Alternativen zu WhatsApp: 5 Instant Messenger im Check

Seit WhatsApp vom Internet-Giganten Facebook aufgekauft wurde, hegen viele Nutzer Bedenken in puncto Sicherheit und Datenschutz. Doch auf welche Instant Messenger können Benutzer, die sich von WhatsApp trennen möchten, guten Gewissens zurückgreifen? Wir stellen fünf Apps für Android, iOs und Windows Phone vor und checken, ob sie tatsächlich sichere Alternativen zu WhatsApp sind.

Detailaufnahme einer Frau, die auf einem Smartphone tippt

In der täglichen Kommunikation mit Familie und Freunden wollen die wenigsten Smartphone-Nutzer auf Instant Messenger-Apps verzichten. Wir stellen Ihnen fünf Alternativen zu WhatsApp vor.

Der Instant Messenger-Dienst WhatsApp avancierte seit seiner Gründung im Jahr 2009 innerhalb kürzester Zeit zum ungeschlagenen Favoriten der Smartphone-User: Heute nutzen rund eine Milliarde Menschen die Messenger-App in mehr als 180 Ländern. Doch spätestens seit der Übernahme des Unternehmens durch Facebook im Februar 2014 werden die Stimmen von Datenschützern und Kritikern des Messenger-Dienstes laut, die mehr Transparenz und Sicherheit fordern. Der Grund: Nach der WhatsApp-Übernahme durch Facebook stimmen Nutzer der App im Zuge der aktualisierten Geschäftsbedingungen automatisch zu, dass WhatsApp ihre Profilbilder und Statusmeldungen zu Werbezwecken nutzen darf und auf Kontakte im Telefonbuch ihres Smartphones zugreifen kann. Um den Instant Messener zu nutzen müssen die User zudem einwilligen, dass WhatsApp sensible Daten wie die Telefonnummer an Facebook übermitteln darf – eine Tatsache, die bei vielen Menschen für Bedenken sorgt.

Datenschutz: Tipps für einen sicheren Umgang mit WhatsApp

Wenn Sie zu den Smartphone-Nutzern zählen, die den WhatsApp-Datenschutzrichtlinien misstrauen, einen Missbrauch ihrer persönlichen Daten fürchten oder sich oder sich mehr Sicherheit im täglichen Nachrichten- und Datenaustausch mit Familie, Freunden oder Arbeitskollegen wünschen, werden Sie bei WhatsApp-Alternativen wie Threema, Wire oder Telegram fündig. Wir stellen Ihnen fünf Messenger-Dienste für die Betriebssysteme iOS, Android und Windows vor, mit denen Sie auf WhatsApp getrost verzichten können.

Instant Messenger: 5 WhatsApp-Alternativen und ihre Features

1. Wire

Der Instant Messenger Wire ist ideal für Nutzer, die bei WhatsApp den Missbrauch ihrer Daten zu Werbezwecken fürchten: Die App mit Unternehmenssitz in der Schweiz bietet beim Austausch sämtlicher Datenarten eine sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Nach dem Download der App können sich Nutzer einen Benutzernamen anlegen – eine Registrierung der Telefonnummer ist dabei nicht notwendig. Wire kann neben allen gängigen Smartphone-Betriebssystemen parallel auch per Desktop-PC oder Tablet genutzt werden. Ein weiteres Feature der App, das einen Missbrauch von Chat-Inhalten verhindert, ist die Möglichkeit, Nachrichten zeitlich zu begrenzen: Wenn Sie sensible Informationen wie etwa persönliche Kontakte oder Bankdaten übermitteln wollen, können Sie diese Nachricht nach Übermittlung an den Empfänger wieder komplett aus dem App-Speicher löschen.

  • Vorteile: kein Austausch der Telefonnummer mit anderen Nutzern nötig, umfangreiche Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, zeitliche Beschränkung von Nachrichten, Gruppentelefonaten und -chats, Teilen des Standorts möglich
  • Nachteile: durch die Festlegung eines Benutzernamens keine Möglichkeit einer Kontaktsuche, etwa nach Verlust der SIM-Karte oder mit einem neuen Handy
  • Kosten: gratis
  • Kompatible Betriebssysteme: iOs, Android, Windows

2. Threema

Zu den bekanntesten WhatsApp-Alternativen gehört die App Threema: Durch die Vergabe einer individuellen Kombination aus Zahlen und Buchstaben, die eine Art User-ID bilden, muss der Nutzer nach Download der App keine Handynummer angeben. Hinzugefügt werden kann Ihr Kontakt von anderen Nutzern also nur, wenn diese Ihre persönliche ID kennen oder Sie Ihre ID den im Smartphone-Telefonbuch verknüpften Telefonnummern sichtbar machen – ein effektiver Schutz gegen Spam und Datenmissbrauch. Zusätzlich können Sie bei jeder Nachricht entscheiden, ob Sie diese annehmen oder ablehnen möchten. Zur Philosophie des Schweizer App-Anbieters gehört außerdem, möglichst geringe Datenspuren seiner Nutzer zu hinterlassen – das bedeutet: Threema löscht die Nachrichten nach Übermittlung an den Empfänger umgehend auf dem Server, die Kontaktinformationen werden nur auf dem Handy selbst gespeichert.

