Eines Morgens lässt er sein Handy zu Hause liegen: Die klaren Dos & Don'ts

Klar, Vertrauen in einer Beziehung ist wichtig. Doch wenn Er sein Handy zufällig zu Hause liegen lässt, ist die Versuchung groß, einen Blick in WhatsApp-Kontakte und Co. zu riskieren. Diplom-Psychologin, Business/Personal Coach Beate Roland zeigt in ihrer DONNA-Kolumne, wie Sie in dieser Situation souverän reagieren.

Frau hält Smartphone in der Hand

Schnell mal im Handy des Partners stöbern: Nichts leichter als das, wenn er sein Smartphone zu Hause vergessen hat.

Was Sie jetzt auf keinen Fall tun dürfen und wie Sie das locker schaffen.

Birgit (44) steht vor dem Frühstückstisch und starrt es an: sein Handy, das da neben der leeren Kaffeetasse liegt. Peter, ihr Mann, hat vor fünf Minuten die Wohnung verlassen, wie jeden Morgen gegen 8:30 Uhr und hat es ganz offensichtlich vergessen. Vielleicht merkt er es gerade im Auto, kehrt um und sie hört in wenigen Minuten seinen Schlüssel in der Tür. Vielleicht merkt er es aber auch erst im Büro und sie hätte Zeit, dieses Handy ein wenig zu untersuchen.

„Welche WhatsApp-Kontakte hat er überhaupt? Und was steht in seinem Kalender?“ Birgit wartet zur Sicherheit noch einmal ein halbe Stunde. Dann nimmt sie es in die Hand, tippt darauf und stellt fest, dass es mit einem 6-stelligen Code gesichert ist. Sie versucht es mit seinem Geburtsdatum, der Code ist falsch und sie traut sich keinen zweiten Versuch aus Angst, sie könnte es sperren, was Peter dann ja merken würde.

Was sich in dieser halben Stunde in ihrem Kopf abgespielt hat, das erzählt Birgit mir in unserer letzten Sitzung. Ich coache Birgit wegen ihrer Kommunikationsprobleme, die sich wie ein roter Faden durch ihr Leben ziehen und die ihr jetzt Probleme in ihrem neuen Halbtagsjob bereiten. Birgit neigt aufgrund ihrer sehr direkten Art dazu, anzuecken. Das bringt ihr bei den Kollegen wenig Sympathien ein und sie möchte dieses verändern. Die Situation mit dem Handy hat sich somit mehr zufällig ergeben – unabhängig vom eigentlichen Coaching-Ziel.

Hat sich Birgit einen Gefallen damit getan, das Handy ihres Mannes zu untersuchen?

Ich frage Birgit als erstes, was für Gefühle sie hatte, als sie Peters Handy unverrichteter Dinge wieder zurück gelegt hatte. Sie gibt zu: „Ich habe mich über mich selbst geärgert, dass ich schwach geworden bin. Ich finde Schnüffeln eigentlich schrecklich, aber ich konnte nicht widerstehen. Ich glaube zwar nicht, dass Peter irgendetwas vor mir verheimlicht, aber man weiß ja nie und die Situation forderte es ja förmlich heraus.“ Ich fragte weiter: „Wenn Sie ihr Handy vergessen hätten und Peter hätte es gefunden, was glauben Sie, hätte Peter gemacht?“ Birgit ist sich nicht ganz sicher, würde sich aber wünschen, er hätte es liegen lassen oder sie angerufen, ob er es ihr bringen solle.

Ich fordere Birgit auf, sich noch einmal in die Situation zurückzuversetzen, als sie versuchte, das Handy zu untersuchen. Zutage kommen überwiegend negative Emotionen wie schlechtes Gewissen, die Angst aufzufliegen oder das ungute Gefühl des Misstrauens. Allenfalls das Argument „für den Fall, dass ich eine Unregelmäßigkeit festgestellt hätte, wäre ich dann zumindest im Bilde“ hat vielleicht eine positive Seite, wenngleich man auf das weitere Drehbuch sicher gerne verzichten könnte. „Stellen Sie sich jetzt bitte vor, es wäre Ihnen gelungen, das Handy beruhigt dort liegen zu lassen, wie wären da Ihre Gefühle?“ Birgit überlegt etwas und sagt „Ich würde wahrscheinlich denken: Ich kann mir die Mühe sparen, da gibt es keine bösen Überraschungen. Das wäre ein schönes Gefühl“.

Wir reden noch länger darüber, dass die Entscheidung, das Handy des Partners zu untersuchen, wie vieles im Leben immer zwei Seiten hat. Der mögliche Informationsgewinn kann zum Bumerang werden. Das Gute ist: Wir können es selbst entscheiden, müssen dann aber auch bereit sein, für die Konsequenzen einzustehen.

Extra-Tipp: Man sollte die Augen vor der Realität nicht verschließen, man muss aber auch nicht alles wissen, man darf ruhig vertrauen bis zum Beweis des Gegenteils. Damit ermöglicht man sich eine wohltuende emotionale Balance. Und sollte es dann doch ein böses Erwachen geben, ist das wahrscheinlich immer noch früh genug.

Auch Ellenbogen kann man trainieren – besser im Beruf und trotzdem fair:  Lesen Sie hier die Kolumne von Diplom-Psychologin und Personal/Business Coach Beate Roland.