Fair Fashion-Gründerin im Porträt: Darinka Radenkovic, „greentee“

Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema – und auch die Modewelt ist im Einsatz für die Umwelt gefordert. Doch wie einfach ist es, sich als grünes Modelabel zu etablieren und fair zu produzieren? Darinka Radenkovic, Gründerin des Fair Fashion-Labels „greentee“, hat uns diese und weitere Fragen beantwortet.

Porträtbild von Darinka Radenkovic, Gründerin des Münchner Fair Fashion-Labels greentee

Mit ihrem Modelabel „greentee“ beweist Darinka Radenkovic, dass sich Nachhaltigkeit bestens mit Komfort und ansprechendem Design vereinen lässt. Die Münchner Gründerin im DONNA-Interview.

DONNA Online: Was haben Sie vor Ihrer Selbstständigkeit gemacht?
Darinka Radenkovic: Nach dem Abitur habe ich in Florenz Modedesign studiert und dann ein internationales BWL-Studium angeschlossen – so konnte ich meinem Interesse an Mode und wirtschaftlichen Zusammenhängen fundiert nachgehen. Als Berufsanfängerin arbeitete ich dann viele Jahre in unterschiedlichen amerikanischen Konzernen und lernte die Businesswelt und ihre Mechanismen sehr facettenreich kennen. Privat lebte ich mein Modefaible mit dem Entwerfen und Herstellen von Kinderstrickwaren aus. Ziemlich bald jedoch entwickelte sich aus diesen Stücken die erste Strickkollektion für Kinder und Damen, die in München und der Region gut ankam. Nach und nach wagte ich mich dann an die erste Damenkollektion aus Bio-Jersey und konnte 2015 mit dem Fashion Label greentee starten.

Münchner Modelabel Mykke Hofmann: Jelena Hofmann & Sedina Halilovic im Interview

Wie kam Ihnen die Idee zu greentee? Und weshalb haben Sie sich dazu entschieden, ein Fair Fashion Label zu gründen?
Die Inspiration und das Bewusstsein für meinen persönlichen Modestil erhielt ich wohl in meiner Familie. Meine sportbegeisterten Eltern trugen schon in den 70er- und 80er-Jahren sehr gerne entspannte, bequeme Sportkleidung, die aber selten alltagstauglich war. Es gab damals kaum Angebote für diesen Stil auf dem Modemarkt. Schon als Jugendliche hatte ich die Vision, meine eigene Mode zu entwerfen, die mich und andere Frauen einfach gut aussehen lässt in Kleidung mit Tragekomfort. Der Stil war geboren, die Entscheidung für ein Fair Fashion Label gründet sich auf der Idee, den Modekundinnen zu zeigen, dass der nachhaltige Gedanke, hochwertige Stoffe, eine faire Textilproduktion und modischer Esprit keine Widersprüche sind – es also eine trendy Alternative zur bedenklichen Fast Fashion gibt. Dies in jeder Kollektion zu zeigen und erlebbar zu machen, spornt mich an. 

Was waren die größten Hürden bei der Umsetzung Ihrer Idee?
Immer wieder werde ich natürlich mit kleinen und großen Hindernissen konfrontiert: Der Weg ist definitiv ein steiniger. Angefangen mit einer soliden Finanzausstattung bis zur Schaffung tragfähiger Kooperationen mit Stofflieferanten, die uns Materialien verkaufen, die unseren Ansprüchen genügen, der Etablierung einer Vertriebsstruktur und klaren Kommunikationsstruktur, die die Unternehmensidentität transportiert. All das ist immer wieder herausfordernd. Doch es lohnt sich, wir sind weit gekommen in den letzten Jahren.

Wo und wie produzieren Sie? Und wie stellen Sie sicher, dass die Produktion nachhaltigen Standards entspricht?
Wir produzieren in Polen und Slowenien in ausgewählten Textilbetrieben, deren Leitung wir gut kennen. Die Stoffe kommen aus Griechenland und Deutschland. Wir arbeiten ausschließlich mit Betrieben zusammen, die nach dem rigiden GOTS (Anmerkung der Redaktion: „Global Organic Textile Standard“) zertifiziert wurden. Immer wieder sind wir auch vor Ort, besuchen die Betriebe und sind „nah dran“ an der Produktion. Viele Näherinnen begleiten uns nun seit Beginn und können von ihrem Lohn wesentlich zum Familieneinkommen beitragen.