  • Vorteile: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Nachrichten, individuelle User-ID, kaum Datenspuren, Versand von Nachrichten, Bildern, Videos und Standorten möglich, Umfragefunktion in Gruppenchats
  • Nachteile: durch die individuelle User-ID keine Möglichkeit einer Kontaktsuche, etwa nach Verlust der SIM-Karte oder bei einem neuen Handy, keine Anruffunktion, keine Sprachnachrichten möglich
  • Kosten: zwischen 1,99 Euro und 3,49 Euro
  • Kompatible Betriebssysteme: iOs, Android, Windows

3. Telegram

Obwohl Telegram optisch stark an WhatsApp erinnert, büßen Nutzer einige Funktionen des Instant Messenger-Riesens ein: (Video-)Anrufe über die App sind mit Telegram bislang nicht möglich. Ein Pluspunkt der App ist dagegen die Möglichkeit, Gruppenchats zu führen und Dateien, Videos, Bilder und Texte bis zu einer Dateigröße von 1,3 Gigybyte zu versenden. Seit dem Start von Telegram auf dem App-Markt im Jahr 2013 geriet der Dienst trotz zunehmender Nutzerzahlen jedoch in die Kritik: Die Entwickler von Telegram, Pavel Durov und Nikolaj Durov, setzen statt der gängigen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf eine eigens entwickelte Verschlüsselungs-Software. Über die genauen Vorgehensweisen und Datenschutzmaßnahmen von Telegram halten sich die beiden bedeckt. Eine weitere Funktion, die Nutzer der App allerdings schätzen, ist der von den Durov-Brüdern entwickelte „Secret Chat“: Ähnlich wie es der beliebte Videochat-Dienst Snapchat handhabt, erhalten Nachrichten ein Verfallsdatum und werden nach der vorgegebenen Zeit gelöscht. Durch ein neues App-Update im Jahr 2017 können versendete Nachrichten außerdem wieder zurückgezogen werden – etwa, wenn sie versehentlich an den falschen Nutzer geschickt wurden oder Sie Schreibfehler korrigieren wollen. User können Telegram gleichzeitig mit mehreren Geräten nutzen, da Daten über ein Cloud-System übertragen werden.

  • Vorteile: Versand von Dateien bis 1,3 Gigabyte möglich, Secret Chat-Funktion, dank Cloud-System mit mehreren Geräten nutzbar
  • Nachteile: Telefonnummer für Registrierung notwendig, keine Videoanrufe möglich, undurchsichtige Datenschutz-Richtlinien und -Software
  • Kosten: gratis
  • Kompatible Betriebssysteme:  iOs, Android, Windows

4. Signal

Wie sicher diese WhatsApp-Alternative in Sachen Datenschutz ist, verdeutlicht ein prominenter Signal-Nutzer: Der amerikanische Whistleblower Edward Snowden vermeldete, den Instant Messenger-Dienst regelmäßig zu nutzen. Die Macher der App werben damit, dass es sich bei Signal um ein sogenanntes „Open Source“-Programm handelt: Das bedeutet, dass jedermann Einblick in die Datenschutzmaßnahmen des Instant Messenger-Dienstes nehmen kann und die Software dementsprechend vertrauenswürdig ist. Eine weitere Funktion verhindert, dass Nutzer Bildschirmaufnahmen im Chat machen können – der Schutz des Nachrichteninhalts wird hier also besonders betont.

  • Vorteile: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Schutz vor Chat-Screenshots, Versand von Nachrichten, Bildern und Videos möglich
  • Nachteile: keine Standort-Ermittlung möglich
  • Kosten: gratis
  • Kompatible Betriebssysteme: iOs, Android, Windows

5. Viber

Für Datenschutz-Skeptiker ist Viber keine Option: Über den Betreiber und Firmensitz des Instant Messenger-Dienstes gibt es bislang keine verifizierten Angaben, genauso wenig über den Standort der Unternehmens-Server – laut Firmenangaben sitzt der Großteil der Entwickler in Weißrussland, ein weiterer Firmensitz sei auf Zypern. Grund zur Sorge bereiten diese Umstände vielleicht nicht jedem, doch mit dem Download der App stimmen User unter anderem zu, dass Viber neben den üblichen Chat-Informationen auch Kontaktdaten aus dem Telefonbuch des Smartphones sammeln und auf den unternehmenseigenen Servern speichern darf – wozu diese Datenspeicherung geschieht, erklärt Viber nicht. Sollten Sie aufgrund dieser Fakten keine Datenschutzbedenken haben, kann die App aber mit ihrer Funktion für Videoanrufe punkten. Zudem ist es nach Einzahlung eines Guthabens möglich, kostengünstig mit „normalen“ Mobil- und Festnetznummern zu telefonieren. Viber kann zur selben Zeit jedoch nur mit einem Smartphone genutzt werden, bei Übertragung auf ein weiteres Gerät wird der Benutzer des alten Geräts gelöscht – per Scan eines QR-Codes kann Viber nach einmaliger Registrierung hingegen parallel zum Smartphone auf dem Desktop-Computer genutzt werden.

  • Vorteile: Videotelefonie und Anrufe auf normale Telefonnummern möglich, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (Voraussetzung: neueste App-Version bei beiden Sender und Empfänger), Austausch von Fotos, Videos und Sprachnachrichten möglich
  • Nachteile: Telefonnummer für Registrierung notwendig, keine Synchronisierung mit mehreren Geräten, keine Transparenz bei Firmenangaben, Datenspeicherung und Zugriffsrechte der App auf Telefonkontakte
  • Kosten: gratis
  • Kompatible Betriebssysteme: iOs, Android, Windows

Fazit

Wenn Sie sich vor allem aufgrund Ihrer Bedenken gegenüber der Datenschutz- und Werberichtlinien des Konzerns von WhatsApp trennen möchten, sind Wire, Threema oder Signal gute und sichere Instant Messenger-Alternativen. Viber und Telegram bieten Nutzern zwar eine Vielzahl an Funktionen, sind aufgrund ihrer undurchschaubaren Datenschutzrichtlinien und die Geheimhaltung ihrer Firmensitze aber nicht eindeutig vertrauenswürdig.

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