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Niacinamide im Check: Was kann der Trend-Wirkstoff wirklich?

Frau trägt Serum auf ihrer Hand auf | © Getty Images/Prostock-Studio
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Was sind eigentlich Niacinamide? Und wie wirken sie? Welche Vorteile bringen sie für die Haut und wie findet man das richtige Niacinamid-Serum? Wir haben uns den Pflegewirkstoff näher angesehen.

Ist der Hautpflege-Hype um Niacinamide berechtigt? Wir erklären, was der Wirkstoff wirklich kann, für welche Hauttypen er geeignet ist und wie man ein Niacinamide Serum optimal anwendet. 

Was sind eigentlich Niacinamide? 

Niacinamid, auch Nicotinamid genannt, ist eine Form von Vitamin B3. Es ist demnach nicht nur ein wasserlösliches Vitamin, das als Inhaltsstoff in Kosmetik-Produkten vorkommt, sondern eben auch ein Nährstoff, der in Lebensmitteln zu finden ist, sogar ein ganz essenzieller Nährstoff. 

Ein B3-Mangel kann nämlich zu Störungen der Haut oder der Nieren führen. Dann kann man mit Ergänzungsmitteln und der gezielten Einnahme von Niacinamid den Körper wieder ins Gleichgewicht bringen und weitere Mangelerscheinungen vorbeugen.

Als Wirkstoff in Hautpflegeprodukten wird Niacinamid vor allem wegen seiner lindernden Wirkung bei Hautkrankheiten wie Akne und Ekzemen gefeiert. Auch wenn hierzu noch weiterführende Studien notwendig sind, geht man jetzt schon von einem echten Beauty-Booster aus. Das Vitamin soll die Folgen von Umweltschäden in der Haut dämmen, Poren verfeinern, die Haut straffen einen ungleichmäßigen Hautton angleichen, feine Falten glätten, einen fahlen Teint wieder zum Strahlen bringen und die Hautbarriere stärken.

Achtung Verwechslungsgefahr: Niacinamide sind nicht dasselbe wie Niacin. Trotz der Ähnlichkeiten im Namen sind Niacinamid und Niacin nicht ganz gleich. Es handelt sich um zwei verschiedene Arten von Vitamin B3. Aber der Körper kann Niacinamid aus Niacin herstellen. 

Die Wirkung von Niacinamiden - laut Studien

Klingt nach einem echten Allroundtalent, das für mehr als ein Hautproblem in Frage kommt, oder? Absolut, deshalb werden Niacinamide auch so vielseitig und breit in der Kosmetik eingesetzt. 

Ganz grundsätzlich kann Vitamin B3, also Niacinamid, den Aufbau von Proteinen in der Haut unterstützen und Feuchtigkeit einschließen. Damit wirkt es glättend, aufpolsternd, verfeinernd, klärend, schützend und stärkend gegenüber Umweltschäden.

Was passiert, wenn man Niacinamide aufträgt und diese nun Proteine aufbauen und Feuchtigkeit binden? Zum einen hilft das Vitamin mit seinen stärkenden und schützenden Eigenschaften dabei Hautzellen zu erneuern und zu regenerieren. Gleichzeitig bewahrt es die Hautzellen vor Feuchtigkeitsverlust und vor neuen oder weiteren Schäden. Die Haut wird bei der Herstellung von hautstärkenden Ceramiden unterstützt und damit die Hautbarriere verstärkt. 

Umso mehr Ceramide abgebaut werden und verloren gehen, desto empfindlicher und anfälliger wird die Haut. Sie kann Feuchtigkeit nicht mehr so gut binden, Umweltschäden immer weniger abwehren, Alterungsprozesse nicht länger bremsen und wird zunehmend sensibler. Dieser Prozess und der Abbau von Ceramiden ist ein natürlicher Vorgang, der mit dem Alter zunimmt. Da kommt die Unterstützung von Niacinamid gerade gelegen.

Außerdem wirkt Niacinamid sehr gut mit anderen feuchtigkeitsspendenden Inhaltsstoffen zusammen. Egal, ob Glycerin oder Pflanzenölen, ob Cholesterin, aber auch Natrium-PCA oder Natriumhyaluronat, die Feuchtigkeitsspender können auf die Unterstützung und Speicherwirkung von Niacinamid zählen.

