Wir sind voller Zuversicht – Teil 1: Adele Neuhauser

Heutzutage ist es wichtiger denn je, mit Mut und Lebensfreude nach vorn zu blicken. Darauf zu vertrauen, dass es schon gut werden wird. Prominente Frauen erzählen, wie ihnen die Zuversicht gelingt – Teil eins: Tatort-Kommissarin Adele Neuhauser.

Illustration von Tatort-Komissarin Adele Neuhauser

Für Tatort-Komissarin Adele Neuhauser war die Zuversicht immer schon ein Motor.

Zuversicht war für mich schon immer ein Motor. Zum Beispiel, als ich 1986 mit meinem Sohn schwanger war und die Tschernobyl-Katastrophe passierte. Ich lebte damals in einem kleinen Ort in Oberbayern und war völlig geschockt. Meine Nachbarin sagte zu mir: „Wenn’s ganz finster wird, kommt irgendwo ein Lichterl her.“ Ein simpler Spruch – aber mir hat er damals sehr geholfen. Trotz mancher schwieriger Phasen seit meiner Kindheit habe ich immer den Antrieb in mir gespürt, weitermachen zu müssen, weil ich etwas noch nicht zu Ende gelebt hatte. Daraus entstand das tiefe Gefühl der Zuversicht. Das war schon im Alter von neun Jahren so, nach der Trennung meiner Eltern. Ich lebte bei meinem Vater, geriet in eine Depression. Meine Eltern und meine Großeltern gaben mir viel Liebe. Trotzdem zog ich mich letztlich selbst aus der seelischen Tief-Phase heraus. Wenn man nicht mit sich selbst ringt, wird das nichts.

Ich wurde auch genährt und gestärkt durch das familiäre Umfeld im Künstlermilieu. Täglich sah ich Künstler, die um das wirtschaftliche Überleben kämpfen mussten und nie den Mut verloren. Als ich selbst die Absicht äußerte, Schauspielerin werden zu wollen, war meine Großmutter die Einzige, die das nicht als Schnapsidee abtat. Sie hat mich sehr unterstützt in meiner Sehnsucht, einmal auf der Bühne zu stehen. Das war sicher auch ein Motor, der mich nicht am Leben verzweifeln hat lassen. Ich hatte seit jungen Jahren ein großes Bedürfnis, geliebt zu werden. Für vieles habe ich mich damals geschämt, für meine große Nase etwa oder mein zu lautes Lachen. Und doch wusste ich früh: Wenn ich mein Umfeld zum Lachen bringen kann, liebt man mich auch auf eine Art. Wenn es mir gelang, gab mir das eine Daseinsberechtigung und ein Vertrauen in mich selbst. Als ich meine eigene Familie hatte, mein Mann und ich als freischaffende Künstler oft Mühe hatten, unseren Lebensunterhalt zu bestreiten, und ich bei Engagements meinen kleinen Sohn allein lassen musste, war die Zuversicht wieder ein großer Halt.

Dieser Urinstinkt: Wir gehören zusammen. Wir müssen miteinander auf dieser Welt funktionieren, uns ertragen, uns stützen. Im letzten Jahr sind enge Freunde von mir gegangen, mein Vater, meine Mutter, mein Bruder starben. Ich hatte mit meinen Eltern öfter über das Sterben gesprochen, trotzdem trifft es einen furchtbar und unvermutet. Vor allem der Tod meines Bruders, mit 63 zu jung gestorben an Leukämie, wird mich noch lange traurig sein lassen. Und dennoch: Der Gedanke, das Leben noch mal anders zu nehmen, noch reicher, noch besonderer zu empfinden, gibt mir Zuversicht. Ich liebe meine Arbeit, auch wenn es gerade ein bisschen viel ist und ich schon ziemlich müde bin, denke ich dabei oft, dass ich das Leben liebe. Es ist so aufregend, so spannend, so wunderschön. Wenn es mal einen schlechten Tag gibt und ich erschöpft bin, gehe ich einfach ins Bett und schlafe. Das hilft und ist immer heilsam.

Protokoll: Marika Schaertl

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