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Scheidentrockenheit: Warum es Frauen in jedem Alter treffen kann

Frau hält sich aufgrund von Scheidentrockenheit den Schritt. | © iStock.com / champja
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Viele Frauen gehen davon aus, dass Scheidentrockenheit nur in den Wechseljahren und der Menopause auftreten kann, doch es gibt verschiedene Auslöser für eine zu trockene Vagina.

Brennen, Juckreiz oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr deuten häufig auf Scheidentrockenheit hin - ein Leiden, mit dem viele Frauen zu kämpfen haben. Bis heute ist Scheidentrockenheit ein Tabuthema, über das Frauen ungern sprechen. Dabei kann es sie in jeder Altersgruppe und Lebenslage betreffen. Wie Sie Scheidentrockenheit erkennen, wie sie entsteht und was Sie dagegen tun können.

Das weibliche innere Geschlechtsorgan verfügt über einen natürlichen Mechanismus, der die Vagina feucht hält und gleichzeitig vor Infektionen und Bakterien schützt. Der Feuchtigkeitsgrad kann durch unterschiedliche Umstände variieren. So sorgt sexuelle Erregung zum Beispiel dafür, dass die Scheidenwand zusätzlich befeuchtet wird, um das Eindringen des Penis‘ zu erleichtern. Viele Frauen gehen davon aus, dass Scheidentrockenheit nur in den Wechseljahren und nach der Menopause auftreten kann, doch es gibt verschiedene Auslöser für eine zu trockene Vagina. Im Folgenden lesen Sie, wie Sie Scheidentrockenheit erkennen können, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wodurch eine trockene Scheide verursacht wird.

Die typischen Auslöser für Scheidentrockenheit

Einer der wichtigsten Gründe für Scheidentrockenheit ist der Mangel des weiblichen Hormons Östrogen. Dieses Hormon wird von der Pubertät an in den Eierstöcken produziert und sorgt dafür, dass der Intimbereich gut durchblutet wird. Sobald der normale Östrogenspiegel jedoch schwankt oder sinkt - im natürlichen Verlauf des Zyklus oder aus anderen Gründen - kann Scheidentrockenheit die Folge sein. Die Durchblutung der Scheidenhaut ist vermindert, die Scheidenhaut sowie die Schleimhaut im Beckenbodenbereich werden dünner und empfindlicher und damit verletzungsanfälliger. Vaginale Trockenheit tritt dabei nicht nur im fortgeschrittenen Alter auf. Hier kommen die häufigsten Auslöser:

1. Scheidentrockenheit in den Wechseljahren:

Die meisten Frauen durchlaufen die Wechseljahre mehrere Jahre lang und haben im Durchschnitt ihre letzte Regelblutung mit 51 Jahren. In dieser Zeit der hormonellen Umstellung ändert sich vieles: Frauen entwickeln zwar ein neues Körpergefühl, können aber auch mit Beschwerden wie Hitzewallungen, Zyklus- und Stimmungsschwankungen zu kämpfen haben. Die Veränderung des Hormonhaushalts wirkt sich außerdem auf die Scheidenflora aus und kann unangenehme Folgen wie vaginale Trockenheit und eine höhere Neigung zu Infektionen mit sich bringen.

2. Die Pille als häufiger Auslöser:

Auch Frauen, die mit einer niedrig dosierten Antibabypille verhüten, die zu der Gruppe der Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparate gehört (z. B. Mikropille), können unter vaginaler Trockenheit leiden. Das mit der Pille niedrig dosiert zugeführte Östrogen ist manchmal nicht ausreichend, um die regenerativen Prozesse im Beckenbodenbereich und damit auch in der Scheide aufrechtzuerhalten. Als Folge haben bereits viele Frauen im jungen Alter mit Scheidentrockenheit zu kämpfen. Wer davon betroffen ist, sollte einen Pillenwechsel oder eine Verhütungsalternative in Betracht ziehen und sich mit seinem Gynäkologen besprechen. Alternativ können auch befeuchtende Gele mit Hyaluronsäure aus der Apotheke Linderung verschaffen.

3. Stoffwechselerkrankungen sind oft ein Grund für Scheidentrockenheit:

Scheidentrockenheit muss nicht immer eine hormonell bedingte Ursache haben. Auch Stoffwechselerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes mellitus können eine schlecht befeuchtete Vagina verursachen. Gerade zu Beginn, wenn die Insulin-Dosierung noch nicht optimal eingestellt ist, neigt die Haut zu Trockenheit und Juckreiz. Auch andere Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Nervenerkrankungen wie Multiple Sklerose bringen oft einen zu trockenen Intimbereich mit sich - hier sind häufig Nervenschädigungen der Geschlechtsorgane Auslöser der Beschwerden.

