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Verstopfung: Das bringt den Darm wieder in Schwung

Oft lassen sich Verstopfungen mit Hausmitteln gut in den Griff bekommen – zum Beispiel mit einem Glas Wasser, das Sie morgens auf nüchternen Magen trinken. | © imago images | Westend61
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Verstopfung sollte kein Tabuthema sein – denn sie ist alles andere als selten.

Verstopfung ist noch immer ein Tabuthema, zählt jedoch zu den häufigsten Magen-Darm-Beschwerden. Insbesondere Frauen sind häufig betroffen, leiden aus Scham aber in vielen Fällen still vor sich hin. Höchste Zeit also, dass mit dem Tabu gebrochen wird und der Stuhlgang sein "dreckiges Image" verliert. #GesundOhneTabus

#GesundOhneTabus: Sprechen wir über Verstopfung

Eine gesunde Verdauung ist wichtig, aber kein Thema, über das man gerne spricht. Warum eigentlich? Verstopfung und Begleiterscheinungen wie Blähungen oder Völlegefühl sollten keine Tabuthemen sein – denn sie sind alles andere als selten und insbesondere viele Frauen sind betroffen. 

Was ist Verstopfung?

Etwa 15 Prozent aller Erwachsenen leiden zumindest zeitweise darunter. Besonders häufig sind Frauen betroffen - genau genommen fast vier Millionen zwischen 20 und 59 Jahren. Die Dunkelziffer könnte weitaus höher liegen. Verantwortlich dafür, dass der Stuhlgang ab und zu nur eingeschränkt und durch starkes Pressen verrichtet werden kann, ist der Darm: Arbeitet er auf Sparflamme, wird der Stuhl hart und lässt sich mitunter nur schwer wieder ausscheiden.

Von einer Obstipation (das ist der medizinische Fachbegriff für Verstopfung) ist die Rede, wenn der Stuhlgang weniger als dreimal pro Woche erfolgt. Obwohl Verstopfungen bei den meisten Menschen zum Glück nur ein vorübergehendes Problem sind, gibt es auch Personen, die chronisch betroffen sind. Eine chronische Verstopfung liegt vor, wenn entsprechende Beschwerden mindestens drei Monate im Jahr vorliegen.

Anzeichen für eine Verstopfung

Sie haben weniger als drei Mal in der Woche Stuhlgang und bemerken, dass Ihr Kot hart und klumpig ist? Haben Sie außerdem häufig Schmerzen beim Ausscheiden oder das ungute Gefühl, sich nicht vollständig zu entleeren? Dann leiden Sie vermutlich an einer Verstopfung. Weitere Anzeichen und Begleitsymptome für die Verdauungsstörung sind:

· Völlegefühl

· Appetitlosigkeit

· Anstrengung oder Schmerzen bei der Darmentleerung

· Ausscheiden kleiner Kotmengen

· Bauchschmerzen

· Blähungen, Blähbauch

· Gefühl einer Blockade im Darmausgang und/oder unvollständigen Stuhlentleerung

So wirkt Verstopfung sich auf Alltag und Psyche aus

Verstopfungen sind für Betroffene nicht nur körperlich, sondern auch psychisch eine Belastung im täglichen Leben: Der Gang zur Toilette wird zu einer Tortur – vor allem, wenn man sich gefühlt ewig im Badezimmer aufhält, ohne dass eine Erleichterung eintritt. Auch lange Autofahrten oder Flüge sind für Menschen mit Verstopfung eine Qual. Und an ein leidenschaftliches Liebesleben ist erst recht nicht zu denken, wenn der Blähbauch unter der Kleidung spannt und die Gedanken sich um Verdauungsprobleme statt um Sex drehen.

Frauen sind von Verstopfung übrigens fast doppelt so häufig betroffen wie Männer. Als wären Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und Co. noch nicht genug, zählen unregelmäßiger Stuhlgang und Darmträgheit zu häufigen Wechseljahresbeschwerden, die die Lebensqualität erheblich einschränken.

Häufige Ursachen für Verstopfung

Für eine Obstipation gibt es verschiedene Auslöser, die zum Glück meist harmlos sind. Wenn Sie eine empfindliche Verdauung haben, kann schon eine stressige Woche im Büro oder ein heftiger Streit mit der besten Freundin Ihren Darm aus dem Takt bringen. Bei vielen Menschen sind häufiges Unterdrücken des Stuhlgangs, Schichtarbeit, Flüssigkeitsmangel, zu wenig Bewegung oder eine ballaststoffarme Ernährung dafür verantwortlich, dass die Verdauung in den Ruhemodus geht. Daneben können auch Hormonstörungen (zum Beispiel, wenn Sie eine Schilddrüsenunterfunktion haben, schwanger oder in den Wechseljahren sind) und bestimmte Medikamente Verstopfungen auslösen.