Das macht mich einfach froh, denn das schönste Kleid ist doch letztlich nicht „in style“, wenn es Menschen zu unfairen Bedingungen herstellen mussten oder es mit Kinderarbeit produziert wurde. An den in der Fast Fashion-Industrie vorherrschenden Bedingungen kann greentee zwar im großen Stil nichts ändern, aber wir können einen Beitrag zur Bewusstmachung der Realität leisten. Das sehe ich auch als Teil meiner Arbeit an. Fair Fashion ist letztlich immer noch Pionierarbeit und ein Heranführen an und Überzeugen der Modewelt von neuen Konzepten, die auch „laufen“ können.

Hat es auch Nachteile, ausschließlich fair zu produzieren?
Das ist eine Frage, die zwei Seiten hat: Der offenkundige Nachteil der limitierten Rohstoffe und Materialien der Fair Fashion ist auch ein Vorteil, denn so konzentriert sich der Designer auf eine klare, überzeugende Linie des Kleidungsstücks und die Details im Schnitt. In der Musterung der Stoffe sind Begrenzungen gegeben, die aber auch weniger werden. Da ist viel Fortschritt und Dynamik zu erwarten in den nächsten Jahren. Natürlich führen höhere Lohnkosten zu einem höheren Stückpreis, was wir dann argumentativ verkaufen müssen.

Faire Fashion aus Deutschland: 7 grüne Labels im Porträt

Bedeutet das Etikett „Made in Europe“ automatisch, dass das Kleidungsstück unter fairen Bedingungen hergestellt wurde?
Leider nein, ganz klar. In der Produktionskette erhält immer noch ein Kleidungsstück, dessen letztes Detail zur Veredelung, also beispielsweise eine kleine Ziernaht, Brosche, ein Aufnäher, der in Europa angebracht wurde, die Etikettenaufschrift „Made in Europe“. Nur die GOTS-Zertifikate sowie andere Fairtrade-Siegel garantieren letztlich die Transparenz in der Produktion sowie die sozialökonomischen Standards, die meinen und den Anspruch der Kundinnen von Fair Fashion genügen. 

Welche Tipps würden Sie Frauen geben, die von einem eigenen Start-up oder Label träumen, den Schritt in die Selbstständigkeit aber noch nicht gewagt haben?
Eine Lehrbuchantwort für Gründerinnen kann nun lauten, dass sie einen Business-Plan erstellen, eine klare Marktanalyse durchführen sowie sämtliche Kennzahlen und Profitaussichten vor Augen haben sollten. Natürlich sind diese klaren wirtschaftlichen Konzepte wichtig und auch zu beherzigen, um nicht gleich als Spinner abgetan zu werden, aber auch, um die Vision für Geldgeber, Kunden und mögliche Kooperationspartner greifbar zu machen. Was meiner Erfahrung nach letztlich jedoch noch viel wichtiger ist, hat mit der Persönlichkeit der Gründerin zu tun, und somit mit den individuellen Stärken, Talenten und Fähigkeiten. Ganz klar muss die Gründerin immer mit dem Herzen dabei sein für ihr Produkt, sie muss Entscheidungsfreude mitbringen, braucht Belastbarkeit, Mut, Disziplin im Alltäglichen und ein gewisses Faible dafür, ein Allroundtalent zu werden, da man als Gründerin in so vielen unterschiedlichen Bereichen gefordert ist. Aushalten können, wenn es mal nicht weiter geht, Gelassenheit, wenn eine Kollektion startet, Mut etwas zu wagen, und letztlich die Freude an vielen Wochenarbeitsstunden. All diese Fragen sind höchst persönlich und die Gründerin sollte sie ernsthaft reflektieren und sich einschätzen können. 

Was war für Sie bisher der größte Erfolg, den Sie mit Ihrem Modelabel hatten?
Ich kann mich an den vielen kleinen, gelingenden Schritten erfreuen. Die positive Entwicklung im Vertrieb, die begeisterte Resonanz der Kundinnen, der wachsende Online-Markt und die greentee-Community, die gerade entsteht. Immer wenn ich mit meiner Mode mit Menschen in guter, fördernder Beziehung stehe – sei es durch die Konzeptionierung, die Produktion, das Styling, die Kommunikation, den Vertrieb, Kauf und das Tragen von greentee-Kleidung – dann motiviert mich das und ich weiß, dass ich auf meinem Weg bin. Und dass die Marke greentee in der Modewelt ihren Platz hat.

Wie geht es in Zukunft weiter mit greentee?
In naher Zukunft wollen wir die Marke noch stärker ausbauen, sodass ein komplettes Kleiderschranksortiment für moderne, bewusst lebende Frauen mit entspanntem Selbstbewusstsein zur Verfügung steht. Vorstellen kann ich mir auch eine Kollektionslinie für Männer und Kinder sowie für Möbeldesign. Unsere Webadresse greentee.world spiegelt diese Vision wieder. Aber alles zu seiner Zeit!