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Das erwartet Sie bei einem Hamam-Besuch

vergoldeter Wasserhahn in einem Hamam | © Dreamer Company, Shutterstock.com
© Dreamer Company, Shutterstock.com
Der Besuch in einem türkischen Dampfbad bringt Entspannung und reinigt von Kopf bis Fuß.

Bikini an, Hamam-Tuch umgewickelt und Lieblingsseife eingepackt: Wir erklären Ihnen, was genau bei Ihrem Besuch in einem guten Hamam passieren sollte.

Sanft einfallendes Licht, heiße Dämpfe und die Reinigung von Körper und Geist: Beim Gedanken an einen Hamam-Besuch haben viele Europäer gleich Bilder aus „Tausendundeine Nacht“ vor Augen. Dabei geht es in dem orientalischen Dampfbad vor allem um eines: sich die Zeit für Entspannung zu nehmen und während der Hamam-Zeremonie von Kopf bis Fuß gereinigt zu werden.

Wellness-Träume aus 1001 Nacht

Es gibt sie, diese Hamams, die einen in die Zeit der Osmanen zurückversetzen. Orte, an denen man sich als Exot im Orient fühlen darf und trotzdem ganz und gar integriert wird: Denn wenn die Frauen im Hamam unter sich sind, fallen nicht nur die Hüllen, sondern auch alle Schranken und Hürden.

Einer meiner schönster Hamam-Besuche war in Ankara. Es war ein kleines Hamam in einem belebten Wohnviertel, wie immer in der Türkei nach Geschlechtern getrennt. Ich besuchte dieses Hamam zum ersten Mal, es war nicht so voll und meine Schwester und ich wurden mit einem Lächeln begrüßt. Während wir im heißen Dampf ins Schwitzen kamen und uns mit Wasser aus den kupfernen Hamam-Schälchen übergegossen, fing plötzlich eine der Badefrauen an zu singen. Über diesem Dampfraum, Hararet genannt, in dem sich das Herzstück des Hamams befindet, der heiße Nabelstein (Göbek Tas), thronte ein kuppelförmiges Dach. Diese Kuppel hatte viele kleine Aussparungen, angeordnet als Sternenmuster – das Licht fiel hindurch, wir waren entspannt und der türkische Gesang versetzte uns in eine andere Welt.

Das passiert bei der Hamam-Zeremonie

Wenn Sie Ihren ersten Besuch in einem türkischen Dampfbad planen, sind zwei Dinge wichtig: Nehmen Sie sich Zeit und gehen Sie in Begleitung. Egal, ob Sie ein Hamam in der Türkei besuchen oder eines der vielen türkischen Badehäuser, die es in den meisten deutschen Großstädten gibt: Nehmen Sie am besten ein eigenes Hamam-Tuch mit. Diese sind so groß, dass man sie bequem um den Körper wickeln kann und dünner als normale Handtücher, sodass sie schneller trocknen. Da Hamam-Tücher platzsparend gefaltet oder gerollt werden können, passen sie in jede Tasche und sind auch bestens als Strand-Accessoire für den Sommerurlaub geeignet. Packen Sie außerdem einen Badeanzug oder Bikini, eigene Seife und Shampoo, ein Schälchen für Wasser und einen Waschlappen ein. Damit sind Sie bestens für das Wellness-Programm im Hamam Ihrer Wahl gerüstet, das traditionell in folgenden Schritten abläuft:

1. Hamam-Behandlung buchen

Wenn man durch die Eingangstür tritt, beginnt bereits im Umkleideraum die Reise. In vielen kleinen Hamams ist die Umkleide wie ein gut besuchtes Café – man kann Cay, den türkischen, starken Tee bestellen, manchmal sitzen alte Frauen vor einem Berg Spitzenhöschen, die sie feilbieten oder verkaufen selbstgemachte Gözleme, das sind gefüllte, dünne Fladenbrote. Hier kann man auch die Behandlungen fürs Hamam buchen, sich also entscheiden, ob man einfach nur schwitzen will oder auch ein Körper-Peeling und eine Waschung möchte. Die meisten Hamams bieten auch Haarentfernungen an – Bikini, Beine, Oberarme. In diesen Umkleideräumen kann es voller Leben sein: Frauen, die kurz vor der Hochzeit stehen, feiern hier mit ihren Freundinnen Abschied, Haare werden gefärbt und es wird getratscht.