Hinzu kommt die porenverfeinernde Wirkung von Niacinamid. Hierzu ist sich die Wissenschaft noch nicht ganz klar, wie das Vitamin die Poren der Haut beeinflusst. Aber Expert*innen sind sich in einem Punkt einig: Niacinamid wirkt verfeinernd.

Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass Vitamin B3 ausgleichend auf die Poren Schleimhaut wirkt. Das führt dazu, dass Talg und damit auch Schmutz und Produktreste sich weniger auf den Poren ablagern. Die Haut muss nicht länger gegen Ablagerungen, Verstopfung und dadurch entstehende Unreinheiten kämpfen. Die Poren entspannen sich, müssen sich nicht weiten und ausdehnen, um rauer oder unreiner Haut entgegenzuarbeiten. In anderen Fällen weiten sich die Poren aufgrund von Sonnenschäden oder anderen Umwelteinflüssen. Indem Niacinamid die Hautbarriere stärkt, wirkt es auch dem entgegen. 

Und was passiert bei Unreinheiten, Pickeln und Mitessern? Auch dann profitiert die Haut von der ausgleichenden Wirkung, vom Feuchtigkeitsspeicher und der regenerierenden Wirkung. Studien belegen, dass Niacinamid rote Pickelmale schneller abklingen lässt, indem es die Zellregeneration unterstützt. Gleichzeitig werden neue Unreinheiten vorgebeugt, indem die Poren Schleimhaut ausbalanciert und Feuchtigkeit gespeichert wird.

Niacinamide in Kombination mit anderen Wirkstoffen

Bei Pigmentflecken, Verfärbungen und einem unregelmäßigen Hautton hilft Niacinamid dabei, Verfärbungen aufzubrechen und einen erneuten zukünftigen Überschuss an Melanin in der Haut zu hemmen. Zudem ist es mit anderen verfärbungsmindernden Inhaltsstoffen ganz einfach kombinierbar. Man kann Vitamin C, Retinol und Bakuchiol unbedenklich mit Niacinamid mixen und schichten.

Kurz gesagt: Niacinamid ist eine tolle Hilfestellung für empfindliche Haut, die Schutz braucht, trockene Haut, die Unterstützung beim Speichern von Feuchtigkeit nötig hat, großporiger oder fahler Haut, die Feintuning oder mehr Glow gebrauchen kann, unreine oder entzündete Haut, die Hilfe bei der Regeneration braucht und reife Haut, die Verstärkung im Kampf gegen Falten und Alterungsprozesse benötigt.

On top wird es aber vor allem deshalb gefeiert, weil Niacinamid mit so vielen anderen Inhaltsstoffen kompatibel ist. Es lässt sich besonders einfach in die bestehende Hautpflege-Routine einbinden, weil es auch in Kombination mit anderen Wirkstoffen so wirksam und hautfreundlich bleibt. Selbst Inhaltsstoffe, die ihrerseits etwas komplizierter sind wie Retinol oder Peptide, aber auch Hyaluronsäure, sowie chemische Peelings einschließlich Vitamin C und alle Arten von Antioxidantien können mit Vitamin B3 kombiniert werden.

Gibt es auch Nachteile von Niacinamid für die Haut?

Gibt es denn gar kein Risiko für die Haut oder Nebenwirkungen, die auftreten können? Sind Niacinamide in keinem Fall schädlich für die Haut? Auch nicht für sehr empfindliche Hauttypen?

Grundsätzlich gilt die Anwendung von Niacinamid in der Hautpflege für alle Hauttypen als als sicher und unbedenklich. Aber trotzdem wird immer wieder vor Hautreizungen auf Grund von Niacinamid gewarnt. Wie kann das sein?