4. Stress kann zu Scheidentrockenheit führen:

Ebenso können auch psychische Faktoren wie Stress, Nervosität oder Angst, z.B. im Rahmen von Depressionen oder nach traumatischen Erlebnissen, die Feuchtigkeitsbildung der Scheide negativ beeinflussen. Auch in diesem Fall ist ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder Gynäkologen ratsam, um eine passende Lösung für dieses Problem zu finden und die Scheidentrockenheit zu behandeln.

5. Stillzeit

Auch nach der Geburt eines Kindes können Frauen unter trockenheitsbedingten Beschwerden im Intimbereich leiden. Die Hormonumstellung nach der Entbindung und während des Stillens ist schuld daran.

Scheidentrockenheit: Das sind die Symptome

Scheidentrockenheit macht sich häufig durch ein Wundgefühl, Brennen, Jucken oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr bemerkbar. Diese Symptome können auch beim Fahrradfahren oder sogar beim Treppensteigen auftreten. Die zu trockene Haut ist dann gereizt und es kann zu kleinen trockenheitsbedingten Verletzungen, sogenannten Mikrorissen, kommen, die von den Betroffenen als äußerst unangenehm und schmerzhaft empfunden werden. Vor allem das Sexualleben leidet häufig darunter, da die Schleimhaut der Vagina trotz Erregung nicht ausreichend feucht wird und das Eindringen des Penis‘ so erschwert wird. Die Scheidenhaut fühlt sich nach dem Sex dann wund an. 
Ein zu trockener Intimbereich sorgt nicht nur für unangenehme Schmerzen, sondern ist auch anfälliger für Infektionen. So kann es schnell vorkommen, dass Frauen nach dem Sex an einer Blasenentzündung erkranken. Nicht selten entwickeln Betroffene daraufhin sexuelle Unlust, um die Folgen zu vermeiden. In diesen Fällen sollten Paare dringend zu Hilfsmitteln wie Gleitgel, befeuchteten Kondomen und Co. greifen. Wer keine Lust hat auf Erdbeere, Tropic und Co. hat, kann auch auf geruchs- und geschmacksneutrale befeuchtende Gele aus der Apotheke zurückgreifen.
Für viele Frauen ist eine trockene Scheide ein Thema, über das sie nur ungern sprechen. Viele ignorieren die Symptome der Scheidentrockenheit, denken, sie machen etwas falsch oder müssten „das schon aushalten“ und ziehen oft keinen Experten zu Rate. Dennoch wird ihr Alltag von Juckreiz, Brennen und Schmerzen stark beeinträchtigt. Das muss nicht sein, denn es gibt hormonfreie und freiverkäufliche Mittel, die Abhilfe schaffen.

Was hilft bei Scheidentrockenheit?

Eine Möglichkeit der Behandlung von Scheidentrockenheit in den Wechseljahren ist die Hormonersatztherapie,welche die nachlassende natürliche Produktion von Östrogen im Körper ausgleichen soll. Das kann in Form einer systemischen Behandlung für den ganzen Körper geschehen oder durch eine gezielte lokale Therapie mit Hilfe von hormonhaltigen Cremes oder Zäpfchen, die in die Vagina eingeführt werden. Hormonhaltige Mittel gegen Scheidentrockenheit sind verschreibungspflichtig. Hier empfiehlt sich ein vertrauensvolles Gespräch mit dem Gynäkologen, um die Entscheidung für die passende Behandlung zu treffen.
Doch es gibt auch hormonfreie Behandlungsmöglichkeiten bei Scheidentrockenheit! Hier hat sich Hyaluronsäure bewährt, ein Stoff, der auch natürlicherweise im Körper vorkommt und ein Vielfaches seines eigenen Volumens an Wasser binden kann. In der Apotheke gibt es Befeuchtungsgele mit Hyaluronsäure, die beim Auftragen eine luftdurchlässige Schicht auf der Haut bilden. Diese lässt die Haut atmen, versorgt sie mit ausreichend Feuchtigkeit und wirkt als natürliches Befeuchtungsmittel. So werden trockenheitsbedingte Intimbeschwerden wie Jucken, Brennen, Wundgefühl und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr gelindert. Dank ihrer wasserbasierten Formulierung können Befeuchtungsgele mit Hyaluronsäure auch als Gleitgel verwendet werden und sind sicher in der Anwendung mit Kondom. 

Wir haben die Gynäkologin Dr. Mattern gefragt: "Inwieweit hängen Lust und Intimgesundheit zusammen?"

"Lust hängt für Frauen sehr eng mit der Intimgesundheit zusammen. Frauen, die beispielsweise unter Scheidentrockenheit leiden und dadurch Schmerzen beim Sex haben, werden deshalb automatisch nicht so viel Lust haben und möglicherweise eine Scheu vor Zweisamkeit entwickeln. Mir ist es wichtig zu betonen, dass keine Frau Schmerzen beim Sex haben muss. Bei unzureichender Befeuchtung der Scheide können Hilfsmittel wie befeuchtende Gele zum Einsatz kommen und die Scheidentrockenheit auch ärztlich abgeklärt werden, beispielsweise durch Untersuchung der Hormone."

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