2. Ins Schwitzen kommen

Schlüpfen Sie in Ihren Bikini und wickeln sich Ihr Hamam-Tuch um den Körper. Packen Sie Seife, Shampoo, Schälchen und Waschlappen ein und ab geht’s zum Schwitzen ins Dampfbad, in dem sich an den Wänden Waschbecken und Wasserhähne mit heißem und kaltem Wasser befinden. Dort füllt man die Schälchen immer wieder mit warmen Wasser und übergießt sich damit von Kopf bis Fuß. Zwischendurch gerne auch mit kaltem Wasser, falls Ihnen zu heiß wird. Dies ist der Zeitpunkt, zu dem in einem türkischen Hamam die meisten Gespräche geführt und schon so manche Hochzeit vereinbart wurde…

3. Liegen und Entspannen

Legen Sie sich mit dem um den Körper gewickelten Hamam-Tuch auf den heißen Nabelstein und spüren Sie, wie sich die Poren öffnen, die Muskeln entspannen und der Geist zur Ruhe kommt.

4. Körper-Peeling und Waschung

Sofern gebucht, wird Sie früher oder später die Badefrau für Ihr Peeling (Kese) abholen. Das passiert entweder direkt auf dem Nabelstein oder separaten Liegen aus Stein. Die Kese, das gründliche Abreiben des Körpers mit einem groben Peeling-Handschuh, entfernt Hautschüppchen, und sorgt für eine schöne, weiche Haut. Weiter geht es mit der Waschung, die auch eine Art Massage beinhaltet. Es handelt sich dabei allerdings nicht um eine Massage im klassischen Sinn, sondern eher um eine Auflockerung und, wenn nötig, das Einrenken verspannter Muskeln, was während der Waschung passiert. In guten Hamams wird man von Kopf bis Fuß gewaschen und massiert – Körper, Haare, das volle Programm. In manchen Badehäusern gibt es zusätzlich spezielle Schaum-Massagen. Dabei wird eine Seifenlauge kräftig aufgeschäumt. Wenn dies nicht angeboten wird, tut es auch Ihr mitgebrachter Waschlappen mit Seife. Um die Seife wieder abzuwaschen, wird der Körper mit warmen Wasser übergossen. Um den Kreislauf anzuregen gibt es zum Schluss einen kalten Wasserguss.

5. Zur Ruhe kommen

Nach dieser ausgiebigen und wohltuenden Waschung begibt man sich in den Ruheraum, wo in der Regel Obst, Wasser und Tee gereicht werden.

Übrigens: In der Türkei werden Sie kaum ein Hamam finden, in dem Männer und Frauen zusammen das Dampfbad nutzen, in der Regel gibt es sogar getrennte Eingänge. Europäer sind das gemischte Saunieren zwar gewohnt, die Geschlechtertrennung in Hamas kann aber durchaus sehr angenehm sein. Schließlich werden Sie bei der Waschung am ganzen Körper massiert – und zwar von zwei kräftigen Frauenhänden. „Meine“ Badefrau in Ankara hat den Spitznamen Rambo – bezeichnend für die Kraft, die in ihren knochigen Händen steckte.

6 Tipps für Ihren Hamam-Besuch

1. Hamam-Tuch, hölzerne Badeschuhe, Kese- bzw. Peeling-Handschuh und Seife werden in der Regel vom Hamam gestellt, können aber auch selbst mitgebracht werden. Vergessen Sie nicht Ihr Shampoo!
2. Wer nach dem Urlaub ins Hamam geht, seine Bräune aber möglichst lange behalten will, sollte lieber auf die Kese verzichten – die gebräunte Hautschicht wird dabei abgerieben.
3. Die Kese wird mit einem groben Peeling-Handschuh vorgenommen – der für sehr empfindliche oder verletzte Haut eher ungeeignet ist.
4. Im Hamam wird es ähnlich heiß oder teilweise sogar heißer als in einer Sauna, ca. 60 Grad mit hoher Luftfeuchtigkeit. Für routinierte Sauna-Gänger kein Problem – alle anderen sollten zunächst testen, ob der Kreislauf beim Schwitzen stabil bleibt.
5. Trinken Sie vor und nach dem Hamam-Besuch viel Wasser, um dem Flüssigkeitsverlust durch das Schwitzen entgegenzuwirken.
6. Falls Sie in der Türkei unterwegs sind, erkundigen Sie sich über die örtlichen Hamams: Manche Dampfbäder besitzen sogar kleine Pools, die mit frischem Quellwasser gespeist werden – eine authentische und herrlich entspannende Wellness-Erfahrung!