Die Dosis oder in diesem Fall die Konzentration macht das Gift. Niacinamid ist schon ab einer niedrigen Konzentration in Kosmetik etwa ab 2 Prozent super wirksam. Ab einer Konzentration von 5 Prozent wird es noch wirksamer. Trotzdem enthalten manche Produkte 10 bis 20 Prozent - oder sogar noch mehr. Bis zu 10 Prozent kann dies auch für viele Hauttypen absolut sinnvoll sein, allerdings nicht für alle. Es gilt also, die richtige Konzentration für die eigene Haut zu finden. Dabei sollte man nicht nur das eine Niacinamid Serum im Blick behalten, sondern die Inhaltsstoffe von allen Hautpflegeprodukten checken. Denn Niacinamid Produkte können gut geschichtet werden, aber wenn man zwei hochkonzentrierte Formeln schichtet, könnte dies der Haut schnell zu viel werden. 

Gut zu wissen: Häufig wird Niacinamid auch als "Niacin" und "Nicotinamid" in den Inhaltsstoff Listen aufgeführt.

Test für Allergiker

Außerdem kann Niacinamid die Freisetzung von Histamin im Körper fördern. Das bedeutet, dass Allergiker nach regelmäßiger Anwendung eventuell mit stärkeren allergischen Reaktionen rechnen müssen. Davor kann aber ein einfacher Patch-Test bewahren. Man tupft einfach etwas von dem Produkt auf den Unterarm und beobachtet die Hautstelle für 24 Stunden. Wenn sie frei von Rötungen und Schwellungen bleibt und nicht zu jucken beginnt, dann können auch Allergiker zu Niacinamid-Produkten wie Niacinamid-Seren greifen. 

Das Niacinamid Serum richtig verwenden

Ein Serum ist stets ein Hautpflegeprodukt mit besonders hoch konzentrierter Formel. Seren sind grundsätzlich reich an Wirkstoffen, aber dabei in ihrer Textur leichter als Cremes. Sie folgen auf die Reinigung und Toner, aber kommen vor der Feuchtigkeitspflege wie Cremes und Ölen und vor dem Sonnenschutz auf die Haut. 

Das gilt auch für das Niacinamid-Serum, das nach der Gesichtsreinigung und Gesichtswasser aufgetragen wird, unter die Tages- oder Nachtpflege. Dabei gilt es zu beachten, dass einige Hautreiniger und Toner, aber auch Feuchtigkeits-Cremes und Masken ebenfalls Niacinamid enthalten. 

Die Wirkung von Niacinamid ist nämlich von der Niacinamid-Konzentration abhängig. Gerade bei der Wahl eines Serums, aber auch bei der Kombination eines Serums mit weiteren niacinamidhaltigen Produkten gilt es diese im Blick zu behalten. Die meisten Niacinamid-Formulierungen in Serenform enthalten 5 Prozent oder weniger. 

Für einige Benefits, wie zum Beispiel die Behandlung von Hyperpigmentierung oder Sonnenschäden, braucht man mindestens eine Konzentration von 5 Porzent. Andere Effekte sind schon bei zweiprozentiger konzentrierter Formulierung erkennbar. Diese Seren helfen zum Beispiel schon bei Unreinheiten, Ekzemen und Entzündungen.

Wer besonders sensible Haut hat, sollte zunächst mit einer geringer konzentrierten Formulierung beginnen, die Reaktion der Haut beobachten und sie bei Bedarf steigern. 

Grundsätzlich gilt: Das Hautbedürfnis entscheidet, welches Produkt das Richtige ist. Wer unreine Haut hat, kann sie mit einem Niacinamid Serum sehr gut unterstützen. Wer große Poren hat, könnte vielleicht mit einem Niacinamid Toner besser bedient sein. Trockene Haut kann von einer Niacinamid Creme oder sogar von einem Öl profitieren. Es lohnt sich zunächst den Bedarf und das Ziel festzustecken, dem das Niacinamid Produkt gerecht werden soll.

Niacinamid schichten und kombinieren

Wie bereits erwähnt kann Niacinamid sehr gut mit pflegenden und stärkenden Haut Wirkstoffen kombiniert verwendet werden. Dabei werden die Wirkungen vieler Inhaltsstoffe sogar verbessert.

Beispielsweise wirken Niacinamid, Kupfer, Folsäure und Zink gemeinsam noch besser gegen Akne und Entzündungen. Oder ein Niacinamid-Serum, das zusammen mit Hyaluronsäure verwendet wird, kann noch mehr Feuchtigkeit in der Haut binden. Auch gemeinsam mit Retinol oder Salicylsäure bringt Niacinamid tolle Ergebnisse.

