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Zungenbelag: Das bedeuten die Ablagerungen für Ihre Gesundheit

Dunkelhäutige Frau die sich mit der Zahnbürste die Zunge putzt | © Science Photo Library, Getty Images
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Das Reinigen der Zunge reduziert die Bildung von Zungenbelägen und sollte Bestandteil der täglichen Mundhygiene sein.

Ablagerungen auf der Zunge sind in der Regel kein Grund zur Sorge. Je nach Farbe und Beschaffenheit können sie aber auch ein Anzeichen für bestimmte Krankheiten sein. Welche gesundheitlichen Gründe hinter verschiedenen Zungenbelägen stecken und was Sie dagegen tun können, lesen Sie hier.

Ein leichter Belag auf der Zunge, begleitet von einem unangenehm schalen Geschmack im Mund – direkt nach dem Aufwachen kennt das wohl jeder. Meist kann man es morgens deshalb gar nicht erwarten, sich die Zähne zu putzen und die lästigen Ablagerungen loszuwerden. Davor lohnt es sich allerdings, regelmäßig einen genauen Blick auf den Zungenbelag zu werfen. Denn die Zunge ist der Spiegel unserer Gesundheit und verrät als Erstes, wenn sich eine Erkältung oder andere Krankheiten anbahnen. Je nach Farbe und Konsistenz lassen die Ablagerungen im Mund darauf schließen, ob dem Körper etwas fehlt und welche gesundheitlichen Ursachen dahinterstecken könnten.

Diese Funktionen erfüllt die Zunge

Die Zunge erfüllt gleich mehrere wichtige Aufgaben: Sie ermöglicht, dass wir sprechen können und hat eine entscheidende Funktion bei der Nahrungsaufnahme. Zudem sorgt die Zunge dafür, dass die Nahrung im Mund bewegt und somit zerkleinert wird. Daneben ist sie für das Einspeicheln des Essens verantwortlich und stellt damit sicher, dass die Nahrungsmittel richtig heruntergeschluckt werden können. Dank der Geschmacksknospen auf der Zunge sind wir in der Lage, die Geschmacksrichtungen süß, sauer, bitter, salzig und umami (herzhaft) zu unterschieden. Die Zunge ist aber auch ein wichtiger Teil des Abwehrsystems und gilt als Spiegel unserer Gesundheit: Anhand der Ablagerungen darauf lassen sich Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand des gesamten Körpers ziehen.

So sieht eine gesunde Zunge aus

Die Zunge ist blassrosa, feucht, beweglich und mit einem dünnen weißen Belag überzogen. Dieser ist vor allem morgens nach dem Aufwachen zu sehen und absolut normal: Die weiße Schicht besteht aus alten Zellen, Nahrungsresten sowie Keimen und ist ein Zeichen dafür, dass die Verdauung gut funktioniert. Alles was von diesem Normalzustand abweicht – beispielsweise verfärbte oder ungewöhnlich starke Ablagerungen, Schwellungen, Schmerzen oder Brennen auf der Zunge – ist zwar ungewöhnlich, aber nicht automatisch ein Grund zur Besorgnis. Wenn die genannten Anzeichen allerdings über einen längeren Zeitraum hinweg oder wiederholt auftreten, sollten Sie im Auge behalten und gegebenenfalls von einem Arzt untersuchen lassen.

Belegte Zunge: Das können die Ablagerungen bedeuten

Die Ursache für die Ablagerungen auf der Zunge sind vielfältig und in den meisten Fällen harmlos. Häufig tritt Zungenbelag etwa nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel auf. Kaffee, Beeren, Tee oder Milchprodukte, aber auch Zigarettenrauch oder die Einnahme von Medikamenten kann Verfärbungen und einen pelzigen Belag auf der Zunge verursachen. Allerdings kann auch mangelnde Mundhygiene der Auslöser dafür sein. Denn die Ablagerungen können in der Regel durch regelmäßiges Zähneputzen und das Reinigen der Zunge mit einem speziellen Schaber entfernt werden.

Wenn der Zungenbelag jedoch über längere Zeit verfärbt oder ungewöhnlich dick ist, sich nur schwer entfernen lässt oder mit anderen Beschwerden einhergeht, kann er ein Hinweis auf gesundheitliche Probleme sein. In diesem Fall sollten Sie die Ursache für die belegte Zunge ärztlich abklären und wenn nötig entsprechend behandeln lassen. Ein Abstrich beim Haus- oder Zahnarzt gibt Aufschluss darüber, welche Auslöser für die Ablagerungen auf der Zunge verantwortlich sind.

Weißer Zungenbelag

Sie bemerken morgens weiße Ablagerungen auf der Zunge? Das ist auch gut so. Denn ein leichter Zungenbelag ist ganz natürlich und ein Zeichen für eine gesunde Verdauung. Die weißen Ablagerungen und der damit verbundene, schale Geschmack sollte sich bei der täglichen Mundhygiene einfach entfernen lassen. Wenn sich die Beläge im Laufe des Tages immer wieder neu bilden, mit Mundgeruch einhergehen oder als dicke Schicht auftreten, die sich nicht mehr einfach entfernen lässt, kann dies auf Zahnprobleme, Magen-Darm-Beschwerden oder eine Erkältung hindeuten. Sind die Beläge nicht auf der gesamten Zunge, sondern nur rechts oder links der Mittelrille zu sehen, kann das auf eine Störung der Bauchspeicheldrüse hinweisen. Treten die Ablagerungen nur auf einer Seite der Zunge auf, deutet das auf eine Mittelohrentzündung hin.

