sie haben. Diese Selbstreflektion hilft dabei, sich selbst besser kennenzulernen, sich weiterzuentwickeln – und nach dem Sabbatjahr neu durchzustarten.

3. Neue Perspektiven finden

Sie sind bereits seit vielen Jahren im gleichen Unternehmen tätig, würden aber gerne nochmal etwas Neues ausprobieren oder sind einfach nicht mehr glücklich in Ihrem Job? Ein Sabbatical erweitert den eigenen Horizont und gibt Gelegenheit dazu, sich neu zu orientieren. Vielleicht hilft die berufliche Auszeit Ihnen auch dabei, endlich einen mutigen Schritt zu wagen, den Sie sich bisher noch nicht zugetraut haben.

4. Burnout vorbeugen

Im stressigen Arbeitsalltag stellen wir unsere Gesundheit meist hinten an. Oft fehlt die Zeit, um sich einen mehrwöchigen Urlaub zu gönnen oder ein paar Tage im Bett auszuruhen, wenn man krank ist – schließlich müssen dringende Projekte abgeschlossen werden. Kein Wunder, dass Burnouts in der heutigen Leistungsgesellschaft viel zu häufig vorkommen. Eine Jobauszeit kann deshalb eine sinnvolle Maßnahme sein, um einem frühzeitigen Ausbrennen vorzubeugen und sich der eigenen Gesundheit zu widmen.

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5. Eine Sprache lernen

Sie wollten immer schon Spanisch, Italienisch oder vielleicht sogar Chinesisch lernen? Warum nicht ein Sabbatical dafür einlegen und die berufliche Auszeit mit einer Reise in das jeweilige Land verbinden? Denn wenn Sie täglich mit der neuen Sprache konfrontiert sind und sie aktiv anwenden müssen, werden Sie sich das Vokabular und die Grammatik deutlich schneller aneignen als beispielsweise durch einen Sprachkurs, den Sie nur einmal pro Woche besuchen.

6. Karriere fördern

Ein Sabbatical kann der persönlichen genauso wie der beruflichen Weiterentwicklung dienen: Wenn Sie die arbeitsfreie Zeit für eine Fortbildung nutzen, erweitern Sie Ihre professionellen Fähigkeiten und steigern damit langfristig gesehen Ihren Marktwert.

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Auszeit vom Job – wann ist der richtige Zeitpunkt?

Den perfekten Zeitpunkt für ein Sabbatjahr gibt es vermutlich nicht. Und seien wir ehrlich: So einfach wie nach dem Abitur oder Studienabschluss ist es mit 40 oder 50 natürlich nicht mehr, eine längere Pause vom Alltag einzulegen. Mit der richtigen Planung steht einem Sabbatical jedoch auch zu einem späteren Zeitpunkt in der beruflichen Laufbahn nichts im Wege. Schließlich ist es nie zu spät, den eigenen Horizont zu erweitern und sich lang gehegte Träume zu erfüllen. Ein Sabbatjahr bedeutet die bewusste Entscheidung für Veränderung. Wenn Sie also das Gefühl haben, dass Sie dringend eine Auszeit brauchen und etwas in Ihrem Leben ändern wollen, kann ein Sabbatical der richtige Schritt sein. Gedanken um eine Lücke im Lebenslauf sollten Sie sich dabei nicht machen, zumal Sie während der beruflichen Auszeit von Ihrer persönlichen Entwicklung profitieren und sich im Idealfall mit Ihrem Arbeitgeber auf ein passendes Arbeitszeitmodell inklusive Wiedereinstiegsmöglichkeit in Ihren „alten“ Job einigen können.

Es muss außerdem nicht immer gleich eine einjährige Weltreise sein, um das Maximum aus einem Sabbatjahr herauszuholen. Sie bestimmen selbst, wofür Sie die berufliche Auszeit nutzen wollen und was Sie persönlich am meisten weiterbringt. Eines jedoch ist sicher: Mit einem Sabbatical wagen Sie etwas vollkommen Neues – ob Sie danach wieder in den Alltagstrott einsteigen und genauso weitermachen wie zuvor? Vermutlich nicht.