Umstritten war bisher nur die Kombination mit Vitamin C. Doch auch dieser Mix gilt nun dank neuer Studien zu dem Wirkstoff als unbedenklich. Werden Niacinamid und Vitamin C nacheinander auf die Haut gegeben, stellt dies kein Problem dar. Sie ergänzen sich in ihrer Wirkung. Nur wenn sie im selben Produkt in einer Formel verwendet werden, könnte dies die Wirkung von Vitamin C schwächen.

Wann und wie oft sollte man Niacinamid auftragen?

Um optimale Ergebnisse zu erzielen, empfehlen Expert*innen Niacinamid-Produkte zweimal täglich auf der gereinigten Haut zu verwenden. Egal ob Gesichtswasser mit Niacinamid, ein Serum oder ähnliches. Bei niedrigen konzentrationen können auch mehrere Niacinamid-Produkte übereinander verwendet werden. Selbst rund um die empfindliche Augenpartie können Niacinamid Booster und Seren wunderbar wirken.

Niacinamid Seren mit 10%iger Konzentration können und sollten lieber allein verwendet oder als Booster in die Tagespflege gemixt werden. Noch höhere Konzentrationen mit bis zu 20% Niacinamid kommen ebenfalls pur auf die saubere Haut. Sie wirken besonders glättend, verfeinernd, schützend und stärkend. Allerdings braucht nicht jeder Hauttyp gleich eine so hohe Konzentration und die Haut kann langsam daran herangeführt werden.

Schließlich kann man nach zwei bis vier Wochen nach täglicher doppelter Anwendung erste Wirkungseffekte erkennen. Wie früh oder spät sich Ergebnisse einstellen, hängt von den zu behandelnden Hautproblemen, von der Konzentration aber eben auch von der regelmäßigen Anwendung des Niacinamid-Produkts ab. Um einen eindeutigen Effekt sehen zu können, ist eine konstante Anwendung nötig. Danach wird das Hautbild weiterhin kontinuierlich verbessert. Vorausgesetzt, die Haut wird weiterhin mit Niacinamid versorgt. Nach acht Wochen sollten weitere Unterschiede und Verbesserungen erkennbar sein.

Die besten Niacinamide Seren

Wir bereits erwähnt, gibt es Niacinamide zum Cremen und zum Schucken, als Toner, Creme, Öl und sogar als Pulver oder Patches. Die beliebteste Produktvariante bleibt aber das Serum. Deswegen haben wir uns nach den besten Niacinamid-Seren auf dem Markt umgeschaut.

Der Niacinamide Booster von Paula’s Choice* ist ein wirklich hoch dosierter Alleskönner. Wer seiner Haut eben diesen Booster verpassen möchte, wer greift zum 10-prozentigen Serum. Übrigens bietet Paula’s Choice auch niedriger sowie höher konzentrierte Niacinamide Booster an.

Das Niacinamide Serum von The Ordinary ist ebenfalls sehr begehrt und durch seine Kombination mit Zink besonders für unreine Haut geeignet. Die Formel mit 10 Prozent Niacinamid gleicht die Talgaktivität aus und sorgt für ein ebenmäßigeres Hautbild. Es ersetzt allerdings keine ganzheitliche Akne-Behandlung. 

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Wer mit Pigmentflecken und Pickelmalen zu kämpfen hat, liegt mit dem Pure Niacinamide 10 Serum von La Roche Posay richtig. In Kombination mit Hyaluronsäure wirkt das Niacinamid Serum sehr feuchtigkeitsspendend. Die milde Formulierung, wie man es von La Roche Posay kennt, ist unparfümiert und für jeden Hauttyp geeignet. 

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Niacinamid allein wird jedoch nicht alle Hautprobleme lösen können. Um die Haut gesund, stark und strahlend zu pflegen, braucht man eine ausgewogene Pflege-Routine, inklusive guter Reinigung, weiterer Wirkstoffe, die auf den Hauttyp abgestimmt sein sollten und den täglichen Lichtschutzfaktor gegen UV-Strahlung. Und natürlich spielt die Ernährung ebenfalls eine große Rolle. 

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