Unregelmäßig fleckiger Zungenbelag

Sie haben morgens Zahnabdrücke und einen unregelmäßigen Belag auf der Zunge? Dann knirschen Sie vermutlich nachts mit den Zähnen, wodurch die Zähne und Kiefergelenke in Mitleidenschaft gezogen werden können. Sprechen Sie Ihren Zahnarzt darauf an – eine spezielle Aufbissschiene setzt dem nächtlichen Knirschen (Bruxismus) ein Ende.

 

Erinnert der fleckige Belag an eine Landschaft von oben, spricht man von einer sogenannten Landkartenzunge. Diese erbliche Veränderung der Zunge tritt häufig in Kombination mit der Faltenzunge auf. Dieses Phänomen, das sich durch mehrere Quer- und Längsfurchen auf der Zungenoberfläche äußert, kann Brennen und eine erhöhte Empfindlichkeit der Zunge zur Folge haben.

Rote Zunge

Sind die Zungenwärzchen, die sogenannten Papillen, vergrößert und rötlich verfärbt, ist von der sogenannten Himbeer- oder Erdbeerzunge die Rede. Diese Verfärbung deutet auf Infektionskrankheiten im Mund- und Rachenbereich wie beispielsweise Scharlach hin. Kommen Bauch oder Kopfschmerzen zu der roten Verfärbung hinzu, können Krankheiten im Magen-Darm-Trakt oder am Herz der Auslöser sein. Wenn die Zunge sich rot verfärbt und zusätzlich brennt, lässt das auf eine Zungenentzündung schließen. Aber auch ein Mangel an Vitamin B12, Blutarmut oder Diabetes können die Zunge rot leuchten lassen. Ein Bluttest ist in diesem Fall ratsam.

Gelblicher Zungenbelag

Pilzinfektionen können der Grund für einen gelblichen Belag auf der Zunge sein – genauso wie Entzündungen des Mundraums, zum Beispiel Parodontose und Zahnfleischentzündungen. Sind die Ablagerungen grüngelb, deutet das auf Entzündungen des Rachenbereichs hin. Ist der Zungenbelag zudem pelzig und leuchtend gelb, kann eine gesundheitliche Störung, die von der Galle oder Leber ausgeht, der Auslöser sein.

Bräunlicher Zungenbelag

Braune Ablagerungen auf der Zunge treten meist durch den Genuss von Kaffee und Schwarztee auf, können aber auch auf eine Erkrankung des Darmtraktes hinweisen. Ist der Belag dick ausgeprägt, lässt dies zudem auf eine Nierenschwäche schließen.

Grauer Zungenbelag

Der Belag auf der Zunge hat eine gräuliche Färbung? Das kann ein Anzeichen für Blutarmut oder Eisenmangel sein.

Schwarzer Zungenbelag

Eine Haarzunge, wenn die Zunge also durch ihre schwarze Verfärbung wie behaart erscheint, kann als Nebenwirkung von Antibiotika auftreten. Der Belag muss dabei nicht immer tiefschwarz sein – eine Haarzunge kann sich auch mit dunklen Ablagerungen in Grün-, Blau- oder Grautönen äußern. Diese spezielle Form des Zungenbelags entsteht durch eine Verlängerung der Papillen, an denen sich durch pigmentbildende Bakterien Verfärbungen bilden. Auslöser dafür ist vermutlich die durch die Einnahme des Antibiotikums veränderte Mundflora. Neben der medikamentös ausgelösten Verfärbung können schwarze Ablagerungen auf der Zunge zudem auf eine Schwächung des Immunsystems hindeuten.

Brennende Zunge

Meist tritt das unangenehme Brennen an der Zungenspitze und dem unteren Zungenrand auf, was viele Betroffene dazu veranlasst, die Zunge genauer zu inspizieren und nach Ursachen dafür zu suchen. Wer keine Ablagerungen oder farblichen Veränderungen findet, vermutet meist nichts Schlimmes hinter dem Zungenbrennen. Tatsächlich können die Ursachen dafür vielfältig sein – von neurologischen und psychischen Erkrankungen über hormonelle Veränderungen bis hin zu Störungen des Magen-Darm-Traktes und Allergien. Zungenbrennen tritt bei Frauen übrigens bis zu siebenmal häufiger auf als bei Männern – und zwar besonders häufig während Hormonumstellungsphasen wie den Wechseljahren.

So untersucht man seine Zunge selbst

Um optische Veränderungen frühzeitig zu erkennen, sollte man die eigene Zunge regelmäßig kontrollieren – idealerweise direkt nach dem Aufstehen. Werfen Sie noch vor dem Frühstück und Zähneputzen einen Blick in den Mund und dabei auch auf Ihre Zunge. Die Zunge dafür weit herausstrecken und bei Tageslicht oder im Schein einer hellen Lampe anschauen. Morgens ist die Zunge in ihrem natürlichen Zustand und noch nicht vom Essen, Trinken oder Zähneputzen verändert. Etwaige Auffälligkeiten sind dann an deutlichsten zu erkennen.

Das können Sie gegen Zungenbelag tun

Ballaststoffreiche und harte Lebensmittel, die gut gekaut werden müssen, verstärken den Abrieb auf der Zunge und verhindern, dass sich tagsüber ein weißer Belag bildet, der für einen schalen Geschmack im Mundraum sorgen kann. Zudem sollten Sie die Reinigung der Zunge in Ihre tägliche Mundhygieneroutine integrieren. Spezielle Zungenreiniger oder Zahnbürsten mit Gumminoppen auf der Rückseite ermöglichen es, Zungenbeläge sanft zu entfernen.