Unzufrieden im Job? Das sollten Sie bei der Neuorientierung beachten

Phasen, in denen wir mit unserem Job und dem beruflichen Umfeld unzufrieden sind, durchläuft jede Frau irgendwann. Wenn die Unzufriedenheit jedoch zum Dauerzustand wird, sollten Sie einen Berufswechsel überlegen. DONNA sprach mit Job-Profilerin Katrin Wilkens darüber, für wen eine berufliche Neuorientierung geeignet ist und wie sie Ihnen gelingt.

Frau denkt nach

Ist die Unzufriedenheit im Job nur kurzzeitig oder doch eine dauerhafte Angelegenheit? Diese Frage sollten Sie sich vor einer beruflichen Neuorientierung stellen.

Ein später Berufswechsel, beispielsweise in die Selbstständigkeit, kann sehr erfolgreich sein – muss er aber nicht. Im Interview sprach DONNA mit Expertin Katrin Wilkens über Unzufriedenheit im Job und die Selbstständigkeit. Lesen Sie, wwann es tatsächlich Zeit wäre, Ihre Arbeitsstelle aufzugeben und welche Tipps die Job-Profilerin für eine berufliche Neuorientierung gibt.

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DONNA: Frau Wilkens, spielt das Alter eine Rolle, wenn ich beruflich neu starten möchte?
Katrin Wilkens: Ja, manche Personaler lassen sich leider immer noch Topkräfte entgehen, weil diese Kategorie für sie wichtig ist. Was sich aber radikal verändert, ist der Gestaltungswille von Frauen, die sich mit 45, 50 Jahren nicht zum alten Eisen zählen, sondern anpacken. Zu uns in die Agentur kommen viele 55-Jährige, deren Kinder gerade das Haus verlassen und die sagen: So, nun bin ich mal dran.

Das Empty-Nest-Syndrom?
Auch. Manche müssen aber schlicht weiterarbeiten, weil die Rente sonst nicht reichen wird. Interessant ist: Mütter und Töchter kommen auch im Doppelpack zu uns. Dann wählen die Töchter oft eine sichere Lösung, Banklehre, duales Studium, und die Mütter etwas Verrücktes. Die Tochter wird Controllerin, die Mutter studiert Interkulturelle Rhetorik.

Ausgefallen muss ich mir aber auch leisten können.
Ausgefallen heißt doch nicht, dass kein Geld reinkommt! Eine verrückte Idee muss natürlich rational abgesichert werden. Das gilt auch umgekehrt: Solide Ideen können aufgepeppt werden, indem sie in ein aufregendes Umfeld versetzt werden. Auch Theater brauchen Controller.

Zeitweise Unzufriedenheit im Job kennen wir alle. Wie erkenne ich, ob es nur die ist – oder ob ein Berufswechsel doch besser wäre?
Indem Sie sich fragen, woran die Unzufriedenheit liegt. An der fehlenden Anerkennung, am Geld, an den Arbeitsbedingungen? Oder tatsächlich am Inhalt der Arbeit? Dann, und nur dann, ist ein Berufswechsel sinnvoll.

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Sagen wir: Es sind nicht die Inhalte.
Dann sollten Sie die störenden Begleitumstände wechseln. Wenn die Stimmung nicht familiär genug ist, suchen Sie sich ein kleineres Unternehmen. Wenn der Sinn im Job fehlt, schauen Sie nach einem Ehrenamt. Manchmal reichen kleine Stellschrauben, um große Wirkung zu erzielen. Eine Kundin, Bankerin, wollte mehr Sinn, mehr Soziales in ihrem Leben. Sollte sie eine Coaching-Ausbildung machen? Nein, das passte nicht zu ihr. Aber Schuldenberaterin – das war es. Weil sie wusste, wie man mit Bankern spricht. Manchmal reicht es auch, den Job nicht zu sehr zu vergotten.

Vergotten, was meinen Sie damit?
Wir neigen dazu, alle Erwartungen dieser Welt in unseren kleinen Beruf zu pressen: Er muss erfüllend sein, prestigeträchig, abwechslungsreich, lukrativ – womöglich bald noch vegan. Man muss aber nicht zwangsläufig für einen Job brennen, schon gar nicht halbtags.

Sondern?
Er muss Spaß machen und als sinnvoll erachtet werden. Punkt.

Und wenn es doch die Inhalte sind? Wie finde ich den Beruf, der zu meinem Leben passt?
Die Frage ist: Was ist mir am neuen Beruf wichtig? Und vor allem: Warum ist es mir wichtig? Und bei welchen Kriterien bin ich bereit, Abstriche zu machen? Erst danach sollte man sich um die inhaltliche Ausrichtung kümmern: Was interessiert mich, und was interessiert auch den Markt?

Wo sollte ich aufpassen?
Bei der Vorstellung, dass mein Hobby automatisch auch als Job funktioniert. Millionen Dawanda-Frauen wissen, dass das leider, zumindest finanziell, nicht stimmt.

Die Frauen, die uns von ihrem Berufswechsel erzählen, haben sich selbstständig gemacht. Für wen ist dieser Schritt sinnvoll?
Man sollte eine Idee mit Alleinstellungsmerkmal haben, organisiert sein, ein finanzielles Polster haben und eine Frustrationstoleranz wie ein Kind, das zehnmal hinfällt. Aber auch wenn das nicht zutrifft, kann man sich einen tollen Job kreieren. Man muss einfach herausfinden, was für einen zählt. Ich habe mal bei den Berliner Kanalwerken hospitiert: So oft habe ich nie wieder Leute im Beruf scherzen, lachen und herumblödeln gehört.

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