Leiden Sie in Stressphasen besonders häufig an Völlegefühl, Blähungen und Verstopfung, kann auch ein Reizdarmsyndrom die Ursache sein. Bei dieser funktionellen Störung des Darms gehört unregelmäßiger Stuhlgang neben Bauchschmerzen und/oder Durchfall zu den typischen Symptomen. In seltenen Fällen können hinter einer Verstopfung aber auch ernste Erkrankungen wie Diabetes oder Darmkrebs stecken.

Wann Sie bei Verstopfung zum Arzt sollten

Keine Panik, wenn Ihr Darm hin und wieder streikt oder träger als sonst ist. Das Risiko für leichte Verstopfungen ist erhöht, wenn Menschen zu wenig trinken, kaum frisches Obst und Gemüse zu sich nehmen oder es mal wieder wochenlang nicht zum Sport geschafft haben. Wenn Verstopfungen allerdings zum Dauerzustand werden oder folgende Warnsignale auftreten, sollten Sie die Ursache abklären lassen:

· Fieber

· Blut im Stuhlgang

· Ungewollter Gewichtsverlust

· Verstopfung und Durchfall treten abwechselnd auf

· Verstopfung tritt plötzlich mit starken Bauchschmerzen und Erbrechen auf

· Verstopfung schränkt Lebensqualität ein

Verstopfung vorbeugen & behandeln - hilfreiche Maßnahmen

Regel Nummer eins, wenn Sie sich aufgebläht, abgeschlagen und „verstopft“ fühlen: viel trinken und frische, ballaststoffreiche Lebensmittel auf den Einkaufszettel schreiben. Sie sollten außerdem in Ruhe essen und immer gut kauen. Statt Softdrinks und Kaffee sind pro Tag mindestens zwei Liter Wasser (ungesüßter Tee geht auch) für eine gesunde Verdauung empfehlenswert. Und selbst wenn es mal stressig ist: Den Gang zur Toilette sollten Sie sich nie verkneifen – so viel Zeit muss sein. Wunder darf man von diesen Maßnahmen jedoch nicht erwarten: Der Darm benötigt mehrere Tage oder Wochen, um wieder auf Trab zu kommen.

Schnelle Hilfe versprechen Abführmittel, sogenannte Laxanzien, die mit unterschiedlichen Wirkstoffen den Stuhlgang beschleunigen. Medikamente mit den Wirkstoffen Natriumpicosulfat und Bisacodyl gelten als gut verträglich. Sie bringen den Darm in Schwung und verbessern die Stuhlkonsistenz. Die oft befürchtete Gewöhnung an die Wirkung von Abführmitteln ist bei diesen Wirkstoffen nicht zu erwarten. Das haben Studien gezeigt.

Hausmittel gegen Verstopfung

· Trinken Sie auf nüchternen Magen ein Glas Wasser, um die Verdauung anzukurbeln und Ihren Stuhlgang zu beschleunigen. Sie wünschen sich ein bisschen mehr Geschmack? Dann einfach eine halbe Zitrone in ein Glas lauwarmes Wasser pressen und die Mischung in kleinen Schlucken trinken.

· Flohsamen, Leinsamen und Weizenkleie quellen in Wasser auf und machen den Speisebrei weicher. Nehmen Sie die ballaststoffreichen Verdauungsanreger mit viel Flüssigkeit zu sich, um der Darmtätigkeit auf die Sprünge zu helfen.

· Ungeschwefelte Trockenfrüchte wie Pflaumen, Feigen, Datteln oder Aprikosen sind ebenfalls bewährte Hausmittel gegen Verstopfung. Am besten legen Sie das Dörrobst vor dem Verzehr über Nacht in Wasser ein. Sie mögen keine Trockenfrüchte? Ein kleines Glas Pflaumensaft (ca. 250 Milliliter) tut’s auch.

· Gönnen Sie sich morgens vor dem Aufstehen eine Bauchmassage, um die Darmtätigkeit anzuregen. Massieren Sie Ihren Unterbauch dabei sanft etwa zehn Minuten mit kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn.

 

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